Full text: Generation Zukunft (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/201312 Schwerpunkt
I
n Europa waren im Mai 2013 mehr 
als 5,6 Mio. junge Menschen unter 
25 Jahren arbeitslos, das ist eine Ar-
beitslosenquote von knapp 23,5 Pro-
zent. Die Lage spitzt sich in den soge-
nannten Problemstaaten weiterhin zu: In 
Griechenland sind in dieser Altersgruppe 
59,2 Prozent arbeitslos, in Spanien 56,5 
Prozent und in Portugal 42,1 Prozent. 
Der Arbeitslosigkeit folgen Armut, sozi-
aler Abstieg, Abhängigkeit von den Eltern 
– eine Abwärtsspirale.
Für den EGB ist der stetige Anstieg 
der Jugendarbeitslosigkeit eine direkte 
Folge der falschen Krisenbewältigungs-
politik. „Diese Politik ist gescheitert, die 
Schulden sinken nicht, die Arbeitslosig-
keit steigt und steigt monatlich“, sagt 
Bernadette Ségol, Generalsekretärin des 
Europäischen Gewerkschaftsbundes 
(EGB). „Die jungen Menschen sind die 
ersten Betroffenen, weil sie gerade erst 
in den Arbeitsmarkt eintreten. Das ist 
natürlich nicht die Erklärung der EU-
Politik, aber das ist es für uns. Seit fünf 
Jahren machen sie diese Politik – wann 
werden sie sich bewusst, dass es ihre Po-
litik ist, die gescheitert ist, dass ihr Weg 
kein guter war?“
„Merken, dass wir was tun“
Die europäische Politik hat das Problem 
nun erkannt. Anfang Juli hat die deutsche 
Kanzlerin Angela Merkel zu einem Gip-
fel nach Berlin geladen. Viele Worte soll-
ten Europas Jugend signalisieren: Wir 
nehmen eure Probleme ernst. EU-Kom-
missionschef José Manuel Barroso: „Unse-
re Jugendlichen brauchen Aktionen, Ent-
scheidungen, Arbeit – also lasst es uns 
anpacken.“ Die deutsche Kanzlerin be-
tonte, es dürfe keine verlorene Generati-
on geben: „Schön wäre, die Jugendlichen 
in Europa merken mal, dass wir was tun.“ 
Fragt sich, ob es an den Jugendlichen ist, 
etwas zu bemerken, oder an der Politik, 
nun endlich wirklich etwas zu tun. Hin-
ter Angela Merkels Einladung nach Ber-
lin – knapp zwei Monate vor der deut-
schen Bundestagswahl – vermuteten eu-
ropäische Medien ebenso wie die deutsche 
Opposition einen Wahlkampfgag. 
Sechs Mrd. Euro für die Jugend
Der Gipfel in Berlin brachte nicht viel 
mehr als weitere Beteuerungen und die 
– bereits angekündigten – sechs Mrd. 
 Euro für den Kampf gegen Jugendarbeits-
losigkeit von 2014 bis 2020. Sechs Mrd. 
für die gesamte EU – im Vergleich dazu 
nehmen sich die 600 Mio., die im klei-
nen, von Jugendarbeitslosigkeit nicht 
derart massiv getroffenen Österreich jähr-
lich für arbeitsmarktpolitische Maßnah-
men für 15- bis 24-Jährige aufgewendet 
werden, geradezu üppig aus (siehe dazu 
Beitrag von Michael Trinko, Seite 16). 
Das EU-Geld soll jenen Regionen zugu-
tekommen, in denen mehr als 25 Prozent 
der Jugendlichen keine Jobs haben. Die 
genaue Verteilung ist allerdings noch 
 unklar. 
Dass mit der Europäischen Jugend-
garantie das Thema endlich angegangen 
wird, deuten viele als erstes, gutes Signal 
– allerdings auch als halbherziges. Wie 
schnell war die EU mit Milliarden zur 
Stelle und das mehrfach, als es um die 
Rettung der Banken ging? Wie lange hat 
es gebraucht, wie viele Monate, in denen 
die Arbeitslosigkeit unter den Jungen 
stetig angestiegen ist, bis man sich end-
lich auch dieses Themas annahm? Die in 
Aussicht gestellten sechs Mrd. Euro pro 
Jahr für bestimmte Regionen werden das 
strukturelle Problem auch nicht beseiti-
gen. „Man kann nicht Jobs garantieren, 
wo es gar keine gibt“, sagt die spanische 
Europaabgeordnete Eider Gardiazábal 
Rubial in einer jüngst erschienenen Pu-
blikation der deutschen Friedrich-Ebert-
Stiftung.1 „Europa braucht für die Inte-
gration seiner jungen Menschen in erster 
Linie neues Wachstum.“ Wenn sich die 
ökonomische Situation in Europa nicht 
ändere, so Gardiazábal Rubial, werde es 
nicht möglich sein, das Problem der 
 Jugendarbeitslosigkeit zu lösen. 
Prekär, befristet, schlecht bezahlt
Ein weiteres strukturelles Manko, das 
 allein mit den sechs Mrd. nicht beseitigt 
werden kann, sind die Arten von Arbeit, 
die mehr und mehr junge Menschen in 
Europa haben: prekäre, befristete, 
schlecht bezahlte Jobs. Dieses Problem 
kann nur durch einen Mix beseitigt wer-
den: gute Ausbildungen, qualitativ hoch-
wertige Jobs mit guter Bezahlung und mit 
sozialer Sicherheit. 
Bernadette Ségol meint, dass einige 
Staatschefs sich des Ernstes der Lage 
durchaus bewusst seien: „Einige wissen, 
dass wir ein Niveau erreicht haben, das 
sozial nicht mehr erträglich ist. Andere 
Nani Kauer
Leiterin der ÖGB-Kommunikation
Eine Gegenwart, bitte!
Europas Jugend braucht jetzt Taten, keine Versprechen für eine schönere Zukunft, 
fordert auch EGB-Generalsekretärin Bernadette Ségol.
1  http://library.fes.de/pdf-files/id-moe/10139.pdf
        

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