28 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
Auszeit für die Steckdose
Mit Muskelkraft und Sonnenstrahlen werden Gegenstände bewegt, 
geladen oder zum Leuchten gebracht. 
D
ie Energie kommt aus den Wa-
deln. Zwei Fahrräder lassen das 
„Karussell der Fundgegenstände“ 
kreisen, Eltern strampeln, wäh-
rend ihre Kinder etwa in einer zum Flug-
zeug umgestalteten Ölkanne und einer 
zum flotten Rennboot gewordenen alten 
Wanne sitzen, in einem riesenhaften Vo-
gelkäfig und auf einem ausrangierten 
Dreirad. Sperrmüll ? liebevoll mit neuem 
Leben bedacht. Kein Stück wurde gekauft 
? auch das ist einer der guten Gedanken 
hinter dem stromlosen Karussell.
Spielerische Kritik
Kommende Weihnachten wird es zum 
dritten Mal auf dem Karlsplatz seine 
Runden drehen, gemeinsam mit dem 
„Draisinen-Express“. Er ist ebenso strom-
los und läuft auf Schienen ? vier Fahr-
rad- und zwei Pump-Draisinen werden 
den Kleinen zur Verfügung stehen. 
Ein Signal für Nachhaltigkeit, eine 
„spielerische Kritik“ an der Wegwerfge-
sellschaft, wie der Künstler Stefan No-
vak vom Theaterverein Mowetz (www.
mowetz.at) sagt. Die Idee zum einzig 
durch Muskelkraft betriebenen Karus-
sell stammt von ihm. Gemeinsam mit 
dem Messermacher (www.messerei.at) 
Stefan Herzina hat er ein ganzes Jahr 
hindurch gearbeitet. Allein die Planung 
und die Statik haben viel Zeit ver-
schlungen. „Den ganzen Aufbau aus 
Mist zu machen und den Sperrmüll zu 
kombinieren war sehr aufwendig“, be-
richtet der gelernte Feinmechaniker 
Herzina. Mittlerweile gibt es bereits 
Nachahmer, doch ärgern kann er sich 
nicht so recht: „Karussells gibt es schon 
so lange und geistiges Gedankengut zu 
schützen ist schwer.“ Die ursprüngliche 
Idee eines zentralen Motors, der mittels 
Kurbel betrieben wird, wurde verwor-
fen. „Das hätte jeden Rahmen ge-
sprengt“, erklärt Herzina. Dass Fahr-
räder eine wichtige Rolle in den 
Konstruktionen der beiden Sperrmüll-
artisten spielen, liegt auch in der Ver-
netzung mit dem Radl-Salon (www.
radl-salon.at). Stefan Herzina: „Es ist 
auch der Zeitgeist, etwas stromlos zu 
betreiben.“
Pure Handarbeit
Kurbeln für den guten Zweck: Eine 
Minute drehen versorgte ab 2005 den 
von Nicholas Negroponte erdachten 
Mini-Laptop XO-1 samt Handkurbel 
mit zehn Minuten Strom. Geschaffen 
für Kinder in Entwicklungsländern, 
setzt das „One Laptop per Child“-Pro-
jekt (one.laptop.org) mit seinem aktu-
ellen Modell XO-4 Touch u. a. nun 
auch auf Solarenergie, zum Tablet XO 
3.0 gibt es als Zubehör auch ein Gerät, 
das Strom per Kurbel erzeugt ? für zwei 
Stunden Akku-Laufzeit muss allerdings 
mehr als eine Stunde gedreht werden. 
Helles Licht bei Dynamo-Taschen-
lampen erzeugen integrierte Akkus, die 
mit eigener Muskelkraft aufgeladen 
werden und LEDs speisen. Bei Kurbel-
Taschenlampen wird durch das Drehen 
Strom erzeugt. Zum Teil sind diese 
Leuchten auch in andere Geräte inte-
griert ? etwa kurbelbetriebene Radios 
oder Handyladegeräte. Kaufen kann 
man sie beim Diskonter, das schwe-
dische Möbelhaus bietet sie in leuch-
tendem Rot knapp unter fünf Euro an, 
außerdem sind sie bei Campingausstat-
tern (z. B. www.falle.at) und im Inter-
net zu finden. Diebisches Anschleichen 
ist ausgeschlossen ? beim Kurbeln ge-
ben die Lampen ein laut surrendes Ge-
räusch von sich.
Strahlende Kraft
Am FH Campus 02, der Fachhoch-
schule für Wirtschaft in Graz, hat der 
Obersteirer Stefan Ponsold Innovati-
onsmanagement studiert. Dank der 
Problemstellung seines Lektors im Be-
reich Kreativitätstechniken kam der da-
malige Student 2008 auf eine Idee, die 
ihm heute international nicht bloß An-
erkennung einbringt. „Es ging darum, 
ein typisches Alltagsproblem umwelt-
freundlich zu lösen“, erklärt Ponsold. 
Er machte die leidige Angelegenheit 
leerer Akkus zum Studienprojekt, tüf-
telte anfangs an einer iPhone-Hülle aus 
einer flexiblen Solarzelle, die das Mo-
biltelefon wieder aufladen sollte. Allein, 
die für eine Akku-Ladung benötigte 
Solarpanel-Fläche war zu klein. „Ich 
habe Prototypen gebaut, eine Lernkur-
ve hingelegt, die Fläche vergrößert.“ 
Das war die Initialzündung für die 
Gründung seines Unternehmens 
SunnyBAG (www.sunnybag.at). Von 
diversen Rucksäcken über Umhängeta-
schen aus Leder bis hin zu Taschen aus 
Lkw-Planen reicht das Angebot. Alle 
Produkte sind mit Solarpanelen ? an-
sonsten auch auf Dachanlagen zu fin-
Sophia Fielhauer-Resei
Freie Journalistin
        

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