Full text: Moderne Zeiten (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/2013 35Schwerpunkt fehleranfällig und eleganter in ihren Lösungen wären“. Außerdem wäre die Budgetierung beispielsweise für den Zeitaufwand einfacher, weil dann weni- ger unvorherseh bare Probleme auftre- ten würden, so der 38-Jährige. Zeit- druck ist übrigens auch laut dem IAQ-Report der zweithäufigste psychi- sche Belastungsfaktor in Hightech- Branchen. Ungeplanter Zusatzaufwand und widersprüchliche Arbeitsanforde- rungen werden in der Studie ebenfalls als häufige Belastungsfaktoren genannt. Die eierlegende Wollmilchsau In einem solchen Arbeitskontext ver- wundert es daher kaum, dass „Arbeits- unterbrechungen durch Personen bzw. Telefonate“ als größte psychische Belas- tung laut der o. a. Studie empfunden werden. Die beiden interviewten Bran- chenkenner Alexander und Thomas wis- sen davon ebenfalls ein Lied zu singen: Thomas berichtet, dass es zwar im Un- ternehmen einen eigenen Supportdienst gibt, er aber trotzdem oft direkt angeru- fen und so aus „seiner Arbeit herausge- rissen wird“. Auch der IT-Spezialist Alexander bestätigt, dass er es immer als sehr stres- sig empfindet, „wenn ich mich gerade in etwas vertieft habe und dann plötz- lich mit ganz anderen Fragestellungen konfrontiert werde“. Überhaupt sei manchmal ein IT-Mitarbeiter ein biss- chen in der Rolle der „eierlegenden Wollmilchsau; da glauben halt manche Kolleginnen und Kollegen, dass du au- tomatisch auch im Internet-, Hard- ware- und Telekommunikationsbereich sowie sämtlichen Programmierspra- chen versiert bist“, erzählt Alexander. Und das natürlich in der Regel dann, wenn etwas nicht funktioniert. Oder wie es Thomas formuliert: „Wenn es wo hängt, stehst du im Rampenlicht und bist scheinbar für alles zuständig – aber wenn alles läuft, bekommst du nie Lob.“ So kommt es gemäß der Studie auch zu emotionalen Belastungen: Nur ein Drittel der Befragten aus der High- tech-Branche gibt an, nach der Arbeit problemlos abschalten zu können, und lediglich 37 Prozent der IT-Spezialisten meinen gemäß der Erhebung, ihre Tä- tigkeit auf Dauer durchzuhalten. Ho- hes Stressaufkommen und Burn-out sind also in der Branche keine Selten- heit. Bessere Arbeitsgestaltung Interessant ist, dass sich die in der genannten Studie empfohlenen Gestal- tungsmaßnahmen sehr stark mit den Aussagen der beiden interviewten Branchenkenner Thomas und Alexan- der decken. Da Zeitdruck und mangelnder Ge- staltungsspielraum als besonders bela- stend empfunden werden, wäre eine entgegenwirkende Maßnahme, die Projektmitarbeit auf maximal zwei Pro- jekte zu begrenzen. Dies wird als „De- fragmentierung“ bezeichnet, also die Konzentration auf Arbeitsschwer- punkte. Weiters sollten konzentrations- intensive Aufgaben störungsfrei erfol- gen können, um Arbeitsunterbre- chungen zu vermeiden und die Kom- pentenzentwicklung zu fördern. Das kann durch eine Trennung von Sup- port- und Projektauf gaben erfolgen oder auch durch Ab sprachen im Team, wo beispielsweise bestimmte Zeiten für störungsfreies Arbeiten aufgeteilt wer- den („Blockarbeitszeiten“). Für die Ver- besserung der Erholung werden in der Studie eine aktive Pausengestaltung und beschränkende Regelungen zu Mehrarbeit angeregt. Weiters werden Optimierungen von technischen Be- richts- und Dokumentationssystemen empfohlen, um ungeplante Zusatzauf- wände zu vermeiden (und in Folge Zeitdruck). Die Bereitstellung gesonderter Kos- tenstellen für Einarbeitungs- und Wei- terbildungszeiten zur Verminderung von Aneignungsbehinderung und zur Kompetenzförderung werden ebenfalls als positive Gestaltungsmaßnahmen genannt. Zusammengefasst sollen also schnelle Aufgabenwechsel und parallele Aufgabenbearbeitung unter hohem Zeitdruck vermieden werden, während gleichzeitig die Grenzen zwischen Ar- beits- und Erholungszeiten eingehalten werden müssen. Internet: IAQ-Report: tinyurl.com/d333vkm Homepage der GPA-djp: www.gpa-djp.at Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin elke.radhuber@gmx.at oder die Redaktion aw@oegb.at © Ö GB -V er la g/ Pa ul S tu rm Nur ein Drittel der Befragten aus der Hightech- Branche gibt an, nach der Arbeit problemlos abschalten zu können, und lediglich 37 Prozent der IT-Spezialisten meinen gemäß der Erhe- bung, ihre Tätigkeit auf Dauer durchzuhalten.

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