Full text: Fürchtet euch nicht! (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/201234 Schwerpunkt
Unter Druck
Unsere moderne Arbeitswelt setzt Menschen immer häufiger unter Zeit- und 
Leistungsdruck – Coaching kann hilfreich sein.1 
M
enschen geraten durch hohe und 
vielschichtige Anforderungen in 
der Arbeitswelt zunehmend un-
ter Druck und leiden unter 
Stresssymptomen. Es ist kein Einzel-
schicksal, wenn „alles zu viel und zu 
schnell“ wird und es nicht mehr zu schaf-
fen ist, „alles unter einen Hut“ zu brin-
gen. Da der Druck in der Arbeitswelt 
nicht nur für Führungskräfte steigt und 
gleichzeitig die AnsprechpartnerInnen im 
beruflichen Umfeld für einen Austausch 
fehlen, gewinnt Coaching an Bedeutung. 
Für zwischenmenschliche Kommunika-
tion bleibt in den Unternehmen kaum 
Zeit.
Klassische Auslöser des Drucks
Die Grenzen zwischen Arbeit und Privat-
leben sowie Berufs- und Freizeit ver-
schwimmen. Die geforderte ständige Er-
reichbarkeit der Beschäftigten über In-
ternet und Mobiltelefon hat die 
Arbeitswelt stark verändert. Wenn die 
Berufsrolle zu groß wird, haben Men-
schen in allen Lebensbereichen das Ge-
fühl, keine Zeit mehr zu haben und nichts 
mehr so zu schaffen, wie sie es möchten. 
In der Arbeit gibt es kaum noch einen 
Anfang und ein Ende, weil ein Projekt 
das nächste überlappt und die Leute nicht 
mehr wissen, wann es beginnt bzw. auf-
hört und vor allem, wann man etwas ab-
schließen kann. Im Coaching geht es da-
her immer wieder um die Themen „Aus-
balancieren von Arbeit und Privatleben“ 
und „Abgrenzung der eigenen Person“. 
Hohe und widersprüchliche Anforderun-
gen in Arbeit und Privatleben, Dinge in 
kurzer Zeit in guter Qualität zu erledigen, 
das setzt Menschen unter massiven 
Druck. Vielen gelingt es nicht mehr, Pri-
oritäten zu setzen und Entscheidungen 
zu treffen. Sie wissen nicht, was sie zuerst 
machen sollen und sind nicht mehr in 
der Lage, abzuschalten.
In zahlreichen Unternehmen gab es 
in den letzten Jahren häufige Umstruk-
turierungen und Auslagerungen sowie 
Einsparungen verbunden mit Personal-
abbau. Führungskräfte und Mitarbeite-
rInnen sollen mit immer knapper wer-
denden Ressourcen den gleichen Output 
in sehr guter Qualität liefern, was un-
weigerlich zu Stress und Überforderung 
führt. Selbst gut strukturierte Menschen 
scheitern zunehmend an von vornherein 
unrealistisch hohen Zielen und der zu 
leistenden Menge. Überforderung ent-
steht immer an der Schnittstelle von 
Person und Organisation, aber nur in 
der Person manifestiert sie sich.
Betroffene Personengruppen
Mittlerweile gibt es bis auf wenige Aus-
nahmen kaum noch Unterschiede in der 
Betroffenheit. Frauen und Männer, Füh-
rungskräfte, ArbeiterInnen und Ange-
stellte, Selbstständige und Unselbststän-
dige aus unterschiedlichsten Bereichen 
und Branchen leiden unter Arbeitsüber-
lastung sowie Zeitdruck und können so-
mit ins Burnout schlittern.
Obwohl Frauen und Männer im 
gleichen Ausmaß unter Druck stehen, 
gehen sie im Allgemeinen sehr unter-
schiedlich damit um. Frauen beginnen 
früher darüber zu sprechen, dass ihnen 
alles zu viel wird. Männer versuchen so 
lange durchzuhalten, bis sie nicht mehr 
können und suchen dann erst Hilfe oder 
Unterstützung.
Alles unter einen Hut bringen
Für Frauen steht oft im Vordergrund, wie 
sie Haushalt, Partnerschaft, Kinder und 
Karriere unter einen Hut bringen sollen. 
Durch diese Mehrfachbelastung ist der 
Druck für sie zwar einerseits höher, ande-
rerseits können sie sich dem Druck aus 
der Arbeitswelt manchmal leichter wider-
setzen, weil sie mehrere Standbeine im 
Leben haben. Wenn die Belastung im Be-
rufsleben zu groß wird, haben Frauen im 
Gegensatz zu Männern weniger das Ge-
fühl, alles zu verlieren, und stellen seltener 
ihren gesamten Lebenssinn in Frage.
Führungskräfte der mittleren Füh-
rungsebene stehen häufig stärker unter 
Druck als jene der obersten Hierarchie-
stufe, vor allem wenn sie wenig Gestal-
tungsspielraum haben, die Vorgaben 
von oben eng und unklar sind und sie 
gleichzeitig ihr Team gut führen wollen. 
Sie kommen dann oft in eine große 
Zwickmühle. Generell können Men-
schen umso besser mit Druck umgehen, 
je größer ihr Gestaltungsspielraum ist 
und je umfassender ihre Möglichkeiten 
sind, etwas zu verwirklichen.
Coaching2 ist ein interaktiver perso-
nenzentrierter Beratungs- und Beglei-
Autorin: Ruth Naderer
Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien 
und Systemischer Coach
1 Dieser Artikel beruht auf einer Masterthesis der Autorin.
2  Siehe auch ACC – Österreichischer Dachverband für Coaching, 
www.coachingdachverband.at
        

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