Full text: Ober sticht Unter (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/201328 Schwerpunkt
Die doppelte Pfeilspitze  
aus Simmering 
Top-Job-Sharing als vielversprechende neue Führungsstrategie.
I
m abz*austria liegt die Geschäftsfüh-
rung schon seit 17 Jahren in den Hän-
den von zwei Frauen. Ein Vorbild für 
andere Firmen, wie sie finden: Ent-
scheidungen können schneller und nach-
haltiger getroffen werden und spätestens 
die Generation Y fordere andere Arbeits-
zeit- und Führungsmodelle. 
Für Manuela Vollmann und Daniela 
Schallert besteht kein Zweifel daran, 
dass es sich lohnt, eine Führungspo-
sition zu zweit auszuüben. Top-Job- 
Sharing nennt sich das: Arbeitsteilung 
an der Spitze, im Falle der beiden Ge-
schäftsführerinnen des abz*austria sogar 
in Teilzeit. 
Die NGO setzt sich für die Gleich-
stellung von Frauen in der Wirtschaft 
ein, unterstützt Firmen unter anderem 
beim „Karenzmanagement“ oder bietet 
Weiterbildungen für Frauen an. Sitz der 
NGO ist in Simmering, das Büro der 
beiden Chefinnen liegt im dritten Stock. 
Die Tür steht offen und wenn man den 
Raum betritt, hat man die beiden, die 
vor den Fenstern an der Rückseite des 
Raums hinter ihren Schreibtischen sit-
zen, sofort im Blick. Während die eine 
sich mit Mitarbeiterinnen bespricht, 
sitzt die andere vor dem Computer und 
erledigt dort noch ein paar Dinge. Der 
Besprechungstisch steht an der Längs-
seite des Büros vor dem Schreibtisch 
von Manuela Vollmann, gleich hinter 
der Tür. Das Büro ist hell und freund-
lich eingerichtet. Manuela Vollmann ist 
für die Kommunikation nach außen 
und den Vertrieb zuständig, während 
Daniela Schallert sich um interne The-
men wie Finanzen oder Personal küm-
mert. Frau Vollmann arbeitet Vollzeit, 
Frau Schallert zwischen 27 und 35 
Stunden, je nach Bedarf. Dabei mana-
gen sie eine NGO, für die immerhin fast 
100 Angestellte und 30 selbstständige 
MitarbeiterInnen arbeiten. Die beiden 
wirken wie ein sehr eingespieltes Team, 
sie ergänzen sich immer wieder, erzählen 
Anekdoten und legen dar, warum ihr 
Modell auch für andere Firmen ein Vor-
bild sein könnte. 
Arbeitsteilung an der Spitze
Der Anfang von Top-Job-Sharing bei 
abz*austria ist eng damit verbunden, dass 
der Verein vor 17 Jahren auf einmal deut-
lich gewachsen ist. Manuela Vollmann 
war damals bereits Geschäftsführerin 
und suchte angesichts der vielen neuen 
Herausforderungen den Austausch – „um 
entscheidungsfähig zu bleiben“, wie sie 
rückblickend sagt. „Ich habe mir da- 
mals mit einer Kollegin ein Büro geteilt 
und bin draufgekommen, dass ich mit 
ihr Entscheidungen vorbespreche.“ Die 
 Kollegin war Schallerts Vorgängerin 
 Helene Schrolmberger, die immer mehr 
in Entscheidungen involviert war, ob-
wohl das weder in Funktion noch in 
 Bezahlung einen Niederschlag gefunden 
hatte. „Da habe ich sie gefragt, ob wir das 
nicht  offiziell machen sollen“, berichtet 
Vollmann. So avancierte Schrolmberger 
zur zweiten Geschäftsführerin des 
abz*austria und übte diese Funktion zehn 
Jahre lang gemeinsam mit Manuela 
 Vollmann aus, bis ihr Daniela Schallert 
im Jahr 2007 nachfolgte. 
Sinn machte diese Arbeitsteilung an 
der Spitze erst recht, als Vollmann mit 
42 Jahren überraschend noch einmal 
schwanger wurde. Durch die geteilten 
Führungsaufgaben konnte sie den Wie-
dereinstieg in ihre Führungsposition 
schrittweise gestalten, ohne sie ganz auf-
geben zu müssen. „Wenn die Stelle 
nachbesetzt worden wäre, hätte ich 
nicht nach vier Monaten wieder zurück-
kommen können“, sagt sie. Manuela 
Vollmann ist davon überzeugt, dass 
auch größere Unternehmen gut beraten 
wären, sich solche Modelle zu überle-
gen, wenn sie schnell gut qualifizierte 
Frauen haben wollen, nicht zuletzt in 
Führungspositionen. 
Teilzeitarbeit, aber anders
Nach den Vorteilen des Modells gefragt, 
zählt Vollman Punkte auf, die sonst oft 
als Argumente gegen Teilzeitarbeit ange-
führt werden, wie „Schnelligkeit der Ent-
scheidungen“ oder „Druck rausnehmen“. 
Es sei nämlich nicht so, wie man land-
läufig glaube, dass die Koordinierung 
aufwändiger sei, betont Vollmann. Viel-
mehr müssten sie sich nur über die gro-
ßen Linien und Strategien verständigen, 
an denen sich die Einzelentscheidungen 
immer orientieren. 
Sehr bewusst haben sie auch ihr 
Büro entsprechend eingerichtet, um die 
Kommunikation zu erleichtern. Die 
 Tische sind wie die Spitze eines Pfeils 
angeordnet und das hat auch einen 
Sinn, wie Daniela Schallert erklärt: „Al-
lein schon über das Mithören eines Tele-
fonats bekomme ich viel mit, oder auch 
wenn Kolleginnen dastehen und sich 
Sonja Fercher
Freie Journalistin
        

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