Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2014 23Schwerpunkt
reich, verteilt.“ Lange Zeit versuchte man 
die MitarbeiterInnen durch eine Betriebs-
ratszeitung zu erreichen. Die erschien aber 
nur einmal im Jahr, was bedeutet, dass auf 
Neuerungen nur sehr begrenzt eingegan-
gen werden konnte. Auch war die Produk-
tion relativ kosten-, aber vor allem zeitin-
tensiv. Deshalb entschied sich die Diözese 
Linz für einen Newsletter: „Dieser ist ein-
facher zu produzieren als eine Zeitung, 
Kosten für den Druck fallen weg und wir 
können Informationen laufend aktualisie-
ren und rasch an unsere Mitarbeiter trans-
portieren“, führt Penn weiter aus. 
Blog ersetzt Zeitung
Die gedruckte Zeitung wurde von einem 
Betriebsrats-Blog abgelöst. Darauf werden 
Interna, gesellschaftspolitische Themen 
oder überregionale gewerkschaftliche Ak-
tionen wie etwa die Kampagne „Lohnsteu-
er runter!“ behandelt. Im Zeitalter der Ver-
netzung durfte im Newsletter der Link auf 
den Blog nicht fehlen. Penn verrät, dass zu 
Beginn der Schritt ins World Wide Web 
im Betriebsrat durchaus kontroversiell dis-
kutiert worden ist. „Es bestand die Sorge, 
dass die Zeit für Social-Media-Arbeit an 
anderer Stelle fehlen könnte. Diese Zwei-
fel haben sich aber schnell als unbegründet 
erwiesen und das Konzept stößt heute auf 
breite Zustimmung. Wir erhalten auch 
von unseren MitarbeiterInnen regelmäßig 
positive Rückmeldungen“, so Penn. Neben 
dem Austausch zu internen und betriebsex-
ternen Fragen schätzt Penn aber auch ganz 
einfach die praktische Seite der interme-
dialen Welt: „So kann zum Beispiel der 
Weg zur nächsten Betriebsversammlung 
via Google-Maps beschrieben werden. In 
Zukunft hoffe ich nur, mehr KollegInnen 
für die Mitarbeit am Blog motivieren zu 
können.“ Facebook nützt Penn privat und 
steht hier auch im Austausch mit Kolle-
gInnen, eine geschlossene, arbeitsspezifi-
sche Gruppe wurde aber nicht gegründet.
Ist somit das Zusammenspiel zwi-
schen sozialen Medien und der Arbeit-
nehmerInnenvertretung eine Erfolgsstory 
par excellence? Hier ist Vorsicht geboten. 
Denn das Netz ist bekanntlich ein offenes 
Buch. Es besteht die Gefahr, dass Ge-
werkschaftsmitglieder, BetriebsrätInnen 
und ArbeitnehmerInnen allzu offen ihr 
Herz ausschütten. Das könnte wiederum 
den mitlesenden ArbeitgeberInnen in die 
falsche Kehle rutschen, mit möglicherwei-
se nicht gerade angenehmen Konsequen-
zen für die Poster. Einen schmalen Grat 
betreten hier gerade BetriebsrätInnen, sie 
unterliegen ja immerhin der Verschwie-
genheitspflicht. Deshalb wird in #sbsm 
den BetriebsrätInnen empfohlen: „Der 
Betriebsrats-Blog ist kein Ort, sich mit 
dem Gegenüber im Management zu duel-
lieren oder Rechnungen zu begleichen. 
Dokumentiere Medienberichte zum Un-
ternehmen und zur Branche, aber erkläre 
nicht selbst, wie es um das Unternehmen 
steht. Stelle nichts Vertrauliches online, 
sondern behandle Themen allgemein. 
Sprich also beispielsweise keinen konkre-
ten Mobbingfall an, sondern stelle statt-
dessen Informationen und Links zum 
Thema online.“ Das dürfe keinesfalls als 
medialer Maulkorberlass missverstanden 
werden. Thomas Kreiml von der GPA-djp 
schreibt dazu: „Im Sinne einer gewerk-
schaftlichen Politik der Befreiung aus Ab-
hängigkeits- und Machtverhältnissen im 
Interessenkonflikt zwischen Arbeitgebe-
rInnen und ArbeitnehmerInnen müsste 
individuelles Auftreten in der Netzöffent-
lichkeit durch kollektiv organisierte Soli-
darität unter ArbeitnehmerInnen gegen 
Unternehmensinteressen verteidigt wer-
den ...“ (tinyurl.com/nefna5w) 
Potenzial für Mitbestimmung
Ein naheliegendes („Minimal-“)Ziel be-
stünde demnach im Schutz von Arbeitneh-
merInnen vor Konsequenzen am Arbeits-
platz aufgrund von Publikationen in sozi-
alen Medien, den es gewerkschaftlich zu 
formulieren und zu vertreten gelte. Kreiml, 
der einer der beiden Herausgeber des 
#sbsm-Handbuchs ist, weist im Gespräch 
mit „Arbeit&Wirtschaft“ aber explizit auf 
die positiven Seiten von Social Media hin: 
„ArbeitnehmerInnen und deren Vertretun-
gen können auch kommerzielle Medien 
wie Facebook gut nutzen, um ihre Ziel-
gruppe zu erreichen und breite Öffentlich-
wirksamkeit zu schaffen. Ein Beispiel dafür 
ist die Lohnsteuerkampagne. Social Media 
weisen ein erhebliches Potenzial auf, um 
für mehr gesellschaftliche Mitbestimmung 
der ArbeitnehmerInnen zu sorgen.“
Internet: 
Mehr Info unter:
www.betriebsratsblog.at
www.betriebsraete.at
www.lohnsteuer-runter.at
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an den Autor
harald.kolerus@gmx.at 
oder die Redaktion
aw@oegb.at
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#sbsm versteht sich als praktischer Wegweiser 
durch das Web 2.0 und geht dabei auch auf  
die Nutzung von Social Media durch Gewerk-
schaften und BetriebsrätInnen ein.
        

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