Full text: Das Märchen vom Sparen (4)

Arbeit&Wirtschaft 4/201428 Schwerpunkt N achhaltiger Konsum und Lebens- stil schonen nicht nur unsere Um- welt, sondern unterstützen auch die Menschen, die unsere Nah- rungsmittel und Güter produzieren – und sparen Geld. „Es stimmt zwar, dass Bio- oder Fair-Trade-Produkte oft mehr kos- ten“, sagt Dr. Ludger Heidbrink, Profes- sor für Corporate Citizenship und Re- sponsibility (Engagement und Verantwor- tung von Unternehmen) an der Univer- sität Witten/Herdecke. Er ist Herausgeber des Buches „Die Verantwortung des Kon- sumenten“: „Durch bewussten Konsum lässt sich jedoch wiederum Geld einsparen – etwa indem ich mir immer wieder die Frage stelle: Brauche ich das wirklich?“ Ausbeutung von Arbeitskräften Billigprodukte wie Kleidung oder Han- dyangebote verleiten nur allzu oft dazu, Dinge zu kaufen, die wir gar nicht brau- chen. Übersehen wird dabei, dass Produk- te meist nur deshalb so günstig sein kön- nen, weil in der Produktion Menschen ausgebeutet werden, die unter teils unvor- stellbaren Bedingungen unsere Waren herstellen. Ein Beispiel ist die Textilindus- trie, wo etwa im südindischen Bundes- staat Tamil Nadu Tausende junge Mäd- chen in zwangsarbeitsähnlichen Verhält- nissen für unsere Kleidung schuften. Oft reicht schon ein Blick in den Kleiderschrank, um zu erkennen, dass dort mehr hängt, als wir jemals tragen können. Wenn wir uns dann überlegen, was wirklich zu uns passt, ist der Schritt zum eigenen Modestil nicht mehr weit. Dazu braucht es keine Mode von der Stange, sondern Teile aus dem Second- handladen geben unserem Look das ge- wisse Etwas. Bei Tauschbörsen oder Kleidertauschpartys können Einzel- stücke sogar kostenlos erstanden werden – der Vorteil daran: Kleider, die nicht mehr gebraucht werden, finden eine neue Besitzerin bzw. einen neuen Besit- zer. „Indem ich den Kauf von neuer Kleidung verweigere und stattdessen tausche, protestiere ich auf meine Weise gegen unmenschliche Arbeitsbedingun- gen“, erklärt Christina Schröder, Presse- sprecherin der Entwicklungsorganisati- on Südwind und begeisterte Organi- satorin von Kleidertauschpartys. Auch in anderen Branchen wie der Handy- und Computerindustrie oder in der Spiel- zeugproduktion steht Ausbeutung auf der Tagesordnung. Tauschen und teilen liegen im Trend: Sharing Economy, Ko-Konsum oder Collaborative Consumption – all diese Bezeichnungen stehen für dieselbe Idee, Dinge gemeinsam zu nutzen statt zu be- sitzen. Das britische Wirtschafts- und Politikmagazin „The Economist“ be- zeichnete 2011 die „Sharing Economy“ als einen der zehn wichtigsten globalen Gesellschafts- und Wirtschaftstrends für das kommende Jahrzehnt. Dank Inter- net sind dem Tauschen und Teilen kaum noch Grenzen gesetzt: Bücher wechseln bei Bookcrossing ihren Besitzer, Woh- nungen beim Couchsurfing, Autos in Form von Carsharing – Sharing-Modelle erleben zurzeit einen Boom sonderglei- chen. Immer mehr Online-Tauschbör- sen bieten Produkte wie Haushaltsge- räte, Lifestyle-Artikel oder Kleider zum Verleih oder Tausch an. Der Gedanke dahinter: Um ein Loch in die Wand zu bohren, brauche ich einen Bohrer – aber muss ich deshalb gleich einen neuen kaufen? Dieselbe Idee hatten auch schon die Baumärkte Baumax, Lagerhaus oder Hornbach: Sie bieten Werkzeuge wie Bohrmaschinen, Fliesenschneider oder große Gartengeräte im hauseigenen Ge- räteverleih an. Selbst wenn es nicht immer möglich ist, dringend benötigte Produkte durch tauschen oder teilen zu erwerben, muss nicht alles neu gekauft werden: Zahl- reiche Online-Anbieter wie eBay, will- haben oder flohmarkt.at bieten Waren an, die meist wenig benützt oder sogar neuwertig sind. Auf Flohmärkten und in Secondhandläden kann man Kleidung, Geschirr oder Gebrauchsgegenstände zu Spottpreisen finden. Und wohltätige Or- ganisationen wie die Caritas verkaufen gesammelte Secondhandware für einen guten Zweck. In einigen österreichi- schen Städten gibt es auch sogenannte Kostnix-Läden: Hier können funktions- tüchtige Dinge, die nicht mehr benötigt Susanne Wolf Journalistin und Autorin Nachhaltig sparen Die Umwelt schützen und dabei auch noch Geld sparen? Wie das gelingt, zeigen folgende Tipps. B U C H T I P P Susanne Wolf: Nachhaltig leben Bewusst kaufen, sinnvoll nutzen. Alternativen zum Wegwerfen VKI, 2013, 160 Seiten, € 14,90 ISBN: 978-3-9901-3028-5 Bestellung: www.besserewelt.at

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