Full text: Lieber reich als arm (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/2013 27Schwerpunkt
schätzen ihr Vermögen. So floss kein 
Vermögen aus Privatstiftungen in die 
Erhebung mit ein. Die dargestellten 
Zahlen und Verhältnisse stellen also eine 
Untergrenze der Ungleichverteilung des 
Vermögens dar. Bei einer erneuten Er-
hebung ist es deshalb unbedingt not-
wendig, so wie international üblich, ge-
zielt mehr vermögensreiche Haushalte 
zu befragen, um auch die extrem reichen 
Haushalte zu erfassen.
Wie viel Vermögen wurde geerbt?
Erbschaften spielen eine wichtige Rolle 
in der Vermögensverteilung in Öster-
reich. Etwa 15 Prozent aller Haushalte 
erbten ihren Hauptwohnsitz. Bewertet 
nach dem Gegenwartswert 2010 sum-
mieren sich alle Erbschaften auf über 320 
Mrd. Euro, also knapp ein Drittel des 
Gesamtvermögens. („Erbschaften öster-
reichischer Haushalte“ siehe Seite 28)
Insgesamt hatten zum Befragungs-
zeitpunkt 35 Prozent aller Haushalte 
Vermögen geerbt, vermögensreiche 
Haushalte erbten allerdings wesentlich 
häufiger. Während von den vermögens-
ärmsten 20 Prozent der Haushalte unter 
zehn Prozent erbten, waren es bei den 
reichsten 20 Prozent schon fast zwei 
Drittel. Noch deutlicher wird der Un-
terschied bei der Höhe der Erbschaften. 
Für die vermögensärmsten 40 Prozent 
betrug das Erbe in der Mitte etwas über 
14.000 Euro, während sich die mittle-
ren Erbschaften der vermögensreichsten 
20 Prozent um 240.000 Euro bewegten.
Es kann nicht präzise festgestellt wer-
den, wie viel Ungleichheit eine Gesell-
schaft tatsächlich aushält oder als akzep-
tabel ansieht. Jedoch ist klar, in welche 
Richtung sich Österreich nach Meinung 
der Mehrheit der Menschen bewegen 
sollte: hin zu weniger Ungleichheit. 
Eine Vielzahl von Maßnahmen sind 
hier anzudenken. Auf der steuerlichen 
Seite besteht besonderer Reformbedarf: 
Eine Vermögenssteuer auf hohe Vermö-
gen könnte einen Beitrag leisten, das 
Aufgehen der Schere zwischen Arm und 
Reich zu bremsen. Die Einführung ei-
ner reformierten Erbschafts- und Schen-
kungssteuer mit Freibeträgen und einer 
Staffelung für nahe Verwandte könnte 
als Finanzierung der steigenden Kosten 
der Pflegeleistungen dienen. Unum-
gänglich sind auch eine umgehende 
Einführung der Finanztransaktionssteu-
er, die Regulierung des Finanzsektors, 
die Schließung von Steueroasen und ef-
fektive Maßnahmen gegen Steuerhin-
terziehung und -umgehung.
Zweitens braucht es einen Ausbau 
des Wohlfahrtsstaats und des Sozialsys-
tems: Diese sind für die Beschränkung 
der Ungleichheit in Österreich unerläss-
lich. Zudem haben sie sich beim relativ 
glimpflichen Verlauf der Finanz- und 
Wirtschaftskrise in Österreich als tra-
gende Säulen der wirtschaftlichen Stabi-
lität erwiesen. Der Zugang aller Bevöl-
kerungsgruppen zum Gesundheits- und 
Bildungssystem ist essenziell für eine 
gerechte Verteilung von Lebenschancen. 
Vor allem bei Kinderbetreuung und 
Pflege besteht Nachholbedarf.
Drittens braucht es eine gerechtere 
Verteilung der volkswirtschaftlichen 
Wertschöpfung: Der fallende Anteil von 
Arbeitseinkommen am gesamtwirt-
schaftlichen Einkommen kann nicht al-
leine durch steuerliche Maßnahmen 
wettgemacht werden. Es braucht Poli-
tiken, die eine Abkehr vom Sharehol-
der-Value begünstigen, wie zum Beispiel 
niedrigere Ausschüttungen von Divi-
denden zugunsten von Realinvestiti-
onen und Löhnen. 
Dies begünstigt eine stabilere Ent-
wicklung der Wirtschaft, trägt dazu bei, 
dass der Finanzsektor die ökonomische 
Entwicklung unterstützt anstatt sie zu 
dominieren, ermöglicht eine gerechtere 
Verteilung des Wohlstandes und schützt 
die Demokratie vor ungesunder Vermö-
gens- und Machtkonzentration.
Internet:
Unterlagen zur Haushalts-, Finanz und 
 Konsumerhebung (HFCS):
Österreich:
www.hfcs.at
Eurozone:
tinyurl.com/bdt3lty
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an die Autorinnen
christa.schlager@akwien.at
miriam.rehm@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
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Eine Mehrheit sieht die österreichische 
 Gesellschaft heute als eine „Pyramide“ –  
viele Menschen unten, wenige an der Spitze.
        

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