15Arbeit&Wirtschaft 7/2014 Wirtschaft&Arbeitsmarkt
sondern folgt zunehmend den Regeln des 
Marktes: Strom wird nicht mehr vom 
Produzenten an die VerbraucherInnen 
verkauft, sondern wird mit diesem – ana-
log zu den Finanzmärkten – zwischen 
Brokern gehandelt und spekuliert. Ein-
griffe bzw. Marktlenkung durch Regulie-
rungs- bzw. Aufsichtsbehörden gestalten 
sich angesichts der immer komplexeren 
Ausgestaltung der Energiemärkte und 
Preisbildungsmechanismen zunehmend 
schwierig. Gleichzeitig fehlen bislang 
ausreichende Analysen zu den volkswirt-
schaftlichen Kosten für Regulierungsar-
bitrage, Insiderhandel und Marktmiss-
brauch im Energiebereich. 
Fehlentwicklungen
Neben den neuen Vorschriften im Gefol-
ge der Liberalisierung der europäischen 
Strom- und Gasmärkte ändert auch die 
ambitionierte Energie- und Klimapolitik 
der Europäischen Union die Strukturen 
der Energiewirtschaft: Mit den drei 
„20-20-20“-Kernzielen (siehe „Vertreibt 
Klimaschutz die Industrie?“, S.20) sollen 
die schädlichen Folgen des Klimawandels 
bekämpft werden. Auf europäischer Ebe-
ne werden bereits die EU-Ziele bis 2030 
und darüber hinaus vorbereitet. Während 
die Energie- und Klimaziele notwendig 
und zu unterstützen sind, führen die der-
zeitigen Maßnahmen und Politiken zur 
Umsetzung dieser Ziele zu Fehlentwick-
lungen. Eine der wesentlichen Ursachen 
dürfte darin bestehen, dass bei der Um-
setzung gesamtwirtschaftliche Auswirkun-
gen, Kosteneffizienz und Verteilungsge-
rechtigkeit kaum oder nur mangelhaft 
berücksichtigt werden. 
Zu wenig beachtet werden auch die 
Folgen der EU-weiten Liberalisierung 
der Energiemärkte, ebenso wie die Aus-
wirkungen der Wirtschafts- und Finanz-
krise. Die Konsequenzen zeigen sich auf 
dem Strommarkt am deutlichsten: Un-
terstützt durch hohe öffentliche Förde-
rungen wird die Erzeugung von Strom 
aus erneuerbaren Quellen wie Wind- 
und Sonnenkraft EU-weit massiv ausge-
baut, vor allem in Deutschland. Flan-
kierende Maßnahmen zur kosten- 
effizienten Integration der erneuerbaren 
Elektrizität in das konventionelle Ener-
giesystem wie der parallele Ausbau von 
Netzen fehlen oder werden nur mangel-
haft umgesetzt. Konventionelle Kraft-
werke kämpfen aufgrund massiv gefalle-
ner Stromerlöse mit sinkenden 
Renditen. Gleichzeitig stehen die Inte-
ressen von Aktionären und Eigentü-
mern in der Energiewirtschaft immer 
stärker vor dem Allgemeininteresse der 
Versorgungssicherheit.
Fehlentwicklungen treten aber auch 
bei der Politik zur Senkung der Treib-
hausgasemissionen auf, wo auf markt-
wirtschaftliche Instrumente gesetzt 
wird. Der Preis für Emissionszertifikate 
ist infolge der Finanz- und Wirtschafts-
krise und des Fehlens adäquater Maß-
nahmen zur Preisstabilisierung massiv 
gefallen. Damit wird natürlich auch die 
bezweckte Internalisierung der durch 
den Ausstoß von Treibhausgasemissi-
onen verursachten externen Kosten ver-
fehlt und Energieträger mit hohem 
CO2-Ausstoß wie Kohle bleiben weiter 
konkurrenzfähig. Hingegen wird der 
Steigerung  der Energieeffizienz in den Po-
litiken der EU und der Mitgliedsländer 
weit weniger Aufmerksamkeit gewidmet 
– und das, obwohl die Senkung des Ener-
gieverbrauchs als zentrale Voraussetzung 
für die Erreichung der klima- und energie-
politischen Ziele gilt. Die Steigerung der 
Energieeffizienz spielt aber auch im Hin-
blick auf die Wettbewerbsfähigkeit der 
Industrie und der Versorgungssicherheit 
eine unterstützende Rolle. Gerade für Un-
ternehmen bedeutet ein höherer Grad an 
Energieeffizienz einen langfristig gerin-
geren Energieeinsatz bei gleichbleibendem 
Output. Darüber hinaus ist die Energieef-
fizienz auch die zentrale, treibende Kraft 
für Innovation und technologische Ent-
wicklung. Schließlich ist die Verringerung 
des Energieverbrauchs ein nachhaltiges 
Instrument zur Senkung der Energieko-
stenbelastung für KonsumentInnen (siehe 
„Smarte KonsumentInnen“, S.32) im All-
gemeinen und zur Bekämpfung von Ener-
giearmut im Speziellen.
Die Lehren aus den letzten Jahren ha-
ben gezeigt: Die Gestaltung des zukünf-
tigen energie- und klimapolitischen Rah-
mens hat auf einer systemischen, 
gesamthaften Betrachtung der Volkswirt-
schaft im Allgemeinen und der Energie-
wirtschaft im Speziellen zu beruhen.
Internet: 
Mehr Info unter:
www.e-control.at/de/konsumenten
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an die Autorin
dorothea.herzele@akwien.at 
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Unterstützt durch hohe öffentliche Förde-
rungen wird die Erzeugung von Strom aus er-
neuerbaren Quellen wie Wind- und Sonnen-
kraft EU-weit massiv ausgebaut. 
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