Full text: Generation Zukunft (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/201316 Schwerpunkt
Vorbild Österreich
Von einer Ausbildungsgarantie wie hierzulande verspricht man sich, 
die Jugendarbeitslosigkeit in ganz Europa einzudämmen.
A
llen jungen Menschen unter 25 
Jahren muss innerhalb von vier 
Monaten, nachdem sie arbeitslos 
werden oder die Schule verlassen, 
eine hochwertige Arbeitsstelle oder Wei-
terbildungsmaßnahme oder ein hochwer-
tiger Ausbildungs- beziehungsweise Prak-
tikumsplatz angeboten werden“ – so lau-
tet die Europäische Jugendgarantie nach 
Empfehlung durch den Rat der Europä-
ischen Union im April 2013.
Die Europäische Jugendgarantie ist 
also nur eine Empfehlung an die Mit-
gliedsstaaten und daher nicht bindend. 
Viele Länder nehmen sich Österreich als 
Vorbild, da hier eine Ausbildungsgaran-
tie für Jugendliche schon im Juni 2008 
bei der Verabschiedung des Jugendbe-
schäftigungspaketes beschlossen wurde.
In Österreich werden jährlich rund 
600 Mio. Euro für arbeitspolitische 
Maßnahmen für Jugendliche im Alter 
von 15 bis 24 Jahren aufgewendet. Im 
Vergleich dazu wird die Europäische 
Union den Mitgliedsstaaten bis 2020 
sechs Mrd. Euro zur Bekämpfung der 
Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung 
stellen.
Ausbildungsgarantie in Österreich
Wenn Jugendliche nach Beendigung der 
Schulpflicht nicht eine weiterführende 
Schule besuchen oder keine betriebliche 
Lehrstelle finden oder eine begonnene 
Lehre abbrechen, wird ihnen im Rahmen 
der Ausbildungsgarantie in einer überbe-
trieblichen Ausbildungsstätte ermöglicht, 
eine vollwertige Lehrausbildung zu ab-
solvieren. Wichtig dafür ist, dass der/die 
Jugendliche sich beim Arbeitsmarktser-
vice als lehrstellensuchend gemeldet hat 
und trotz intensiver Vermittlungsversu-
che keine Lehrstelle gefunden hat.
Ist das der Fall, beginnt die Ausbil-
dungsgarantie zu greifen. Jugendliche 
haben nun die Möglichkeit, eine Lehr-
ausbildung in einer überbetrieblichen 
Ausbildungsstätte zu absolvieren. 
Grundsätzlich lassen sich hier zwei Ar-
ten der überbetrieblichen Ausbildung 
unterscheiden: Das Lehrgangsmodell 
ÜBA 1 mit einem Ausbildungsvertrag 
über die ganze Lehrzeit sowie das Praxis-
betriebsmodell ÜBA 2 mit einem Aus-
bildungsvertrag über einen kürzeren 
Zeitraum als die Lehrzeit. 
Da die überbetriebliche Ausbildung 
in den Bundesländern leicht unterschied-
lich aufgebaut ist und Wien die meisten 
TeilnehmerInnen der ÜBA aufweist (28 
Prozent, gefolgt von Nieder österreich 
mit 26 Prozent) werden im Folgenden 
die beiden Modelle anhand der Umset-
zung in Wien näher dargestellt. 
ÜBA 1: Ganze Lehrzeit
Bei der ÜBA 1 sind gewisse Vorschalt-
maßnahmen integrierter Bestandteil, de-
ren Dauer von Bundesland zu Bundes-
land unterschiedlich ist – zwischen einer 
Woche und zwei Monaten. So ist z. B. 
in Wien als Vorschaltmaßnahme die Be-
rufsorientierungs- und Coachingmaß-
nahme (kurz BOCO-Maßnahme) in der 
Dauer von acht Wochen installiert, die 
in vier Phasen aufgebaut ist. Dabei wer-
den die Jugendlichen über den Ablauf 
der Maßnahme informiert und es wird 
mit ihnen ein realistischer Berufswunsch 
anhand ihrer Fähigkeiten erarbeitet. Ne-
ben einem intensiven Bewerbungstrai-
ning erhalten die Jugendlichen auch 
 Informationen über mögliche weitere 
Ausbildungswege. Begleitet wird die 
BOCO-Maß nahme im Besonderen von 
mädchenspezifischen Unterstützungs-
maßnahmen.
Nach den Vorschaltmaßnahmen 
 besteht die Möglichkeit, die Lehre in 
einer überbetrieblichen Ausbildungs-
Michael Trinko 
Bundesjugendsekretär I n f o & n e w s
Ausbildungsgarantie in Zahlen
Laut Forschungsbericht des IBW, Lehr-
lingsausbildung im Überblick 2012, 
befanden sich im Ausbildungsjahr 
2011/2012 9.832 Jugendliche ent-
weder in einer ÜBA 1 oder ÜBA 2 so-
wie 2.018 Jugendliche in der integra-
tiven Berufsausbildung im Auftrag 
des AMS. Betrachtet man die Teilneh-
merInnen in überbetrieblichen Ausbil-
dungen nach dem Geschlecht und der 
Staatsbürgerschaft stellt sich heraus, 
dass sowohl der Frauenanteil (42,5 
Prozent) als auch der Anteil nicht ös-
terreichischer StaatsbürgerInnen (17,0 
Prozent) höher als in der Lehrausbil-
dung ist (34,2 Prozent Frauenanteil, 
7,7 Prozent nicht österreichische Staats-
bürgerInnen). Nähere Informationen zur 
integrativen Berufsausbildung, zum du-
alen Ausbildungssystem sowie ergän-
zende Informationen zur Ausbildungs-
garantie finden Sie unter: blog.arbeit-
wirtschaft.at/ausbildungsgarantie
        

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