42 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Wir sind Europa
E
inen Blick hinter die „Kulissen“ 
einer der logistischen Meisterleis-
tungen Europas werfen zu können: 
Das war das Ziel meines Prakti-
kums. Für mich war von Anfang an klar, 
dass der Rotterdamer Hafen der Inbegriff 
von Logistik ist. Es war nicht einfach, 
Kontakte zu knüpfen, jedoch mithilfe 
des Netzwerkes meiner KollegInnen im 
Betrieb ist es gelungen, dass ich die Zeit 
bei Deltalinqs verbringen durfte, wo ich 
wiederum Kontakte zu anderen Firmen 
und Organisationen knüpfen konnte. Bei 
den vielen Besuchen wurde mir abseits 
vom Tourismus die Vielfalt dieses Hafens 
mit all seinen Stärken und Schwächen 
nähergebracht. 
Spannungsfeld Umweltschutz
Die Firma Deltalinqs betreibt Lobbying 
für rund 2.000 Hafenbetriebe. Aufgabe 
ist es, die Interessen zwischen Groß- und 
Kleinunternehmen zu bündeln und die-
se zwischen den Betrieben zu optimieren. 
Deltalinqs vertritt dabei die Interessen 
der Unternehmensbereiche Industrie 
(Raffinerien) sowie jene der operativen 
Hafenbetriebe (Container- und Schütt-
gutverladung, Transport und Lagerung). 
Ein interessantes Spannungsfeld ist der 
Umweltschutz. Dabei steht betriebsin-
ternen Interessen das öffentliche Interes-
se gegenüber, zum Beispiel das nachhal-
tige Naturbewusstsein in Bezug auf die 
angrenzenden Wohngebiete. Der Hafen 
ist in der Stadt eingebettet und damit ist 
die Lebensqualität der Menschen ein 
wichtiger Bestandteil in Umweltfragen. 
Rotterdam ist Mitglied der Climate Ini-
tative, deren Aufgabe es ist, in allen Be-
reichen Energie zu sparen.
Bei den Hafenerweiterungen Maas-
vlakte 1 und 2 ist durch Aufschütten 
von Sand eine Insel entstanden. Es wur-
de dem Meer Land abgewonnen und 
natürlich gab es daher Debatten mit 
Den Haag und den Umweltorganisati-
onen. Vor der Errichtung wurden 25 
Jahre lang hohe Umweltauflagen gefor-
dert (etwa die Schaffung von Aus-
gleichsgebieten oder Umweltauflagen 
für Lkws), die zu 100 Prozent umge-
setzt wurden. Deltalinqs hat für den 
Gefahrgutbereich eine Art Universität 
eingerichtet, in der Kenntnisse und 
Informationen aller Firmen geteilt wer-
den und Personal auf das Niveau von 
Sicherheitsstandards geschult wird.
Eine große Herausforderung ist es, 
neue Ausbildungsmöglichkeiten zu 
schaffen. Es stehen zu wenige Fachkräf-
te für den Hafen zur Verfügung, gleich-
zeitig wollen junge Menschen nicht 
mehr am Hafen arbeiten. Rund 80 Pro-
zent der Jugendlichen unter 18 Jahre 
kennen den Hafenbetrieb nicht und 
denken, man verrichtet dort nur schwe-
re und schmutzige Arbeit. Deshalb ver-
sucht man gemeinsam mit dem Staat 
und vor allem mit der Stadt Rotterdam, 
neue Ausbildungswege zu finden. Die 
Kooperation mit den Schulen und die 
Werbung für Berufe wie zum Beispiel 
der des Prozessmanagers sind daher sehr 
wichtig. Nicht zu vergessen sind Aktivi-
täten, um Arbeitssuchende am Hafen 
einzusetzen.
Besonders eindrucksvoll war für 
mich das Treffen mit den Gewerkschaf-
ten. Niek Stam von der Fachgewerk-
schaft Bondgenoten (FNV), zuständig 
für die Häfen, hat mir im Detail den 
Ablauf von CAO-Verhandlungen, also 
von Kollektivvertragsverhandlungen ge-
schildert. CAOs haben in den Nieder-
landen eine Gültigkeit von einem bis 
höchstens fünf Jahre. Es gibt sowohl 
CAOs für Branchen – wie zum Beispiel 
die Metallindustrie, in der ein CAO für 
mehr als 300.000 Beschäftigte gilt – als 
auch CAOs für Firmen. Letztere sind 
wegen der unterschiedlichen Anforde-
rungen bei den Hafenbetrieben gängig. 
KV auf Holländisch
Vorbereitungs- bzw. Verhandlungsschrit-
te gleichen grundsätzlich jenen in Öster-
reich. Der wesentliche Unterschied bei 
Firmen-CAOs besteht darin, dass nach 
Verhandlungserfolg die Ergebnisse den 
Mitgliedern verlautbart werden. Diese 
können dann abstimmen, ob sie mit dem 
Vorschlag einverstanden sind oder nicht. 
Falls die Mehrheit der Gewerkschaftsmit-
glieder das Ergebnis für unzureichend 
befindet, wird neu verhandelt. Zudem ist 
eine automatische jährliche Inflationsan-
passung der Entgelte festgeschrieben, die 
somit unabhängig von Verhandlungen 
durchgeführt wird.
 
Schreiben Sie Ihre Meinung
an die Autorin
nina.abraham@logserv.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Im Heimathafen der Logistik
Nina Abraham war vier Wochen bei Deltalinqs  
am Rotterdamer Hafen in den Niederlanden. 
Nina Abraham
SOZAK-Teilnehmerin  
des 63.Lehrgangs
        

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