38 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
Übertriebene Energiepreise
Europaweit klagt die Industrie über hohe Energiepreise 
und droht mit Abwanderung. Ein Hintergrund.
E
s ist fünf vor zwölf. Wenn wir es nicht 
schaffen, wettbewerbsfähige Energie-
preise sicherzustellen, werden wir im 
internationalen Wettbewerb nicht 
bestehen können, meinte WKÖ-Präsi-
dent1 Christoph Leitl Ende vergangenen 
Jahres. Wolfgang Eder, Vorstandsvorsit-
zender der voest alpine, begründete den 
Bau eines neuen Werkes in Texas mit den 
dort günstigen Energiekosten2. Diese 
zwei Stimmen stehen beispielhaft für 
viele andere, von denen man Ähnliches 
zu hören bekommt. Und sie finden of-
fenbar Gehör, was sich etwa an der För-
derung von erneuerbarem Strom zeigt, 
ob aus Wind- oder Sonnenkraft, aber 
auch Biomasse. Das Geld dafür kommt 
aus Beiträgen der Strom-Endverbrauche-
rInnen, vor allem Gewerbe und private 
Haushalte. Die Industrie hingegen pro-
fitiert von großzügigen Ausnahmen. Ar-
gumentiert werden diese mit der hohen 
Kostenbelastung und dem daraus resul-
tierenden Wettbewerbsnachteil der be-
troffenen Unternehmen.
Tatsächlich spielen die Energiepreise 
für die Wettbewerbsfähigkeit der Indus-
trie neben technischer und sozialer In-
frastruktur sowie anderen Kostenfak-
toren nur eine untergeordnete Rolle. Im 
Wettbewerbsranking des World Economic 
Forum bleiben die Energiekosten sogar 
völlig unberücksichtigt. In diesem Ran-
king finden sich unter den Top-10-Län-
dern gleich sechs europäische Länder 
sowie drei asiatische Länder mit noch 
deutlich höheren Erdgaspreisen.
Relativierte Preisunterschiede
Die Energiepreise sind in Europa deut-
lich höher als in den USA. Laut Interna-
tionaler Energieagentur (IEA) sind etwa die 
Strompreise doppelt so hoch wie in Eu-
ropa. Dieses Bild relativiert sich jedoch, 
wenn man Regionen mit ähnlichen 
Strukturmerkmalen miteinander ver-
gleicht und Ausnahmeregelungen be-
rücksichtigt. So kommt Pricewater-
houseCoopers in einer Studie zu dem 
Schluss: „Deutsche Industrieunternehmen, 
welche sich im internationalen Wettbewerb 
befinden, haben (allerdings) Möglichkei-
ten, die EEG-Umlage zu reduzieren, wo-
durch der Strompreis auf ein ähnliches Ni-
veau wie in den beiden Vergleichsländern 
(Anm.: Österreich und Massachusetts, 
USA) sinkt.“ Durchgeführt wurde die 
Studie im Übrigen im Auftrag von „Ös-
terreichs Energie“, der Interessenvertre-
tung der E-Wirtschaft. 
Bei Erdgas sind die Preisunterschiede 
zwischen den USA und Europa be-
trächtlich (in Europa sind die Preise bis 
zu viermal so hoch wie in den USA) und 
haben zuletzt auch zugenommen. Das 
liegt allerdings weniger daran, dass die 
Preise in Europa an sich so hoch wären 
– an Europas Börsen ist Gas billiger als 
etwa in Japan, China, Indien oder Brasi-
lien. Grund ist vielmehr, dass Energie in 
den USA so billig geworden ist. Massive 
Investitionen in die Förderung von 
Schiefergas haben dort zu einem deut-
lichen Preisverfall geführt. Die Preise 
sind mittlerweile sogar so stark gesun-
ken, dass die Förderung von Schiefergas 
häufig unwirtschaftlich wird. So spre-
chen einige – etwa die Ökonomin und 
ehemalige Investmentbankerin Deborah 
Rogers oder der kanadische Geologe J. 
David Hughes – schon von einer finanz-
marktgetriebenen „Schiefergasblase“3.
Die Europäische Kommission 
spricht in ihrem Bericht „Energy Econo-
mic Developments in Europe“4 davon, 
dass die Förderkosten teilweise die Ver-
kaufserlöse übersteigen: „Current who-
lesale price appears too low for many 
shale gas fields (on-going and envisaged) 
to be profitably extracted“. Johannes 
Mayer, Chefvolkswirt der E-Control5, 
meint: „Die jetzigen Gaspreise in den 
USA sind nicht kostendeckend und 
nicht nachhaltig. Sie werden deshalb 
mittelfristig steigen.“ 
Rückgang erwartet
Auch die IEA rechnet mit einem Rück-
gang der Preisdifferenzen bei Erdgas zwi-
schen Europa und den USA6. Der rela-
tive Preisvorteil wird also schrumpfen. 
Im europäischen Vergleich liegen die 
Strom- und Gaspreise von Österreichs 
Industrie im Mittelfeld und sind damit 
niedriger als etwa in Deutschland. Tat-
sächlich spielen Energiekosten für weite 
Teile der Industrie ohnehin nur eine sehr 
Nina Huber
Studentin der Volkswirtschaftslehre an der 
WU; bis Juni 2014 Forschungsassistentin in 
der Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien
Josef Thoman
Abteilung Wirtschaftspolitik der AK Wien
1 Presseaussendung der WKÖ vom 10.12.2013.
2 Presseaussendung der voest alpine vom 13.3.2013. 
3 „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 16.1.2014: 
„Das Fracking-Wunder bleibt aus“ – tinyurl.com/lcyjkel
4 Energy Economic Developments in Europe (1/2014).
5 Industriemagazin (12/2013), S. 12.
        

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