36 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
Energiewende in den Kinderschuhen
Der gute Wille ist da, doch in der Praxis  braucht es noch viel, um der Energiewende 
zum Erfolg zu führen. Über reformbedürftige Beihilfen und nötige Investitionen.
D
ie Energieversorgung ist für die 
Europäische Union eine der größ-
ten Herausforderungen. Rasant 
steigende Energiepreise und er-
höhte Abhängigkeit von Energieein-
fuhren bedrohen die Energieversorgung 
und damit die gesamte Wirtschaft. Zur 
Senkung der CO-Emissionen und Be-
kämpfung des Klimawandels sind große 
Investitionen erforderlich, um einerseits 
erneuerbare Energien möglichst rasch an 
die Marktreife heranzuführen und an-
dererseits die europäische Energieinfra-
struktur an die neuen Herausforde-
rungen anzupassen. 
Für EU-BürgerInnen ist es schwer, 
sich ein klares Bild von der Energiewen-
de zu machen: Die einen warnen vor 
De-Industrialisierung und einer Ko-
stenlawine, um die Förderung von fos-
siler und Atomenergie zu rechtfertigen, 
die anderen preisen den dynamischen 
Ausbau der erneuerbaren Energien und 
das damit verbundene Jobwunder. 
Paradoxe Wende
Bisher ist die Energiewende durch para-
doxe Phänomene gekennzeichnet: Je grö-
ßer der Anteil der erneuerbaren Energien 
wird, desto stärker fallen die Großhan-
delspreise an der Strombörse. Gleichzei-
tig steigen die Strompreise für Privathaus-
halte. Während Braunkohlekraftwerke 
rund um die Uhr laufen und Milliarde-
ninvestitionen in Atomkraftwerke ge-
plant sind, werden hocheffiziente Gas-
kraftwerke abgeschaltet.  
Bei zunehmendem Anteil erneuerbarer 
Energien stößt das bisherige überwie-
gend fossil-nukleare Stromsystem an sei-
ne Grenzen. Das neue System ist gekenn-
zeichnet durch den liberalisierten Ener-
giebinnenmarkt einerseits und stark 
fluktuierende Energiequellen (vor allem 
Solar- und Windstrom) andererseits so-
wie von einer Vielfalt von meist kleinen 
Erzeugungsanlangen, die keine Versor-
gungssicherheit bieten können. Eine zen-
trale Aufgabe zur Stabilisierung des 
Stromnetzes ist es daher, Stromangebot 
und -nachfrage zu synchronisieren. 
In den nächsten zehn Jahren sind en-
orme Investitionen in die Energienetze 
erforderlich. Notwendig ist dies vor 
allem deshalb, weil die Übertragungs- 
und Verteilernetze ursprünglich konzi-
piert wurden, um von Großkraftwerken 
in nahe gelegene Verbrauchszentren zu 
liefern. Heute muss nicht nur zusätzlich 
der Strom aus den vielen kleinen Erzeu-
gungsanlagen ins Stromnetz integriert 
werden. Ein immer höherer Anteil dieses 
Stroms wird zudem unregelmäßig pro-
duziert und befindet sich weit entfernt 
von den Verbrauchszentren – wie zum 
Beispiel die Offshore-Windkraftanlagen 
in der deutschen Nord- und Ostsee.
Der Ausbau von erneuerbaren Anla-
gen führt zu einem höheren fluktuie-
renden Anteil der Energieversorgung, 
der durch Reservehaltung und Back-up-
Erzeugung durch konventionelle Kraft-
werke teuer gesichert werden muss. Hier 
ist ein flexibles Lastmanagement erfor-
derlich, um Erzeugung und Verbrauch 
anzupassen. Dies setzt ein neues Markt-
design voraus, das die Bereitstellung von 
klimaverträglichem Strom entsprechend 
der Nachfrage fördert. Die unreflek-
tierte Förderung sämtlicher erneuer-
barer Energien hat zwar eine spektaku-
läre Zunahme der Produktions- 
kapazitäten bewirkt, gleichzeitig aber zu 
einer Fehlallokation der Ressourcen ge-
führt. Um die Energiewende zum Erfolg 
zu führen, ist es daher notwendig, die 
Kosten des Ausbaus zu begrenzen, ohne 
die Dynamik der technischen Innovati-
on zu bremsen. Das heißt, die Produ-
zentInnen von Grünstrom müssen zu-
nehmend Verantwortung und Risiko für 
dessen Vermarktung übernehmen. Ein 
System, das über 15 Jahre und mehr fes-
te Erträge garantiert, ohne Verantwor-
tung für die Vermarktung zu übertra-
gen, ist ökonomisch nicht sinnvoll und 
bei anhaltender Staatsschuldenkrise 
auch nicht leistbar.
Die beihilfenpolitische Herausforde-
rung ist es daher, den Übergang zu einem 
flexiblen, kosteneffizienten Strommarkt 
mit ausreichenden Netzen, Speichern, 
effizienten Lastmanagementsystemen, 
regenerativen-Kraftwerken und hocheffi-
zienten Kraft-Wärme-Koppelungsanla-
gen (KWK) zu organisieren und gleich-
zeitig die Subventionierung von fossilen 
Energieträgern und Atomkraft zu verbie-
ten. Es besteht dringender Reformbe-
darf, um Investitionen in die richtigen 
Kanäle zu lenken. Dies ist nur auf EU-
Ebene möglich.
Die EU-Politik bietet ein zerrissenes 
Bild, das sich in den neuen Leitlinien 
zur Förderung von Umweltschutzbeihil-
fen und Energie1 2014 wiederfindet. 
Diese stellen ein Menü an Subventions-
maßnahmen für beinahe alle Ener-
gieformen zur Verfügung. Außerdem 
Susanne Wixforth
Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien
        

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