Volltext: Reich der Vielfalt (5)

Arbeit&Wirtschaft 5/201446 Man kann nicht alles wissen
ACFTU (All China Federation of Trade Unions)/ACGB 
(All chinesischer Gewerkschaftsbund): gegründet am 
1. Mai 1925 mit Sitz in der Hauptstadt Beijing und rund 
134 Mio. Mitgliedern, 1927 unter Chiang Kai-shek ver-
boten, Tausende Funktionäre wurden getötet. 1949 
unter Mao wurde der ACFTU wieder eingerichtet, aber 
1966 im Zuge der Kulturrevolution aufgelöst. 1978, zwei 
Jahre nach Maos Tod, fand der erste ACFTU-Kongress 
seit 1957 statt. Der internationale Gewerkschaftsbund 
IGB (engl.: ITUC) erkennt den ACFTU wegen seiner Nähe 
zur Regierung nicht als unabhängigen Gewerkschafts-
bund an. (Seite 10)
AFL-CIO: American Federation of Labor and Congress 
of Industrial Organizations; der US-Gewerkschaftsbund 
repräsentierte 50 Jahre lang so gut wie alle Arbeitneh-
merInnen in den USA. 2005 entstand durch die Abspal-
tung einiger großer Gewerkschaften vom AFL-CIO der 
Gewerkschaftsbund Change to Win, wobei sich einige 
Gewerkschaften danach wieder in den AFL-CIO ein-
gliederten. Die größte Gewerkschaft im AFL-CIO ist die 
Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes (American 
 Federation of State, County and Municipal Employees 
– AFSCME) mit etwa zehn Prozent der insgesamt rund 
elf Mio. Mitglieder. (Seite 10) 
autochthon: alteingesessen, eingeboren (Seite 35)
Bangladesch: parlamentarische (Volks-)Republik in 
Südasien, ca. 160 Mio. EinwohnerInnen; Wirtschafts-
wachstum 2012: 6,1 %. Nach dem Brand in einer Tex-
tilfabrik 2012 und dem Einsturz eines Fabrikgebäudes 
2013 mit insgesamt mehr als 1.200 hauptsächlich 
weiblichen Todesopfern gab es zwar von vielen Seiten 
Forderungen und Versprechungen, die Arbeitsbedin-
gungen für TextilarbeiterInnen zu verbessern, aber 
nachhaltige Veränderungen werden auch durch die 
brisante politische Situation verzögert. Mehrere Unter-
nehmen sind bereits aus Bangladesch abgewandert, 
die Korruption grassiert, Entführungen sind an der 
Tagesordnung. Immerhin sind Gewerkschaften jetzt 
erlaubt, doch die Finanzierung der Hilfsfonds für die 
Opfer ist nach wie vor nicht gesichert. (Seite 18)
bourgeois: zum Großbürgertum (Bourgeoisie) zählend 
(Seite 32)
Center for Work-Life Policy: US-Think-Tank mit Sitz in 
New York City, der sich damit beschäftigt, wie durch 
gezieltes Human Resource Management sowohl die 
Produktivität der Unternehmen als auch die Zufrieden-
heit der ArbeitnehmerInnen verbessert werden können. 
(Seite 23)
Chiang Kai-shek: chinesischer Militär und Politiker 
(1887–1975), im chinesischen Bürgerkrieg 1927 bis 
1949 schärfster Widersacher von Mao Tse-tung. Nach 
der Niederlage gegen die Kommunisten proklamierte er 
Ende 1949 auf Taiwan die provisorische Regierung von 
Nationalchina. Chiang Kai-shek regierte zum Teil dik-
tatorisch und erhob mit US-Unterstützung bis zu seinem 
Tod Anspruch auf ganz China. (Seite 11)
China Labor Watch (CLW): Die im Jahr 2000 gegründe-
te Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in New York 
überprüft die Arbeitsbedingungen in den chinesischen 
Niederlassungen transnationaler Konzerne und setzt 
sich für Verteilungsgerechtigkeit im Sinne der chine-
sischen ArbeitnehmerInnen ein.   
www.chinalaborwatch.org (Seite 18)
China Labour Bulletin (CLB): 1994 in Hongkong von 
Han Dongfang, einem Anwalt für Arbeitsrecht, ge-
gründete Nichtregierungsorganisation, die sich für die 
Rechte der ArbeitnehmerInnen in China einsetzt. 
www.clb.org.hk (Seite 8)
Deng Xiaoping: chinesischer Politiker (1904–1997); 
durch seine Verdienste in der Schlussphase des Chine-
sischen Bürgerkrieges stieg er in der Partei schnell auf 
und wurde in den 1950er-Jahren zu einer der wich-
tigsten Machtstützen Mao Tse-tungs. Trotz zweier Straf-
degradierungen durch Mao konnte Deng, der sich vom 
linken Hardliner zum marktorientierten Pragmatiker 
gewandelt hatte, nach Maos Tod die Führung der Kom-
munistischen Partei übernehmen. Er bildete den Kern 
der sogenannten „Zweiten Führungsgeneration“ der 
KPCh und gehörte zur „Ersten Chinesischen Führungs-
generation“ der Reformära. Unter seiner Führung von 
1979 bis 1997 wurde China modernisiert und entwi-
ckelte sich zu einer der am schnellsten wachsenden 
Volkswirtschaften der Welt. (Seite 12)
Expat: (englisch; sprich: expät): Kurzform von Expa - 
triat, Bezeichnung für eine Person, die nicht in ihrer 
Heimat lebt, dieser aber weiterhin sehr verbunden 
bleibt. (Seite 9)
Gelber Fluss: Der durch Löss-Abtragungen gelb ge-
färbte Fluss im Norden Chinas ist der zweitlängste 
chinesische Fluss nach dem Jangtsekiang. (Seite 17)
Guangzhou: Hauptstadt der Provinz Guangdong, rund 
zwölf Mio. Einwohner (Seite 12)
Hunan: Provinz am Mittellauf des Jangtsekiang 
(Seite 32)
ITUC: International Trade Union Confederation; der in-
ternationale Gewerkschaftsbund entstand 2006 aus 
der Fusion des Internationalen Bundes Freier Gewerk-
schaften (IBFG, gegründet 1949 als Zusammenschluss 
der westlich-demokratischen Gewerkschaften) mit dem 
Weltverband der Arbeitnehmer und acht weiteren Ge-
werkschaften. www.ituc-csi.org (Seite 10)
Joint Venture: grenzüberschreitende Zusammenarbeit 
von einzelnen Unternehmen (Seite 12)
Kanton (Guangdong): Provinz im Süden der Volksrepu-
blik China (Seite 8)
Mao Tse-tung: chinesischer Politiker (1893–1956), 
1921 Mitbegründer der KP Chinas,  wesentlich beteiligt 
am Sieg der Kommunisten im Chinesischen Bürger-
krieg, u. a. indem er im sogenannten Langen Marsch 
1934/35 die geschlagenen Truppenreste nach Nord-
westchina führte. Als Vorsitzender des ZK und des Po-
litbüros proklamierte er 1949 die Volksrepublik China 
und übernahm den Vorsitz des Zentralen Volksregie-
rungsrates und des Revolutionären Militärrates. Nach 
Maos Machtübernahme begann Chinas langsame Ver-
änderung von einem agrarischen Feudalstaat zu einer 
politischen und wirtschaftlichen Großmacht. Anderer-
seits verursachten die von ihm (auch gegen parteiin-
terne Widerstände) initiierten Kampagnen – insbeson-
dere der Große Sprung vorwärts (Programm von 1958 
bis 1961, mit dem China den Rückstand gegenüber den 
westlichen Industrieländern aufholen sollte) sowie die 
große proletarische Kultur revolution – Millionen Tote, 
wesentliche wirtschaftliche Schäden, Verluste an kul-
turellem Erbe sowie  verfehlte gesellschaftliche Struk-
turen. (Seite 12)
Moxibustion (Moxa-Therapie): Therapiemethode, bei 
der Akupunkturpunkte erwärmt werden, etwa indem 
am freien Ende einer Akupunkturnadel Moxawolle oder 
Beifußkraut abgebrannt wird. (Seite 34)
Perlflussdelta: Das riesige Mündungsdelta des Perl-
flusses gilt als einer der aktivsten Wirtschaftsräume 
Chinas. Zwei Sonderwirtschaftszonen, drei Großstädte 
sowie die Sonderverwaltungszonen Hongkong und 
 Macao sind hier fast zu einer durchgehenden Stadt-
landschaft zusammengewachsen. (Seite 27)
Shanghai: die bedeutendste Industriestadt Chinas mit 
rund 24 Mio. Einwohnern liegt im Jangtsekiang-Mün-
dungsdelta am Ostchinesischen Meer. (Seite 8)
Shenzhen: Unterprovinzstadt und seit 1980 Sonder-
wirtschaftszone in Guangdong. (Seite 27)
Sichuan: südwestchinesische Provinz im Landesinne-
ren; Hauptstadt: Chengdu (Seite 32)
Solidarnos´c´: 1980 aus einer Streikbewegung entstan-
dene polnische Gewerkschaft; mit der Ausrufung des 
Kriegsrechts in Polen 1981 wurden Lech Walesa und 
weitere führende Gewerkschaftsmitglieder interniert, 
später wurden Gewerkschaften verboten. Die ersten 
teilweise freien Wahlen wurden 1989 von Solidarnos´c´ 
gewonnen. Mit Tadeusz Mazowiecki stellte Solidarnos´c´ 
den ersten nicht kommunistischen Ministerpräsidenten 
nach dem Zweiten Weltkrieg. (Seite 10)
Sonderwirtschaftszone:  abgegrenztes geografisches 
Gebiet innerhalb eines Staates, für das rechtliche und 
administrative Erleichterungen für in- und auslän-
dische Investoren bestehen. Durch die vermehrte Un-
ternehmensansiedlung sollen laut Weltbank auch für 
die Entwicklung des „Hinterlands“ wirtschaftliche und 
technologische Impulse gesetzt werden. Sonderwirt-
schaftszonen gibt es unter anderem in China, Indien, 
Nordkorea, Uruguay, Russland, Vietnam, Moldawien, 
den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Kasachs-
tan. Auch die ukrainische Stadt Slawutytsch, ein 
 „Ersatz“ für die von der Katastrophe von Tschernobyl 
kontaminierte Stadt Prypjat, wurde zur Sonderwirt-
schaftszone. Sonderwirtschaftszonen sind mit EU-
Recht nicht vereinbar. Die in Polen ausgewiesenen 
Sonderwirtschaftszonen mussten die dort gewährten 
Steuervorteile bis Ende 2011 abschaffen. (Seite 10)
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP): 1962 ge-
gründete Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Berlin, 
die sich mit Themen wie europäische Integration, EU-
Außenbeziehungen, Westlicher Balkan, Sicherheitspo-
litik, Amerika, Russland sowie mit globalen Fragen 
beschäftigt. Die Stiftung ist Trägerin des Deutschen 
Instituts für Internationale Politik und Sicherheit, das 
auch die deutsche Bundesregierung in Fragen der Au-
ßen- und Sicherheitspolitik berät. (Seite 28)
Tandler, Julius: österreichischer Arzt und SP-Politiker 
(1869–1936), als Unterstaatssekretär für Volksge-
sundheit und Gemeinderat engagierte er sich ab 1919 
besonders für den Ausbau der Fürsorge, im Kampf ge-
gen die Tuberkulose und schuf viele soziale Einrich-
tungen wie Kindergärten und Schulzahnkliniken. 1934 
wurde Tandler nach den Februar-Ereignissen zwangs-
pensioniert und 1936 als Berater für Spitalsreformen 
nach Moskau berufen, wo er auch starb. (Seite 11)
        

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