Full text: Europa der Generationen (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/201234 Schwerpunkt
Kein Grund zur Panik
Die Perspektiven der öffentlichen Alterssicherung sind wesentlich besser,  
als uns viele weismachen wollen. 
K
önnen wir uns die Pensionen noch 
leisten? Wie wird das sein, wenn 
die Zahl der Älteren in Zukunft 
kräftig steigt? Leben die Älteren 
auf Kosten der Jugend? Derartige Fragen 
werden nicht nur von Wissenschaftle-
rInnen und PolitikerInnen, sondern auch 
an den Stammtischen heftig diskutiert. 
Da und dort gehen die Meinungen weit 
auseinander. Im Folgenden wird zuerst 
die finanzielle Entwicklung der gesetz-
lichen Pensionsversicherung seit 1970 be-
leuchtet. Beim Blick nach vorn steht an-
schließend kurz der bevorstehende demo-
grafische Wandel im Fokus. Abschließend 
werden die Finanzierungsperspektiven der 
öffentlichen Alterssicherung erörtert. 
Pensionsausgaben 1970–2010
Zwischen 1970 und 2010 ist die Zahl der 
Pensionen aus der gesetzlichen Pensions-
versicherung ganz enorm in die Höhe ge-
gangen, von 1,28 Mio. auf 2,22 Mio. Der 
Blick in die Statistik zeigt, dass es ganz 
gut gelungen ist, die dafür erforderlichen 
Ausgaben in Grenzen zu halten. Seit Mit-
te der 1980er-Jahre sind die Pensionsaus-
gaben über lange Zeit nicht stärker gestie-
gen als das Bruttoinlandsprodukt (BIP). 
Erst mit der aktuellen Finanz- und 
Wirtschaftskrise und dem damit verbun-
denen BIP-Einbruch 2009 war wieder ein 
Anstieg zu verzeichnen. Auch der Bun-
desbeitrag ging mit der Krise deutlich in 
die Höhe. In der Krise nahm die gesetz-
liche Pensionsversicherung ihre Funktion 
als „automatischer Stabilisator“ wahr und 
trug damit ganz wesentlich dazu bei, ei-
nen noch schlimmeren Wirtschaftsein-
bruch zu verhindern. Die Tatsache, dass 
damit zwangsläufig (vorübergehend) 
auch ein höherer BIP-Anteil und ein hö-
herer Bundesbeitrag einhergehen, wird in 
der „Spardiskussion“ im aktuellen wirt-
schafts- und finanzpolitischen Umfeld oft 
übersehen. Erreicht wurde die weitgehen-
de Stabilisierung der Ausgaben (relativ 
zum BIP) ab Mitte der 1980er-Jahre nicht 
zuletzt durch die zahlreichen seit damals 
durchgeführten Pensionsreformen. Viele 
dieser Reformen waren ganz klar darauf 
ausgerichtet, die Pensionen langfristig fi-
nanzierbar zu halten. 
Nach dem Regierungswechsel im 
Jahr 2000 kam ein weiteres Ziel ins Spiel. 
Vor allem mit der Reform 2003 wurde 
ein Systemwechsel angestrebt. „Weniger 
Staat, mehr privat“ war damals eine zen-
trale Losung, die die schwarz-blau-oran-
ge Regierung auch im Bereich der Pen-
sionen umzusetzen versuchte. Spätestens 
durch die Börseneinbrüche 2008/2009 
wurde deutlich, dass die Gewerkschaf-
ten, die AK und die damaligen Opposi-
tionsparteien gut beraten waren, sich da-
gegen mit aller Kraft zur Wehr zu setzen. 
Demografischer Wandel
Der demografische Wandel ist ohne 
Zweifel eine der großen Herausforde-
rungen unserer Zeit. Nach den aktuellen 
Bevölkerungsvorausschätzungen der Sta-
tistik Austria wird in Österreich die Zahl 
der über 65-jährigen Menschen bis zum 
Jahr 2050 von derzeit 1,48 auf 2,64 Mio. 
ansteigen. Diese Änderung ist gewaltig 
und erfordert Anpassungen in vielen Be-
reichen. Leider verstellen irreführende 
Darstellungen oft den Blick auf angemes-
sene Antworten in der Alterssicherung. 
Sehr häufig wird z. B. aus dem stei-
genden Altenanteil abgeleitet, dass sich 
das Verhältnis zwischen PensionistInnen 
Autor: Josef Wöss
Leiter der Abteilung Sozialpolitik  
der AK Wien
Vorausschätzung der öffentlichen Pensionsausgaben in Österreich
BIP real*
Pensionsaufwand
Pensionsversicherung
Pensionsaufwand
Beamte
Pensionsaufwand
gesamt
Bundesmittel
(PV + Beamte)
relativ zu BIP
2010 284 Mrd. € 10,6 % 3,5 % 14,1 % 5,7 %
2020 339 Mrd. € 11,7 % 3,4 % 15,1 % 6,6 %
2030 387 Mrd. € 13,4 % 3,3 % 16,7 % 8,2 %
2040 444 Mrd. € 14,1 % 2,4 % 16,5 % 7,9 %
2050 509 Mrd. € 14,8 % 1,6 % 16,4 % 7,8 %
2060 579 Mrd. € 14,7 % 1,4 % 16,1 % 7,5 %
Quelle: EU Ageing Report 2012; BMF
* Geldwert 2010 / Annahme: BIP-Steigerung um durchschnittlich 1,43 % p. a.
        

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