Full text: Reich der Vielfalt (5)

Arbeit&Wirtschaft 5/201444 Rück-Blog
Der blog.arbeit-wirtschaft.at ergänzt die 
Printaus gabe der „A&W“ als digitales 
 Informationsforum.
DIE MEISTGELESENEN BEITRÄGE 
DER LETZTEN 30 TAGE: 
 » Ja zu Vermögenssteuern
 » Duales System als Vorbild
 » Kontraproduktiver Lohndruck
 » Mehr Vielfalt an Unis!
JA ZU VERMÖGENSSTEUERN
Die Debatte, ob Steuerreform ja oder nein, 
ist voll im Gange, die Aufstellung entlang 
der wirtschaftlichen Interessen hat schon 
stattgefunden. Franz Gall analysiert in sei-
nem Beitrag die Argumentation der „Wirt-
schaftskapitäne“, dass die hohe Abgabenlast 
dem Standort Österreich schadet. Er zeigt 
dabei eindrucksvoll, wie günstig die Ge-
winnbesteuerung in Österreich in Wirk-
lichkeit ist. So kamen in Österreich 2012 
5,2 Prozent aller Steuereinnahmen von Ge-
winnen, der OECD-Schnitt lag mit 8,6 
Prozent deutlich höher. Auch die Banken-
abgabe wurde gerechtfertigterweise einge-
führt, weil die Banken ab 2008 den Staats-
haushalt durch die Bankenrettungspakete 
besonders belasteten. Netto kosteten die 
Bankenhilfen von 2008 bis April 2013 gan-
ze sieben Milliarden Euro.
Miriam Rehm befasst sich mit den Angrif-
fen auf jenes Buch, das sich anschickt, die 
Wirtschaftswissenschaft zu verändern. 
Thomas Piketty stellt in „Kapital im 21. 
Jahrhundert“ fest, dass sich die europäi-
schen Länder zunehmend zu einer Gesell-
schaft wie zu Zeiten der Monarchie entwi-
ckeln. Eine winzige Gruppe von Erbaristo-
kratinnen und -aristokraten hielt im 19. 
Jahrhundert extrem hohe Anteile am Ver-
mögen. Selbst die höchsten Einkommen 
aus Arbeit konnten nicht den Lebensstil 
garantieren, den ererbtes Vermögen man-
chen ermöglichte. Piketty untersucht vor 
allem europäische Länder, zum Beispiel 
Frankreich, Großbritannien oder Deutsch-
land. Er weist nach, dass es auch heute lang-
fristige, strukturelle Verschiebungen hin zu 
Vermögenden gibt. Die Forderung ist also 
aufrecht: Vermögenssteuern sind der rich-
tige Weg.
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/ktsqowj
DUALES SYSTEM ALS VORBILD
Das österreichische Modell der dualen Aus-
bildung bzw. der Ausbildungsgarantie steht 
im Zentrum des Beitrages von Silvia Hof-
bauer, Edith Kugi-Mazza und Lisa Sino-
watz. Dieses ist mittlerweile zu einem in-
ternational diskutierten Good-Practice-
Beispiel avanciert. Trotz dieser Entwicklung 
lagen zur volkswirtschaftlichen und gesell-
schaftlichen Nachhaltigkeit bislang keine 
detaillierteren Forschungen vor. Im Rah-
men von Modellberechnungen wurde nun 
versucht, diese Lücke zu schließen. Unter 
Berücksichtigung empirischer Datenlage 
wurde berechnet, welche Einnahmen die 
öffentliche Hand mittelfristig durch die zu-
sätzliche und bessere Beschäftigung der Ju-
gendlichen nach erfolgter Ausbildung hat. 
Das positive Ergebnis: Im Idealfall liegt die 
Höhe der Rückflüsse bereits nach fünf Jah-
ren über den Kosten. Selbst in einem pes-
simistischen Szenario rechnet sich die In-
vestition nach sieben Jahren.
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/lpvcc67
KONTRAPRODUKTIVER LOHNDRUCK 
Am Beispiel Spanien stellt Nacho Álvarez 
(Bearbeitung Georg Feigl) dar, wie die po-
litischen Eliten das Machtungleichgewicht 
in der Krise dazu nützen, Druck auf die 
Löhne zu erzeugen. Die Frage, ob diese 
Strategie ihre Ziele in Spanien erfüllt hat, 
verneint Álvarez. Zwar sanken zwischen 
2010 und 2013 die Nominallöhne in Re-
lation zur realen Wirtschaftsleistung um 
fünf Prozent. Diese angebliche Verbesse-
rung der internationalen Wettbewerbsfä-
higkeit war aber in Wirklichkeit auf den 
starken Rückgang der Nachfrage im Inland 
zurückzuführen, die zwangsläufig eine ver-
stärkte Orientierung auf externe Märkte 
bewirkt. Und selbst wenn die Senkung der 
Lohnstückkosten das Exportwachstum di-
rekt verstärkt hätte, hätte dieser Effekt nicht 
den Rückgang in der Inlandsnachfrage aus-
gleichen können. Löhne bestimmen eben 
nicht nur die Produktionskosten, sondern 
auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. 
Das bewirkt, dass die Lohnkürzungspolitik 
das Wachstum untergräbt und den Ausweg 
aus der Krise verhindert.
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/lexu2no
MEHR VIELFALT AN UNIS!
Anfang Mai wurde ein Manifest für mehr 
Vielfalt in der Wirtschaftswissenschaft von 
einem Zusammenschluss aus über 40 Stu-
dierendengruppierungen aus 19 Ländern 
veröffentlicht, um sich gegen die neoklas-
sische Vorherrschaft an den Unis zu wehren. 
Die Gesellschaft für Plurale Ökonomik 
Wien ist Teil dieser Initiative. Auch Peter 
Mooslechner, Direktor der Österreichi-
schen Nationalbank, unterstützt die Initi-
ative: „Viele Aspekte der aktuellen Finanz- 
und Wirtschaftskrise haben gezeigt, dass es 
neuer, innovativer und methodisch breite-
rer Ansätze in den Wirtschaftswissenschaf-
ten bedarf, um eine relevante Wirtschafts-
politik entsprechend zu fundieren. Dafür 
ist es entscheidend, dass Volkswirtschafts-
lehre fundamental als multiparadigmati-
sche Wissenschaft verstanden, gelehrt und 
‚gelebt‘ wird.“
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/mqbzasv
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