Full text: Das gute Leben (10)

Arbeit&Wirtschaft 10/201532 Schwerpunkt
Das Gück ist (k)ein Vogerl
Geld allein macht nicht glücklich, zu wenig davon zu haben belastet aber jedenfalls. 
Eine Rundschau durch die Glücksforschung.
G
lück ist zunächst ein zutiefst sub-
jektives Empfinden. In der Glücks-
forschung werden die Bedingungen 
untersucht, die dazu führen, dass 
sich Menschen als glücklich empfinden. 
Verschiedene Wissenschaftsbereiche – wie 
Philosophie, Psychologie, Medizin und 
Ökonomie – beschäftigen sich mit diesen 
Fragen und dementsprechend unterschied-
lich und vernetzt sind die Antworten dazu. 
Glückliche RaunzerInnen
Österreich belegt laut dem World Happi-
ness Report 2015 einen Top-Platz, wenn 
es um das Glück geht. Von 158 Ländern 
schafft es Österreich auf Rang 13 auf die 
von der UNO in Auftrag gegebene Studie 
der Columbia-Universität (USA). Klingt 
lustig, so eine Happiness-Studie, die Ziele 
sind aber durchaus ernsthaft und ambiti-
oniert. Die Erkenntnisse sollen zu einer 
Verbesserung nachhaltiger Entwicklung 
beitragen und die Grundlage schaffen, um 
Menschen glücklicher zu machen. Denn 
„wenn Länder BIP-Ziele auf Kosten von 
sozialen und ökologischen Zielen zu stark 
gewichten, beeinträchtigt dies häufig das 
menschliche Wohlbefinden“, so die Auto-
rInnen der Studie. Für den Glücks-Index 
wurden die Länder auf Faktoren wie Ein-
kommen, Lebenserwartung, soziales Netz 
und gefühlte Freiheit untersucht. Laut der 
Studie hängt das gesellschaftliche Wohl-
befinden auch stark vom prosozialen Ver-
halten der Gesellschaftsmitglieder ab. Da-
mit gehen Aufrichtigkeit, Wohlwollen, 
Kooperation und Vertrauenswürdigkeit 
einher. Im Grunde bedeutet prosozial zu 
handeln, Entscheidungen für das Allge-
meinwohl zu treffen und egoistischen An-
reizen zu widerstehen. Förderliche Voraus-
setzung hierfür ist das soziale Kapital einer 
Gesellschaft. In diesem Zusammenhang 
ist damit generalisiertes Vertrauen, Good 
Governance und Solidarität gemeint. Die 
dringende politische Frage ist laut den Au-
torInnen daher, wie in gespaltene Gesell-
schaften mit niedrigem sozialem Kapital 
in diesen Bereich investiert werden kann. 
Die internationale Happiness-Studie 
macht deutlich, dass sich diese besonders 
mit gesellschaftspolitischen Zusammen-
hängen beschäftigt. Dazu drängt sich die 
Frage auf, was Glück auf der individuellen 
Ebene bedeutet? 
Vice-versa-Effekt
Interessante Effekte stellte das Forsche-
rInnenteam um die US-amerikanische 
Psychologin Lara B. Aknin fest: Wenn 
Menschen für andere Geld ausgeben, löst 
das mehr positive Gefühle bei ihnen aus, 
als wenn sie es für sich selbst verwenden. 
Bei der Studie wurde das Spendeverhalten 
(prosoziales Verhalten) in 136 Ländern 
von 200.000 Menschen untersucht. 88 
Prozent erlebten im Folgemonant mehr 
Lebenszufriedenheit. Die positiven Gefüh-
le waren in armen wie reichen Ländern 
gleichermaßen vorhanden. Dies wird da-
mit erklärt, dass in der Evolution zwischen-
menschliche Kooperation indirekt das 
Überleben sicherte. Es ist daher in uns tief 
verankert und wird folglich mit positiven 
Gefühlen belohnt. So zeigten wissenschaft-
liche Beobachtungen, dass dieses Phäno-
men bereits bei 2-jährigen Kleinkindern 
vorhanden ist: Sie zeigten freudige Reak-
tionen, wenn sie Süßigkeiten bekamen – 
noch mehr freuten sie sich, wenn sie diese 
teilen konnten.
Trotz internationaler Studien scheint 
der Glücksbegriff nicht so leicht zu fassen 
zu sein. „Da hast du aber Glück gehabt“ 
– damit sind in der Regel Ereignisse ge-
meint, die auch als „Zufallsglück“ be-
zeichnet werden können. Im Zentrum 
der Glücksforschung steht aber weniger 
dieses „Zufallsglück“ sondern mehr das, 
was man unter „glücklich sein“ versteht. 
Obwohl das „Zufallsglück“ darauf natür-
lich Einfluss haben kann. Historisch gibt 
es auch noch ein Glückskonzept, wo 
Glück mit Freiheit von Leid und Mangel 
(Epikur, Schopenhauer) verbunden wird. 
Gemeinhin wird heute aber etwas ande-
res darunter verstanden. Mit „froher Zu-
friedenheit“ erklärt der Duden Glück 
und beschreibt vermutlich gut, was meist 
alltagssprachlich darunter verstanden 
wird. 
Rein körperlich sind die sogenannten 
Glückshormone für das Glücksempfin-
den verantwortlich. Damit sind meist 
Elke Radhuber
Kommunikationswissenschafterin,  
Coach, Trainerin
B U C H T I P P
Sonja Lyubomirsky: 
Glücklich sein
Warum Sie es in der Hand 
 haben, zufrieden zu leben 
Campus Verlag,  
355 Seiten, 2008, € 20,50
ISBN: 978-3-5933-8527-3
Bestellung:
www.arbeit-recht-soziales.at
        

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