Full text: Generation Zukunft (6)

Arbeit&Wirtschaft 6/201326 Schwerpunkt
Talent allein reicht noch nicht
Der steinige Weg vom Jungtalent zum Profifußballer. Austria-Spieler Sebastian 
Wimmer geht für den Erfolg an seine Grenzen.
J
ung, talentiert, ehrgeizig. Schon seit 
seinem 16. Lebensjahr hat der Ober-
österreicher Sebastian Wimmer ei-
nen Manager. Dahinter verbirgt sich 
sein Traum, Berufsfußballer zu werden. 
Die Ziele sind genau definiert, eines da-
von konnte im letzten Jahr verwirklicht 
werden: Der 19-Jährige wurde von der 
Austria Wien verpflichtet. Sebastians 
Klub – der Linzer ASK (LASK) – bekam 
keine Lizenz für die zweite Liga und fast 
alle Vereine der österreichischen Bundes-
liga interessierten sich für das junge Ta-
lent aus Linz.
Der jüngste „Austria-Profi“
„Die Austria wollte mich unbedingt ha-
ben“, erzählt Sebastian. Das wollten zwar 
Ried, Sturm Graz und Rapid auch, doch 
der Austria-Trainer versprach, dass Sebas-
tian mit der Profimannschaft trainieren 
dürfe. „Bei Rapid wurde mir angeboten, 
vorerst mit der zweiten Mannschaft zu 
trainieren und dort zu spielen.“ Nach ei-
nem Jahre hätte er dann die Chance ge-
habt, auch bei Rapid in die Profimann-
schaft zu kommen. Jetzt ist Sebastian der 
jüngste Spieler unter den Austria-Profis.
Freilich wurde Sebastian im ersten 
Jahr noch in keinem Pflichtspiel bei den 
Profis eingesetzt. Bei einem Cupspiel in 
Dornbirn und in der Meisterschaft ge-
gen Salzburg durfte er auf der Ersatz-
bank sitzen. Spielen konnte er nur in der 
zweiten Mannschaft, in der dritten Liga. 
Für sein erstes Jahr hat er sich allerdings 
mehr ausgerechnet. „Ich bin schon etwas 
enttäuscht darüber, aber ich werde wei-
terkämpfen.“ Zerknirscht wirkt er nicht, 
er will weiter vollen Einsatz zeigen. 
Sebastians Position ist „6er“, im zen-
tralen defensiven Mittelfeld. Bei der 
Austria spielt der australische Teamspie-
ler James Holland regelmäßig auf dieser 
Position, fällt Holland aus ist Florian 
Klein, ein österreichischer Nationalspie-
ler, dort gesetzt. Junge Spieler können 
dann einzig auf Verletzungen oder 
Formkrisen hoffen, um endlich einmal 
in der Profimannschaft spielen zu dür-
fen. So gesehen freut sich nicht jeder im 
Team über eine Siegesserie seiner Mann-
schaft. Sebastian gehört nicht zu denen, 
immerhin wurde die Austria das erste 
Mal seit sieben Jahren wieder österrei-
chischer Meister. 
Einer von wenigen Glücklichen
Doch Sebastian ist sich auch durchaus 
bewusst, dass er zu den wenigen Glück-
lichen gehört, die den Sport als Profi aus-
üben können. Der Österreichische Fuß-
ballverband (ÖFB) ist der größte Sport-
verband in Österreich. Er vertritt über 
500.000 SpielerInnen in über 2.000 Ver-
einen. Viele von ihnen haben irgendwann 
davon geträumt, als Profi-FußballerIn-
nen aufzulaufen. Doch der Markt ist eng 
und die Zahl der Profis begrenzt. Etwa 
500 von ihnen spielen insgesamt in der 
ersten und zweiten Liga, rund 100 davon 
kommen aus dem Ausland. Daneben ha-
ben etwa 100 Österreicher einen Vertrag 
mit einem ausländischen Club. Arbeits-
losigkeit und Wirtschaftskrise bekom-
men auch die FußballerInnen zu spüren. 
Laut der Spielergewerkschaft VdF sind 
derzeit mehr als 100 Profis arbeitslos. Die 
Absicherung ist trotz des Kollektivver-
trags, den die Fußballergewerkschaft 
2008 ins Leben rief, unsicher. 
Allgemein ist das Leben der Fußballer 
von Unsicherheiten geprägt. Spieler müs-
sen viele Frustrationen aushalten. Häu-
figer als jeder Durchschnittsbürger müs-
sen sie verbriefte, nachweisbare Niederla-
gen erleben und damit fertigwerden. Josef 
Jansky ist Nachwuchsbetreuer bei Rapid 
Wien. „Eine der Grundeigenschaften, die 
ein Spieler haben muss, ist eine hohe 
Frus trationstoleranz“, erklärt der 41-Jäh-
rige. Für Rapid sucht der Betreuer junge 
Spieler, die spezielle Talente haben. Etwa 
einen Verteidiger, der viele Zweikämpfe 
gewinnt oder jemanden, der super flan-
ken kann oder die Bälle gut verteilt. 
Wichtig sind aber auch persönliche 
 Eigenschaften wie Robustheit oder die 
Fähigkeit, andere mitreißen zu können. 
Entscheidend ist ebenso, dass die 
Jungen von ihren Eltern unterstützt wer-
den. „Sie sollten schon Interesse haben 
und ihren Sohn loben“, weiß Jansky. In-
Christian Resei &  
Sophia T. Fielhauer-Resei
Freie JournalistInnen
D V D - t I p p
Aljoscha Pause
Tom meets Zizou –  
Kein Sommermärchen.
Dokumentarfilm, 
Deutschland 2011, 
135 Min., € 19,99
Bestellung:
ÖGB-Fachbuchhandlung, 1010 Wien, 
Rathausstr. 21, Tel.: (01) 405 49 98-132
fachbuchhandlung@oegbverlag.at
        

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