8 Arbeit&Wirtschaft 7/2014Kampagne
Arbeit & Wirtschaft: Schon länger ma-
chen AK und Gewerkschaften Druck 
für die Einführung von Vermögens-
steuern. Warum dann eine Lohnsteu-
erkampagne?
AK-Präsident Rudi Kaske: In Öster-
reich gibt es eine extreme Schieflage bei 
den Steuern. Der Faktor Arbeit ist hoch 
besteuert, Vermögen kaum. Das sagen 
nicht nur wir, das zeigen auch Studien 
und Berechnungen der EU-Kommissi-
on und der OECD. Österreich zählt zu-
dem auch europaweit zu den Ländern 
mit der höchsten Steuerbelastung auf 
Arbeit. Damit muss nun endlich Schluss 
sein. Deshalb braucht es eine Steuerre-
form, die eine spürbare Erleichterung 
für die arbeitende Bevölkerung in die-
sem Land bringt. Es geht uns um mehr 
Gerechtigkeit und nicht darum, das 
Steueraufkommen für den Staat zu kür-
zen. Denn schließlich sind Steuern not-
wendig und sinnvoll, weil mit ihnen 
wichtige Sozialleistungen finanziert wer-
den. Ich sage nur einige Stichwörter wie 
Kinderbetreuung, sozialer Wohnbau, 
Pflege. Am Ende muss den arbeitenden 
Menschen in diesem Land mehr Netto 
von ihrem Einkommen im Börsel blei-
ben. Und unser Entlastungsmodell 
bringt genau das.
Warum gerade jetzt eine solche Kampa-
gne? Die Forderung nach einer Entlas-
tung des Faktors Arbeit ist ja nicht neu.
ÖGB-Präsident Erich Foglar:  Ja, Sie 
haben recht, das Thema ist nicht neu. 
Auf Drängen der Gewerkschaften gab 
es bereits 2009 eine Lohnsteuerreform, 
die die ArbeitnehmerInnen entlastete 
und die Kaufkraft unterstützte. Jedoch 
wurden damals an der Struktur nur ge-
ringe Korrekturen vorgenommen. 
Nun ist die Situation wieder an 
einem Punkt, an dem wir seitens der 
Gewerkschaft einen Ausgleich für die 
kalte Progression und eine Kurskorrek-
tur verlangen. Trotz der guten Lohn- 
und Gehaltserhöhungen, die die Ge-
werkschaften Jahr für Jahr erkämpfen, 
bleibt den Beschäftigten netto viel zu 
wenig übrig. Die hohen Steuern und 
Lebenshaltungskosten in Verbindung 
mit der kalten Progression fressen die 
Lohnerhöhungen auf, oft wird nicht 
einmal die Inflation abgedeckt, woraus 
ein Netto-Reallohnverlust resultiert. 
Viele ArbeitnehmerInnen und Pen-
sionistInnen können sich neben den 
steigenden Preisen – von der Miete bis 
zum täglichen Einkauf – immer weni-
ger leisten. Aus diesem Grund haben 
wir Anfang Juli die Kampagne „Lohn-
steuer runter!“ gestartet, und mehr als 
eine halbe Million UnterstützerInnen 
in den ersten zwei Monaten bestätigen, 
dass den Menschen in Österreich die 
hohe Belastung unter den Nägeln 
brennt.
Welche Erwartungen setzen Sie in den 
neuen Finanzminister: Wird es nun 
leichter oder noch schwerer, mit Ihrem 
Anliegen durchzukommen?
AK-Präsident Rudi Kaske: Ich hoffe 
sehr, dass er ein offenes Ohr für die An-
liegen der Arbeitnehmerinnen und Ar-
beitnehmer hat. Schließlich sind es ge-
nau diese, die mit ihren Steuern den 
Staatshaushalt stützen. Österreich hat 
sich ja mittlerweile zum Lohnsteuerland 
entwickelt. Im heurigen Jahr überholen 
die Einnahmen aus der Lohnsteuer zum 
ersten Mal in der Geschichte Österreichs 
die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer. 
Auch im Vergleich zur Körperschaft-
steuer steigen die Einnahmen aus der 
Lohnsteuer rasant an. 
Die Politik ist gefordert, etwas ge-
gen diese ungerechte Verteilung des 
Steueraufkommens zu tun. Wir haben 
jetzt ein entsprechendes Modell präsen-
tiert. Der neue Finanzminister kann 
also gleich unter Beweis stellen, dass er 
für die hart arbeitende Bevölkerung in 
diesem Land etwas tut. Wir werden ihn 
– so wie jeden anderen Politiker auch – 
an seinen Taten und nicht an seinen 
Worten messen. 
Die ÖVP wehrt sich schon lange mit 
Händen und Füßen gegen Vermögens-
steuern. Warum sollte sie nun einlen-
ken? 
ÖGB-Präsident Erich Foglar: In Ös-
terreich gibt es 297 Haushalte, die ein 
Vermögen von jeweils mehr als 82 Mil-
lionen Euro haben – das entspricht mehr 
als 100 Millionen Dollar. Insgesamt be-
sitzen diese Haushalte 450 Milliarden 
Euro in Form von Wertpapieren, Im-
mobilien, Firmenbeteiligungen usw. 
Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade 
diese Vermögenswerte durch die Krisen-
rettungsinstrumente vom Staat und also 
von den SteuerzahlerInnen mit gesichert 
wurden. Es ist also höchste Zeit für ei-
nen fairen Steuerbeitrag der reichsten 
Haushalte – von denen übrigens viele 
„Fair und machbar“
Lohnsteuern auf Rekordniveau: Die Präsidenten Erich Foglar und Rudi Kaske im 
Interview über das Modell von AK und ÖGB zur Entlastung der ArbeitnehmerInnen.
        

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