Full text: Haben wir eine Wahl? (10)

Arbeit&Wirtschaft 10/201222 Schwerpunkt
Einsatz mit Semmerl
Den Wahltag verbringen WahlhelferInnen gewöhnlich in ihrem Wahlsprengel.  
Ein Überblick über diese demokratisch notwendige, triviale Tätigkeit.
S
chreiten wir zur Wahl, dann kann 
nicht viel ohne die vielen freiwilli-
gen WahlhelferInnen passieren. Im 
Dezernat Wählerevidenz, Wahlen 
und direkte Demokratie in der MA 62 
weiß Leiter Otto Gmoser, wie viel Zeit-
aufwand dazugehört und wen wir in un-
serem Sprengel antreffen. „Eine Wahlbe-
hörde besteht aus dem/der Sprengelwahl-
leiterIn und seinem/seiner, ihrem/ihrer 
StellvertreterIn, die von der Gemeinde 
gestellt werden. Dazu kommen noch die 
drei politisch besetzten BeisitzerInnen.“ 
In Wien sind das derzeit zwei Beisitze-
rInnen der SPÖ und eine/r der FPÖ. An-
zahl und Zusammensetzung sind freilich 
von den Ergebnissen der letzten Wahlen 
abhängig. „Daneben gibt es noch Wahl-
zeugen, die von allen kandidierenden Par-
teien gestellt werden können. Ein Wahl-
zeuge kann aber nur den Wahlgang be-
obachten, mehr nicht“, erklärt Gmoser. 
Die Wahlzeuginnen und Wahlzeugen 
sämtlicher kandidierender Parteien kön-
nen von Sprengel zu Sprengel fahren und 
die Wahlsituation beobachten. Anders ver-
hält es sich mit den BeisitzerInnen: „Sie 
sind Mitglieder der Wahlbehörde. Wenn 
entschieden werden muss, ob eine Stimme 
gültig oder ungültig ist, dann haben sie zu 
entscheiden.“ 
Vertrauenspersonen
Darüber hinaus können die kandidieren-
den Parteien auch Vertrauenspersonen 
entsenden. Gmoser: „Der Unterschied zu 
den Wahlzeugen besteht darin, dass die 
Vertrauenspersonen der Wahlbehörde 
angehören und einem Sprengel zugeord-
net sind. Bei der Auszählung der Stim-
men können beide dabei sein, aber nicht 
mitbestimmen, wenn es Unsicherheiten 
bei der Zuordnung einer Stimme gibt.“ 
BeisitzerIn, Wahlzeuge, Wahlzeugin und 
Vertrauensperson kann jeder Mensch 
sein, der am Wahltag das 16. Lebensjahr 
vollendet hat – doch er/sie muss von ei-
ner Partei nominiert werden. 
Wahl-Arbeitstag beginnt um fünf Uhr
Als Beisitzer war Dezernatsleiter Gmoser 
nie selbst tätig, denn seit er wahlberech-
tigt ist, arbeitet Gmoser für die MA 62. 
Doch der Wahltag ist auch für ihn purer 
Stress. Um fünf Uhr morgens ist Dienst-
beginn und der Arbeitstag endet, wenn 
die letzte Bezirkswahlbehörde mit ihrer 
Auszählung fertig ist, zumeist um Mitter-
nacht. Bei Gemeinderats- und Bezirks-
vertretungswahlen kann es aber auch bis 
fünf Uhr in der Früh dauern – ein 
24-Stunden-Dienst ist also möglich. 
Lange Wahlabende kennt auch 
Wahlbeisitzer Alexander Koppensteiner, 
der diese Aufgabe bereits seit 1998 aus-
übt. Zwar erhalten die Wahlbeihelfe-
rInnen 30 Euro Aufwandsentschädi-
gung, doch Koppensteiner spendet den 
Betrag der politischen Bewegung – das 
ist nicht Pflicht, aber doch Tradition. 
„Meine Genossen haben mich gebeten 
als Wahlbeisitzer mitzuarbeiten, und es 
macht immer noch Spaß. Wenn man 
sich zu Wahlen bekennt, sollte man 
auch deren Abhaltung unterstützen“, 
 erklärt Koppensteiner. Dass Wahlbei-
sitzerInnen aufeinander angewiesen 
sind, mit den BeisitzerInnen anderer 
Parteien gut  zusammenzuarbeiten, ist 
für Koppensteiner kein Problem. „Das 
ist eigentlich sehr leicht, denn wir alle 
haben das gleiche Ziel: den Tag mög-
lichst angenehm hinter uns zu bringen.“ 
Angenehm heißt etwa, nicht die 
ganze Nacht bei der Auszählung zu ver-
bringen und als sogenannte „fliegende 
Wahlkommission“, die zu Gebrech-
lichen in die Wohnung kommt, nicht 
mehr nach dem eigentlichen Wahl-
schluss unterwegs zu sein. Otto Gmoser 
hat das Jahr 1996 noch genau in Erinne-
rung, denn damals fanden die Gemein-
deratswahlen und die Wahlen zum Eu-
ropäischen Parlament am gleichen Tag 
statt. „Das war fürchterlich. Zwar wer-
den durch Wahlen am gleichen Tag auch 
Kosten eingespart, aber für die Wahlbe-
hörden entstand 1996 das fürchter-
lichste und schlimmste Chaos, das man 
sich vorstellen kann.“ 
Nur ein kleiner Rückblick: Bei der 
Stimmzettelausgabe musste besonders 
aufgepasst werden – viele WählerInnen 
wussten überhaupt nicht, was zu tun 
war, und die Kuverts in unterschied-
lichen Farben mussten freilich auch in 
verschiedene  Urnen eingeworfen wer-
den. Ein zusätz liches Problem: Die 
Stimmen für die Wahl zum Europä-
ischen Parlament durften damals nicht 
vor 22 Uhr ausgezählt werden. Die 
meis ten Freiwilligen waren deshalb bis 
Mitternacht im Einsatz, manche Wahl-
beisitzerInnen sogar bis halb zwei Uhr 
morgens. „Das hat zu einigen Unmuts-
äußerungen geführt“, erinnert sich 
Gmoser. „Angehörige haben angerufen 
AutorInnen:  
Christian Resei und Sophia T. Fielhauer-Resei
Freie JournalistInnen
        

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