Full text: Ein Wörtchen mitreden (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2014 7Aus AK und Gewerkschaften
vida:
Gottfried Winkler zum Vorsitzenden gewählt
Beim 3. vida-Gewerkschaftstag ein neues Grundsatzprogramm und eine neue Struktur beschlossen.
ÖGJ:
Erfolgsmodell Lehre attraktiver machen
Mehr Qualität in der Lehrausbildung kann so manche Image-Kampagne unnötig machen.
Vom 4. bis 6. November fand der 3. Gewerk-
schaftstag der Verkehrs- und Dienstleis-
tungsgewerkschaft vida statt. Dabei wur-
de von den rund 500 Delegierten ein 
neues Grundsatzprogramm beschlossen. 
„Wir haben nicht nur die personellen 
Weichen gestellt, sondern mit unserem 
neuen vida-Grundsatzprogramm auch in-
haltliche Vorgaben beschlossen. Mit die-
sem Programm wollen wir unser politi-
sches Profil schärfen und wichtige ge-
werkschaftspolitische Akzente setzen“, 
betonte der mit 91,39 Prozent gewählte 
vida-Vorsitzende Gottfried Winkler. „Wir 
begnügen uns aber nicht mit Forderun-
gen, sondern wollen uns beim nächsten 
Gewerkschaftstag in fünf Jahren an kon-
kreten Zielen messen lassen“, kündigte 
der vida-Vorsitzende Winkler an. Als Bei-
spiele nannte er die Senkung der Lohn-
steuer, den Rechtsanspruch auf Pflegeka-
renz oder die verpflichtende Verankerung 
von Qualitäts- und Sozialkriterien in Aus-
schreibungen. Die vida setze sich neben 
einem fairen Steuer- und Abgabensystem 
und 1.500 Euro Mindestlohn für alle 
 vida-Branchen auch weiterhin für einen 
starken Sozialstaat ein, so Winkler. 
Um die Umsetzung schlagkräftig 
 voranzutreiben, wurde auch die interne 
Struktur der Gewerkschaft verändert. 
Die vida ist künftig in acht Fachbe- 
reiche unterteilt: Dienstleistungen, Eisen-
bahn, Gebäudemanagement, Gesund-
heit, Luft- und Schiffverkehr, Soziale 
Dienste, Straße, Tourismus. „In jedem 
dieser Fachbereiche arbeiten engagierte 
FunktionärInnen und Beschäftigte der 
vida zusammen und gestalten aktiv die 
Arbeitswelt mit. Dazu gehören KV-Ver-
handlungen genauso wie die Zusammen-
arbeit mit Bündnis- und Sozialpartnern 
oder die Einbringung in Gesetzgebungs-
prozesse“, erläuterte Winkler. Die neue 
Struktur wurde von den Delegierten ein-
stimmig beschlossen. Im Rahmen des 
vida-Gewerkschaftstages hielt der Sozio-
loge, Politiker und Autor Jean Ziegler ein 
Impulsreferat zum Thema „Kampf gegen 
die absurde Weltordnung – Verteilungs-
gerechtigkeit“. „Wir leben in einer Welt, 
in der das Kapital wütet. Die 500 größ-
ten Konzerne kontrollierten im letzten 
Jahr 52,8 Prozent des Weltbruttosozial-
produkts“, berichtete Ziegler und mach-
te deutlich: „Während die Profitmaxi-
mierung voranschreitet, wachsen im Sü-
den die durch Hunger entstandenen 
Leichenberge weiter an. Dieses kanniba-
lische System aus struktureller Gewalt 
muss gebrochen werden.“
Mehr Infos unter:
gewerkschaftstag.vida.at
„Minister Reinhold Mitterlehner will das 
 Erfolgsmodell Lehre weiterentwickeln 
und attraktiver machen. Dem stimmt die 
Gewerkschaftsjugend voll und ganz zu – 
allerdings soll die Lehre nicht für Ausbeu-
ter und Schmalspurausbildner attraktiver 
werden, sondern für die Jugendlichen und 
für die gesamte Wirtschaft“, sagt Sascha 
Ernszt, Vorsitzender der Österreichischen 
Gewerkschaftsjugend (ÖGJ). Dafür brau-
che es mehr als nur Imagemaßnahmen: 
„Die Qualitätssicherung muss ausgebaut 
werden. Derzeit ist die duale Ausbildung 
der einzige Bereich im gesamten Bildungs-
system, wo Qualität so gut wie überhaupt 
nicht kontrolliert wird.“  
„Wenn die Unternehmen besser aus-
bilden würden, könnte sich Österreich 
die eine oder andere Image-Kampagne 
für die Lehre sparen. Denn viele Jugend-
liche wollen eine praktische Ausbildung 
machen, sie entscheiden sich aber oft da-
gegen, weil die Lehrplätze zu unattraktiv 
sind.“ Unternehmen, die gut ausbilden 
und attraktive Angebote für Jugendliche 
haben, haben hingegen keine Probleme. 
Sie bekommen viele Bewerbungen und 
können sich ihre Lehrlinge aussuchen. 
Ernszt: „Die jammern dann auch nicht 
darüber, dass ihnen die Jugendlichen alle 
zu dumm sind.“
Für mehr Qualität in der Lehrausbil-
dung fordert die ÖGJ:
 » die Einführung einer verpflichtenden 
Teilprüfung, die auf die Lehrabschlussprü-
fung angerechnet wird;
 » mehr Kontrollen über die tatsächliche 
Ausbildungstätigkeit;
 » regelmäßige Weiterbildungen der Aus-
bildnerInnen.
Bessere Qualität sollte aber mit mehr 
angebotenen Lehrstellen einhergehen. 
„Die Wirtschaft muss wieder mehr Lehr-
linge ausbilden. Die Zahl der Lehrstellen 
ist seit 1980 um ein Drittel zurückgegan-
gen, gerade 20 Prozent der Unterneh-
men, die Lehrlinge ausbilden könnten, 
tun das auch. Die Zahlen machen klar, 
dass vor allem auf der Seite der Wirtschaft 
einiges getan werden muss – sich auf 
schwache Geburtenjahrgänge auszureden 
ist zu wenig und verbessert nichts an der 
Situation“, kritisiert Ernszt. Auch AMS-
Chef Johannes Kopf rechne bis 2018 mit 
einem weiteren Rückgang auf 13,4 Pro-
zent Ausbilderbetriebe. Die ÖGJ fordert 
daher einen Ausbildungsfonds (Fachkräf-
temilliarde), in den Firmen einzahlen, die 
nicht ausbilden, obwohl sie es könnten, 
und aus dem Betriebe, die qualitativ 
hochwertig ausbilden, Förderungen er-
halten. Der Fonds soll durch ein Prozent 
der Jahresbruttolohnsumme durch die 
Unternehmen finanziert werden.
Mehr Infos unter:
tinyurl.com/k8b4qsp
        

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