Full text: Moderne Zeiten (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/201326 Schwerpunkt Frauen in die Technik? Durch zahlreiche Initiativen sollen Frauen und junge Mädchen ihre technischen Talente entdecken und sich für nicht-traditionelle Berufe begeistern. N och immer sind Frauen in den technisch-naturwissenschaftlichen Studienrichtungen deutlich un- terrepräsentiert. Obwohl diese Studien oft die besten Berufs-, Einkom- mens- und Karrierechancen bieten. Mit zahlreichen Förderprogrammen sollen Mädchen schon ab dem Schulalter mo- tiviert werden, MINT-Fächer zu studie- ren. Mathematik, Informatik, Naturwis- senschaft und Technik, so weiß man im 21. Jahrhundert, sind ebenso wenig aus- schließlich männlich wie Kochen, Pfle- gen und Erziehen weiblich sind. So un- terstützt etwa die Arbeiterkammer das von der Technisch-Naturwissenschaft- lichen Fakultät der Johannes-Kepler- Universität Linz initiierte Projekt FIT – Frauen in die Technik. Ziele von FIT sind die Erhöhung des Frauenanteils bei den Studierenden technisch-naturwissenschaftlicher Fä- cher und die Förderung von weiblichen Technikkarrieren. Information, Bera- tung und spezielle Unterstützungsange- bote für Schülerinnen dienen dabei dem Abbau von Berührungsängsten. Resistentes Vorurteil Laut einer im Auftrag des Kompetenz- zentrums FEMtech erstellten Studie „Frauen in Forschung und Technologie: Argumente und wie die Fakten dazu aussehen“ erweist sich das Vorurteil, dass Frauen nichts von Technik verstünden, als erstaunlich resistent. Trotz der steigen- den Zahl von Wissenschaftlerinnen und Technikerinnen, die das Gegenteil bewei- sen. Der Frauenanteil am gesamtwissen- schaftlichen Personal im Sektor For- schung und Entwicklung ist zwischen 1998 und 2009 von rund 14 auf 22 Pro- zent gestiegen. Doch technologie- und forschungsintensive Berufsfelder sind nach wie vor männlich dominiert. Über- durchschnittlich häufig sind dieser Studie zufolge Frauen in Teilzeitbeschäftigungs- verhältnissen tätig, während sie in Vollzeit deutlich unterrepräsentiert sind. Die Aufstiegschancen für Frauen in der außeruniversitären naturwissen- schaftlichen Forschung sind laut der Kurzstudie von FEMtech „Chancen- gleichheit in F&E – Aktuelle Daten auf einen Blick“ vergleichsweise schlecht. Dies zeige sich nicht allein am soge- nannten Glass-Ceiling-Index, der die relative Chance von Frauen misst, in Führungsetagen aufzusteigen, sondern auch am geringen Anteil von Frauen in der Geschäftsführungsebene. Ob Mann, ob Frau ist gleich Für den Physiker Josef Greiner lenkt der Ruf nach „mehr Frauen in die Technik“ vom Wesentlichen ab. Vielmehr sei die oftmals zerstörerisch eingesetzte Technik selbst zu hinterfragen. Gemeinsam mit der Pädagogin Eleonore Fischer betreibt er seit 1988 die Experimentierwerkstatt Wien/EWW mit deren interaktiven Expo- naten Kindern und Erwachsenen physi- kalische Phänomene spielerisch näherge- bracht werden. Ausgehend von der Phy- sik werden interdisziplinäre Brücken geschlagen, vor allem zu Kunst, Wissen- schaftstheorie und Wissenschaftsge- schichte. Ihnen geht es nicht um eine Naturwissenschaft und Technik, „deren Wirkungsgrad möglichst hochgeschraubt wird, um auch den letzten Tropfen her- auszuholen“, sondern um eine Form von Beziehungswissenschaft, um möglichst ganzheitlich mit der Natur in Verbindung zu treten. „Die gängigen Versuche, die Men- schen für Naturwissenschaft und Tech- nik zu begeistern“, so Greiner, „reflek- tieren kaum, dass sie Teil einer geschichtlichen Entwicklung sind, die an einem sehr kritischen Punkt ange- langt ist. Für mich liegt die Hoffnung darin, dass sich mehr Frauen damit aus- einandersetzen, die Anwendungen und Arten der Technik zu verändern.“ Gender-Studies Ein Schritt in diese Richtung wurde 2005 mit „Gender in die Lehre“ (GiL) gesetzt, dem ersten Projekt Österreichs, das sich konkret mit dem Zusammenhang des sozialen Geschlechts (Gender) und zwei ausgewählten Studienrichtungen (Elek- trotechnik und Technische Physik) an einer technischen Universität auseinan- dersetzte. Erste Diskussionen fanden um die Frage statt, inwiefern auch der Tech- nik ein Geschlecht zu eigen ist. Schon allein die quantitativen Ver- hältnisse an den Universitäten deuten auf Geschlechtsspezifika hin. Und: Technik ist in unserer Gesellschaft nicht geschlechtsneutral, sondern eingelassen in ein gesellschaftliches System der ge- schlechterspezifischen Zuschreibungen und Klischeevorstellungen in Bezug auf Autorin: Gabriele Müller Freie Journalistin

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