16 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
D
ie Europäische Union ist für die 
Bereitstellung von Wärme, Elek-
trizität, Transportmobilität und 
Energie für industrielle Prozesse 
noch immer stark von fossilen Brenn-
stoffen abhängig. 76,6 Prozent des Pri-
märenergieaufkommens ruhten im Jahr 
2013 auf fossilen Energieträgern. Etwas 
mehr als ein Drittel stammte aus Erdöl, 
fast ein Viertel aus Gas und 16 Prozent 
aus Kohle. Österreich liegt bei Erdöl 
leicht über dem Durchschnitt der EU, 
bei Erdgas mit 22,4 Prozent leicht da-
runter, nur bei Kohle liegt Österreich 
deutlich unter dem Durchschnitt der EU.
Europa zentral für Gazprom
Der Anteil von Erdöl am Primärenergie-
aufkommen der EU ist seit Jahren rück-
läufig. Der Gasanteil bewegt sich im Ver-
gleich der letzten Jahre zwischen 23 und 
25 Prozent. Der Anteil der Kohle wiede-
rum ist durch den Einsatz billiger Kohle 
aus den USA in den letzten Jahren wieder 
leicht gestiegen.
Die EU hat 2013 431,8 Milliarden 
m3 Erdgas konsumiert – noch immer 
deutlich weniger als vor der Wirtschafts- 
und Finanzkrise 2008. Die eigene Gas-
produktion ist seit vielen Jahren stark 
rückläufig, vor allem wegen der seit 
2000 stark zurückgehenden britischen 
Gasförderung. Bei Gas ist die EU zu 
70 Prozent auf Importe angewiesen. 
Diese Importabhängigkeit steigt schon 
seit vielen Jahren und wird sich in den 
kommenden Jahrzehnten weiter deut-
lich erhöhen.
Russland ist der wichtigste Gasliefe-
rant der Europäischen Union. Im Jahr 
2013 stammten rund 40 Prozent des 
importierten Gases in der EU aus Russ-
land. An zweiter Stelle lag Norwegen, 
an dritter Stelle Algerien. Umgekehrt 
gehen fast 30 Prozent aller Gasexporte 
aus Russland in die EU. 
In Russland hält das staatlich kon-
trollierte Unternehmen Gazprom noch 
immer das gesetzliche Exportmonopol 
für leitungsgebundenes Erdgas. Die eu-
ropäischen Erdgasimporte aus Russland 
beruhen aber ausschließlich auf diesem 
Erdgas. Aufgrund der Ausrichtung der 
Gasexporte führen die Gasexportlei-
tungen Russlands ausschließlich nach 
Europa – in die EU, die Türkei und auf 
den westlichen Balkan.
Ins Stocken geraten
Auch Gazprom exportiert in erster Linie 
in Richtung Europa: 73,1 Prozent wur-
den in die EU, die Türkei und auf den 
westlichen Balkan (Bosnien, Serbien, 
Mazedonien) exportiert. Daran wird 
deutlich, wie zentral der europäische Ab-
satzmarkt für Gazprom ist. Auf Deutsch-
land etwa – den wichtigsten Abnehmer 
von russischem Erdgas – entfielen 2013 
18,6 Prozent der russischen Gasexporte. 
Ein weiterer wichtiger Absatzmarkt für 
Russland sind Länder der ehemaligen 
UdSSR. Dorthin wurde 2013 mehr als 
ein Viertel der russischen Gasexporte ver-
kauft. Wichtigster Abnehmer war  die 
Ukraine, gefolgt von Belarus. Die Ukra-
ine war bislang nicht nur ein wichtiger 
Abnehmer von russischem Erdgas, son-
dern ist noch immer das wichtigste Tran-
sitland für russisches Erdgas in die EU 
und die Türkei. 2013 wurden 52 Prozent 
der russischen Erdgasexporte in diese 
Staaten über die Ukraine transportiert.
Bis 1999 hatte die Ukraine überhaupt 
das Monopol auf den Transit russischer 
Erdgasexporte. Es war daher das strate-
gische Ziel Russlands, Umgehungslei-
tungen zu bauen. 1999 wurde die Jamal-
Leitung eröffnet, die über Belarus und 
Polen nach Deutschland führt. 2003 
folgte die Leitung Blue Stream, die 
Russland und die Türkei über das Schwar-
ze Meer verbindet. 2011 schließlich wur-
de mit der Nord-Stream-Gasleitung eine 
direkte Leitungsverbindung zwischen 
Russland und seinem wichtigsten Ab-
satzmarkt Deutschland eingerichtet.
Einigung mit Russland nötig
Als Schlussstein dieser russischen Diver-
sifizierungspolitik ist die Leitung South 
Stream vorgesehen, die Russland mit 
Bulgarien verbinden und das Gas über 
Serbien und Ungarn nach Österreich 
transportieren soll. Trotz bestehender 
zwischenstaatlicher Verträge dieser Län-
der mit Russland ist dieses Vorhaben aber 
ins Stocken geraten. Die Europäische 
Kommission sieht in den rechtlichen 
Vereinbarungen Verstöße gegen das Drit-
te Energiepaket der EU, in dem die Ent-
flechtung von Produktion und Transport 
von Energieträgern vorgesehen ist. Gaz-
prom darf demnach nicht gleichzeitig 
Lieferant des Erdgases und Eigentümer 
der Transportleitung sein. Überdies 
müsste Gazprom auch dritten Anbietern 
Europa und das russische Gas 
Russland-Forscher Gerhard Mangott über wechselseitige Abhängigkeiten 
und befürchtete Auswirkungen der Ukraine-Krise. 
Gerhard Mangott
Professor für Internationale Politik  
an der Universität Innsbruck
        

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