40 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Schwerpunkt
Arbeit versus Umwelt?
Bei der Energiewende wird ein Widerspruch zwischen 
sozialen und ökologischen Zielen konstruiert.
A
ktuell werden in der öffentlichen 
und politischen Diskussion immer 
wieder soziale und ökologische 
Ziele gegeneinander ausgespielt – 
bei Lohnverhandlungen, bei der Klima- 
und Energiegesetzgebung und besonders 
bei der Gestaltung der Energiewende. 
Arbeitsplätze gegen Umweltschutz- oder 
Klimaschutzmaßnahmen, Wirtschafts-
wachstum gegen bewussten Ressourcen-
einsatz, höhere Energiepreise gegen 
Energiearmut, um nur einige dieser Kon-
flikte zu nennen.
Angstmacherei
Genauso wie soziale Standards geraten 
ökologische Ziele angesichts einer an 
neoliberalen Paradigmen ausgerichteten 
Wirtschaftspolitik stark unter Druck. 
Eingebettet in wiederkehrende Verlage-
rungsdrohungen und Angstmacherei 
durch große Konzerne und die Interes-
senvertretungen der Wirtschaft, sollen 
soziale und ökologische Ansprüche klein 
gehalten werden, um vermeintliche 
„Standortvorteile“ zu erzielen und die 
preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu stei-
gern (siehe auch „Übertriebene Energie-
preise“, S. 38?39). Es ist daher verständ-
lich, dass die ArbeitnehmerInnen sehr 
verunsichert sind, immerhin stehen sie 
unter dem Druck zunehmender Welt-
marktkonkurrenz. Zugleich werden jene, 
die auf eine gerechte Verteilung der an-
fallenden Kosten achten, immer wieder 
ins umweltverschmutzende Eck gestellt. 
Dabei ist klar, dass sowohl der Umstieg 
von fossilen auf erneuerbare Energien als 
auch die Bekämpfung des Klimawandels 
im Interesse der Beschäftigten sind. Die 
Energiewende ist aber auch mit beträcht-
lichen volkswirtschaftlichen Kosten ver-
bunden, die Investition in die Zukunft 
muss vorfinanziert werden (siehe auch 
„Energiewende in den Kinderschuhen“, 
S. 36?37). 
Obwohl die soziale Frage eng mit 
der ökologischen Frage zusammen-
hängt, funktioniert dieses Gegeneinan-
der-Ausspielen erstaunlich gut. Die Aus-
beutung von Mensch und Natur hat in 
der kapitalistisch-industriellen Produk-
tions- und Lebensweise dieselbe Ursa-
che. Umweltfragen dürfen aus Arbeit-
nehmerInnensicht genausowenig „dem 
Markt“ überlassen werden wie Lohn-, 
Arbeitszeit- oder Verteilungsfragen. 
Ökologische Fragen sind soziale Fragen, 
die für die Beschäftigten von großer Be-
deutung sind. Hoher Arbeitsdruck, Ar-
beitslosigkeit und Umweltzerstörung 
sind Folgen eines brutaler werdenden 
Kapitalismus, sie können nur gemein-
sam bekämpft werden. 
Strukturwandel
Angesichts der aktuellen Krise, die sich 
aus ökologischen Gesichtspunkten unter 
anderem darin zeigt, dass sich fossile 
Energieträger (Erdöl, Kohle, Gas) ten-
denziell erschöpfen und der Schadstoff-
ausstoß zu hoch ist, wird ein Struktur-
wandel notwendig sein und auch gesche-
hen. Dieser Umbau kann und darf aber 
nicht an den ArbeitnehmerInnen vorbei 
erfolgen. Die Gestaltung dieses Wandels 
ist daher eine große Herausforderung, 
bietet aber auch die Chance, ein besseres, 
sozial- und umweltverträglicheres Produ-
zieren, Arbeiten und Leben zu erreichen. 
Dies zeigt sich besonders bei der Gestal-
tung der Energiewende. 
Sackgassen
Unter sozialen und ökologischen Aspek-
ten betrachtet, hält die derzeitige Diskus-
sion einige Herausforderungen und Sack-
gassen bereit, die eine gerechte Gestal-
tung der Energiewende verhindern. 
Erstens werden ökologische Ziele wie die 
Verringerung der Treibhausgase, die Er-
höhung des Anteils der erneuerbaren 
Energien oder Energieeinsparungen von 
manchen Unternehmen als „Gegenpol“ 
zu Löhnen und Preisen positioniert. So 
soll die Öffentlichkeit davon überzeugt 
werden, dass eine finanzielle Beteiligung 
der Unternehmen an den Kosten der 
Energiewende gar nicht beziehungsweise 
nur bei gleichzeitig stagnierenden Löh-
nen oder steigenden Preisen möglich ist. 
Die Aufgabe von AK und Gewerkschaf-
ten muss es sein, diesen Widerspruch zu 
entkräften und auf die Schieflage bei der 
Ertrags- und Kostenverteilung insbeson-
dere zwischen Haushalten und Industrie 
hinzuweisen. Alle energiepolitischen 
Maßnahmen ? beispielsweise Förderun-
gen für erneuerbare Energien ? müssen 
auf ihre Verteilungswirkung analysiert 
und gegebenenfalls angepasst werden. In 
bestimmten Fällen machen Ausnahme-
regelungen für die energieintensive In-
dustrie natürlich Sinn ? es hilft weder den 
ArbeitnehmerInnen noch der Umwelt, 
wenn die energieintensive Industrie ihre 
Michaela Schmidt
Abteilung Wirtschaftspolitik  
der AK Salzburg
        

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