Volltext: Fürchtet euch nicht! (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/201224 Schwerpunkt
E
s beginnt damit, dass die Ampel-
anlagen verrücktspielen. Ein Ver-
kehrschaos in der Millionenmetro-
pole führt zu zahlreichen Unfällen 
und ersten Panikausbrüchen. Als auch 
noch die Mobilfunknetze nicht mehr 
funktionieren, beginnen sich auf den Stra-
ßen unglaubliche Szenen abzuspielen. 
Währenddessen bricht der internationale 
Finanzmarkt ein. Dann fällt auch noch 
der Strom aus, Millionen Menschen sind 
ohne Energieversorgung. Dass das gesamte 
Wasser der Stadt inzwischen mit einem 
tödlichen Keim versetzt wurde, weiß noch 
niemand. Wie sollte man davon erfahren, 
wenn man nicht an Informationen heran-
kommt, weil es keinen Strom gibt?
Mustervorlage für Cyberterrorismus
Auch wenn dieses Szenario frei erfunden 
ist, Hollywood gab ihm den Begriff „Fi-
re Sale“, gemeint ist damit die Übernah-
me der Kontrolle großer Teile der Infra-
struktur – Transportwesen, Kommuni-
kation, Energie – durch Terroristen. 
Eugene Kaspersky, Gründer der auf Si-
cherheitssoftware spezialisierten Firma 
Kaspersky Lab, brauchte mehrere 
Schnäpse, als er sich den Film „Stirb lang-
sam 4.0“ mit Bruce Willis ansah. „Der 
Cyber-Terrorismus beschäftigt uns schon 
seit Anfang des Jahrtausends – aber wir 
sprachen nie darüber, um nur ja nieman-
den auf blöde Gedanken zu bringen. Was 
ist Hollywood denn hier nur eingefallen? 
Die geben den Gangstern hier eine Mus-
tervorlage für weltweiten Cyber-Terro-
rismus!“ Der russische Sicherheitsex perte 
hält rund die Hälfte der in dem Film 
aufgezeigten Szenarien für praktikabel. 
Allerdings benötigt man große Infra-
strukturen hinter sich. Darum wird auch 
die Lahmlegung Estlands, die 2007 Re-
alität war, nicht einer kleinen Organisa-
tion zugeschrieben, sondern den russi-
schen Geheimdiensten. Banken, Behör-
den, Notrufe, Polizei und Regierung 
waren in Estland tagelang durch eine 
DoS-Attacke lahmgelegt. 
Bei DoS-Attacken (Denial of Ser-
vice, deutsch: Dienstverweigerung) wer-
den ein oder mehrere zentrale Server 
durch Überlastung arbeitsunfähig ge-
macht. Sie erhalten binnen kurzer Zeit 
so viele Anfragen, dass sie zusammen-
brechen. Anders arbeitete der Virus 
„Stuxnet“, mit dem die Urananreiche-
rungsanlagen des Iran sabotiert wurden. 
Dafür zeichnen sich, wie schon vermu-
tet und im Juni 2012 bestätigt, die USA 
verantwortlich. Präsident Obama hatte 
den Angriff angeordnet, um einen mili-
tärischen Schlag Israels gegen den Iran 
zu verhindern. Die Möglichkeit, sich in 
atomare Anlagen einzuhacken und dort 
etwas anzustellen, besteht also. Ist das 
die Zukunft des Terrorismus? Müssen 
wir damit rechnen, dass jederzeit die U-
Bahn stillsteht, der Strom ausgeht oder 
das Wasser verseucht wird?
Terror in Österreich
Bislang ist Cyberterrorismus noch keine 
wirkliche Bedrohung. Aber es reichen ja 
schon die klassischen Bedrohungen aus, 
um die Bevölkerung zu verunsichern. 
Spätestens seit 9/11 haben wir Bilder im 
Kopf, wie Terror aussehen kann. Dabei 
war auch Österreich schon des Öfteren in 
Terrorfälle verwickelt. Als am 21. Dezem-
ber 1975 Terroristen das OPEC-Haupt-
quartier überfielen und mehrere Erdöl-
minister und deren Mitarbeiter als Gei-
seln nahmen, war man in Österreich weit 
weg davon, auf solche Fälle vorbereitet zu 
sein. Am 1. Mai 1981 wurde der Wiener 
SPÖ-Stadtrat Heinz Nittel von Mitgliedern 
der Nidal-Gruppe erschossen. Am 29. Au-
gust 1982 stürmten zwei Araber bei der 
Sabbat-Feier die Synagoge in der Wiener 
Seitenstettengasse und töteten vier Men-
schen. Nach der Verurteilung der drei At-
tentäter versuchte die Gruppe um Abu 
Nidal die Gefangenen freizupressen. 
Nachdem dies seitens  Österreichs abge-
lehnt wurde, folgte am 27. Dezember 
1985 das Attentat auf den Wiener Flug-
hafen Schwechat: zwei Tote, 40 Verletzte. 
Von 1993 bis 1997 gab es in Österreich 
fünf Serien von Briefbomben-Attentaten. 
Am 11. April 1995 jagten sich zwei Men-
schen selbst in die Luft, als sie in Ebergas-
sing Strommasten sprengen wollten. Aber 
man muss nicht so weit zurück, am 25. 
Mai 2009 sind bei einem Attentat auf zwei 
aus Indien angereiste Gurus im „Shri Gu-
ru Ravidass Sabha“-Tempel in Wien einer 
der angereisten Gurus getötet und der 
zweite sowie mehrere Menschen schwer 
verletzt worden. Das alles nur in dem klei-
nen Land  Österreich. Und da sollen wir 
uns nicht fürchten?
Furcht ist das Ziel von Terrorismus
Nein, sollen wir nicht! Denn die Furcht 
ist das Ziel des Terrorismus. Das Wort 
Terror kommt aus dem Lateinischen und 
Bombenstimmung in Österreich
Die Gefahr des Terrors ist immer und überall existent. Wehren können wir uns  
nur mit einer heroischen Gelassenheit, denn Angst ist das Ziel des Terrors.
Autor: Martin Haiden
Freier Journalist
        

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