Full text: Ein Dach über dem Kopf (8)

Arbeit&Wirtschaft 8/201338 Wir sind Europa
I
n diesen vier Wochen bekam ich Ein-
blick in die Arbeitswelt Südtirols. Die 
Probleme, die es jenseits des Brenners 
momentan gibt, ähneln sehr den ös-
terreichischen. Natürlich wirkt auch hier 
die Wirtschaftskrise stark auf die Arbeit 
der Gewerkschaften ein. 
Ich hatte in diesen vier Wochen die 
Gelegenheit, verschiedene Krankenhäu-
ser zu besuchen, einen Einblick in die 
Arbeitsweise zu bekommen und dort 
mit den ArbeitnehmerInnenvertre-
tungen Gespräche zu führen.
Zusammenlegungen von Stationen, 
Primariaten und auch Ausgliederungen 
sind angedacht. Im Krankenhaus Bozen 
besteht die Wäscherei bereits seit 30 Jah-
ren. Nun wird auch bei der Überlegung 
einer Modernisierung über eine Ausglie-
derung der Wäscherei nachgedacht. 
Andererseits wird in Bozen gerade 
ein riesiger neuer Bettenkomplex ge-
baut, um die Bauwirtschaft anzukur-
beln. Mit welchem Personal allerdings 
dieser neue Bau betrieben werden soll, 
ist noch sehr ungewiss. 
Keine Streiks im Gesundheitswesen
Ich durfte während meiner Zeit in Süd-
tirol die Krankenhäuser Bozen, Bruneck, 
Innichen, Schlanders und Brixen besu-
chen und dort bei den Sprechtagen dabei 
sein. Bei meinen vielen Gesprächen woll-
te ich immer wieder auch wissen, welche 
Erfahrungen man in Südtirol mit Streiks 
hat. Mir wurde berichtet, dass man in 
Südtirol zumindest im Gesundheits-
dienst von Streiks absieht. Es werden Be-
triebsversammlungen abgehalten, da an 
diesen mehr Kolleginnen und Kollegen 
teilnehmen als bei Streiks. 
In Südtirol gehört es zu den Aufga-
ben der Gewerkschaft, die Steuererklä-
rungen für Mitglieder zu machen. Wei-
ters gibt es noch die Patronanz, die eine 
reine Dienstleistung für die Mitglieder 
ist, und die Ansuchen, welche man an 
den Staat stellen kann, erledigt, wenn 
die Mitglieder dazu den Auftrag geben.
Der ASGB ist ein autonomer Ge-
werkschaftsbund und somit unabhängig 
von Italien. Natürlich wirken sich die 
italienischen Gesetze auf die Gewerk-
schaftsarbeit in Südtirol aus. Schulungs-
maßnahmen für Betriebsrätinnen und 
Betriebsräte gibt es hier ganz wenige, 
und die einzelnen Personalvertrete-
rInnen müssen sich durch Selbststudi-
um weiterbilden. Die verschiedenen 
Gewerkschaften, die es in Südtirol gibt, 
sind gleichzeitig in allen Bereichen ver-
treten. Zu einem gemeinsamen Vorge-
hen kommt es sehr selten, da kein Dach-
verband existiert.
Bei meinen Rundgängen durch die 
Krankenhäuser konnte ich mir auch ei-
nige Stationen und die verschiedensten 
Bereiche in den Spitälern ansehen. In 
Bozen erhielt ich eine spezielle Führung 
durch das Krankenhaus. Ich durfte dort 
die Wäscherei, die Küche und auch die 
Werkstätten besichtigen. Die Beschäf-
tigten der Werkstätten sind für die In-
standhaltung zuständig. Aber auch in 
den Werkstätten wird beim Personal 
kräftig eingespart und es wurde in den 
vergangenen Jahren von einem Stamm-
personal von 45 Personen auf derzeit 38 
FacharbeiterInnen reduziert. Zusam-
menfassend kann ich berichten, dass 
diese vier Wochen sehr aufschlussreich, 
lehrreich und mit vielen Informationen 
gespickt waren und ich wieder eine an-
dere Sichtweise auf die Probleme, die es 
in Österreich gibt, bekommen habe.
Einblicke in die Gewerkschaftsarbeit
In meiner Freizeit hatte ich die Gelegen-
heit, mir Südtirol etwas genauer anzuse-
hen. Bei meinen Ausfahrten mit dem 
Motorrad erhielt ich tiefe Einblicke in 
die herrliche Landschaft von Südtirol. 
Die unzähligen Pässe, die es hier gibt, 
lassen jedes Biker-Herz höher schlagen. 
Neben Obst- und Weinanbau wird 
hier auch noch normale Landwirtschaft 
betrieben. Aber wenn man die raue, hü-
gelige und zeitweise sehr steile Land-
schaft sieht, kann man erahnen, wie 
schwer hier auch die landwirtschaftliche 
Arbeit ist.
Zum Abschluss meines Berichtes 
darf ich mich noch bedanken. Mein 
herzlicher Dank gilt vor allem Evelyn 
Januth und Andreas Dorigoni, die sich 
für mich sehr viel Zeit genommen ha-
ben, die mir die Zeit in Südtirol sehr 
erleichtert, einen tollen Einblick in die 
gewerkschaftliche Arbeit ermöglicht 
und mich sehr herzlich aufgenommen 
haben.
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an den Autor
walter.wipplinger@klinikum-wegr.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Über den Brenner hinaus
Walter Wipplinger, Teilnehmer des 62. SOZAK-Lehrgangs, hat einen Monat beim 
„Autonomen Südtiroler Gewerkschaftsbund“ verbracht. 
Walter Wipplinger 
Teilnehmer des 62. SOZAK-Lehrgangs
        

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