Full text: Ein Dach über dem Kopf (8)

Arbeit&Wirtschaft 8/20138 Interview
Arbeit&Wirtschaft: Sie sind Obmann des 
Österreichischen Verbands Gemeinnützi­
ger Bauvereinigungen (GBV) sowie Chef 
der beiden gemeinnützigen Bauträger 
GEWOG und Neue Heimat. Was sind 
die Gemeinnützigen Bauvereinigungen, 
kurz gefasst?  
Karl Wurm: Die gemeinnützigen Bauver-
einigungen sind Bauträger, deren Rahmen 
gesetzlich genau determiniert ist. Rund 50 
Prozent der Gemeinnützigen sind Genos-
senschaften, die andere Hälfte sind Kapi-
talgesellschaften, GmbHs und ein paar we-
nige Aktiengesellschaften. Ihr Rechtsrah-
men ist das Wohnungsgemeinnützigkeits-
gesetz, das sehr genau beschreibt, wie 
vorzugehen, wie zu wirtschaften ist, wie die 
Preise zu binden sind, wie sich Mieten zu 
bilden haben, was verlangt werden darf, was 
nicht, was für ein Gewinn gemacht werden 
kann – nur ein ganz bescheidener. Dazu 
gibt es die jeweiligen Wohnbauförderungs-
gesetze in den Bundesländern, die mit der 
Wohnbauförderung noch zusätzliche Auf-
lagen verknüpfen.   
Was hat sich seit dem Fallen der Zweck­
widmung 2001 verändert?  
Die Zweckwidmung ist schleichend ausge-
höhlt worden. 2001 war ein wesent liches 
Datum: Damals hat Finanzminister Grasser 
das berühmte „Null-Defizit“ ausgerufen 
und die Länder verpflichtet mitzutun. Im 
Ausgleich dazu hat er ihnen die Finanzho-
heit überlassen – und damit auch die 
Zweckbindung der Wohnbauförderung 
aufgehoben. Gänzlich aufgehoben wurde 
sie eigentlich erst 2008 im Zuge der Finanz-
ausgleichsverhandlungen – mit dem be-
kannten Ergebnis. Die Wohnbauförde-
rungsmittel wurden sukzessive auch für 
andere Dinge verwendet. Was man oft ver-
gisst ist, dass die Wohnbauförderungsmittel 
ab 1996 nicht mehr indexiert wurden, also 
nicht mehr der Inflationsrate angepasst 
wurden. Dadurch gingen bis jetzt 450 Mio. 
Euro verloren. Davon spricht kaum je-
mand. Im selben Zeitraum sind die Quali-
tätsanforderungen irrsinnig gestiegen. Es 
ist viel gebaut worden. Wenn man nun 
überlegt, dass die Mittel, die zu den Län-
dern geflossen sind, auch noch teilweise 
ganz anders verwendet wurden, so ist die 
Leistung, die erbracht wird, großartig. 
Wenn man das System kritisiert, muss man 
auch darüber nachdenken, die Indizierung 
wieder einzuführen.   
Wohnen ist ein Grundbedürfnis und es 
hat sich mit der Wohnsituation seit 1996 
einiges verändert.  
Die Ansprüche sind höher geworden, die 
Normen gestiegen. In den letzten Jahren 
beobachten wir ein ziemliches Auseinan-
derklaffen der Wohnungsmärkte. Am wei-
ten Land ist die Nachfrage nicht so groß. 
Da gibt es Gebiete, da braucht man nicht 
wirklich einen neuen Wohnbau. In man-
chen ländlichen Bereichen sind neue Woh-
nungen sehr wohl notwendig, aber es ist 
kein Riesendruck da. Dagegen in den Bal-
lungsräumen, in den Städten, ist ein un-
heimlicher Druck entstanden. Das hängt 
mit dem Zuzug zusammen, mit der Bevöl-
kerungsentwicklung. Wenn ich nur an 
Wien denke, das wächst im Jahr um zwi-
schen 20.000 und 25.000 Menschen. Die 
müssen wohnversorgt werden. Anderen 
Städten geht es anteilig ähnlich. 
„Wir haben keine Ghettos“
Der Obmann des Österreichischen Verbands Gemeinnütziger Bauvereinigungen 
(GBV), Karl Wurm, über Eigentum und Miete in Zeiten der Krise. 
Z U R  P E R S O N
Mag. Karl Wurm, MBA
Geboren am 25. Oktober 1952  
in Linz
Familienstand: verheiratet,  
zwei Kinder
Absolvent des Akademischen 
Gymnasiums Linz, Spittelwiese
1973–1982: Studium der 
Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität und 
der Universität Wien
Magister der Wirtschaftswissenschaften
2002–2004: Postgraduate Managementstudium  
an der Wirtschaftsuniversität Wien
1982–1990: Arbeiterkammer Niederösterreich
Seit 31. 12. 1990: Geschäftsführer der Neue Heimat – 
Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft 
Gesellschaft mbH
Seit 4. 4. 1991: Geschäftsführer der GEWOG – 
 Gemeinnützige Wohnungsbau-Gesellschaft mbH
Seit 22. 12. 1994: Mitglied des Aufsichtsrates der Bank 
Austria Wohnbaubank AG
Seit 18. 1. 1995: Mitglied des Aufsichtsrates der 
Donau-City-Wohnbau AG – Gemeinnützige Aktien-
gesellschaft
Seit 9. 10. 1997: Mitglied des Aufsichtsrates der NÖSTA, 
Niederösterreichische Gesellschaft für Stadt-, 
 Dorferneuerung und Alternatives Wohnen – 
Gemeinnützige Gesellschaft mbH
Seit 22. 4. 2004: Aufsichtsratsvorsitzender der win4win 
Bauträger GmbH
Von 28. 6. 2001 bis 5. 1. 2008: Aufsichtsratsvorsitzen-
der der at home Immobilien GmbH
Seit 13. 5. 1992: Obmann des Österreichischen 
Verbandes Gemeinnütziger Bauvereinigungen, wieder-
gewählt 1995, 1998, 2001, 2004, 2007, 2010 und 2013 
Seit Herbst 2005: Lektor am Institut für Betriebs-
wirtschaftslehre der Klein- und Mittelbetriebe an der 
Wirtschaftsuniversität Wien
        

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