Full text: Ober sticht Unter (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/201338 Kurzkrimi
Social Care GmbH
Büro Bernhard Stumpf
„Wie kommen Sie hier rein?“
„Durch die Tür …“ Der Besucher lüf tete 
einen imaginären Hut.
„Das geht so nicht an. – Joe?! Wo ist die 
Security, wenn man sie mal braucht?!“
„Aber Sie sind für mich zuständig.“
„Ich glaube nicht, dass ich persönlich für 
irgendwen zuständig bin.“
„Ihr Verein verwaltet uns.“
Er blickte in das verwitterte Gesicht. 
„Und nur weil die Social Care GmbH 
sich mit Leuten wie Ihnen beschäftigen 
muss, belästigen Sie mich hier?“
„Ein Notfall, ich brauche einen Platz für 
die Nacht.“
„Ich könnte andere Saiten aufziehen, 
aber ich bitte Sie, einfach zu gehen. – 
Joe!“
„Ich könnte ebenfalls andere Saiten auf-
ziehen.“
„Werden Sie nicht anmaßend!“
„Guten Abend.“
„Ah – guten Abend, gleichfalls – was 
 machen Sie denn hier?“
„Sie haben mich doch …“
„Verlassen Sie das Büro. Sofort! – Joe!“
„Der wurde weggeschickt.“
„Stimmt. Gut, dann kommen wir zur Sa-
che. Schauen wir, wie wir die Sache noch 
hinbringen.“
Social Care GmbH
Büro Dr. Immervoll, Geschäftsführung
„Morgen, Chef. Ich muss Ihnen was 
Wichtiges …“ Assistentin Irena Brandt 
betrat wie jeden Morgen das Büro ihres 
Vorgesetzten mit zwei Tassen Kaffee in 
der Hand. Einmal schwarz, einmal mit 
Milch. Eine für ihn, die zweite für sich 
selbst.
„Morgen, Irena. Wo sind die Zahlen vom 
Stumpf?“ Immervoll nahm ihr eine Tasse 
aus der Hand.
„Chef, das ist das, was …“
„Er sollte sie vorgestern abliefern. Wir 
hatten eine klare Vereinbarung. Er hat 
sie wieder gebrochen. Also, wo ist 
Stumpf?“
„Chef, der Stumpf ist …“
„… ein Volltrottel. Das Projekt steht auf 
des Messers Seite – ähm – Breite.“
„Spitze, Chef.“
„Was?“
„Auf des Messers Spitze. Blödsinn, Mes-
sers Schneide natürlich.“
„Das ist doch egal! Bringen Sie mir die 
Zahlen, aber flott.“
„Geht nicht, Chef. Der Stumpf ist tot.“
„Wie, tot?“ Die Moccatasse in Immer-
volls fein manikürter schlanker Hand 
wackelte gefährlich.
„Chef, der Stumpf wird garantiert nie 
mehr Zahlen abliefern müssen, äh, kön-
nen. Erst einmal müssen wir die Polizei 
rufen.“
Chefinspektor Kojakowski traf, an einem 
Petersilienstengel kauend, als erster am 
Tatort ein. Eine Frau in blauem Kostüm 
stellte sich als Irena Brandt vor. „Hier, ich 
habe alles für Sie bewacht!“ Sie öffnete 
die Tür zu einem geräumigen Büro. Und 
da war sie, die Leiche. Im grauen Anzug 
saß sie da, als würde sie arbeiten, die Ar-
me lagen über der PC-Tastatur. Nur dass 
das mit einem Plastiksack über dem Kopf 
schwer ging. Es roch nicht gut, aber das 
tut es nie in solchen Situationen.
Irena Brandt sah ihn neugierig an. „Sie 
auch?“
„Wie bitte?“ Irritiert blickte Kojakowski 
zu ihr.
„Versuchen Sie auch, sich das Rauchen 
abzugewöhnen?“
„Ach so. Ja. Hilft aber nix, das Grünzeug. 
Sie haben also den Toten gefunden?“
„Den Magister Stumpf, ja“, sagte sie ge-
dehnt.
„Wann?“
„Heute Morgen. Ich sollte aktuelle Aus-
wertungen von ihm abholen. Wir haben 
klare Zielvorgaben, wissen Sie.“
„Ich dachte, das hier ist eine Sozialein-
richtung?“
Ein eleganter Mittfünfziger segelte auf 
Kojakowski zu. „Die Verwaltung sozialer 
Kurzkrimi von Anni Bürkl
„Sie sind für mich zuständig.“
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