Full text: 70 Jahre Kampf für Gerechtigkeit (3)

11Arbeit&Wirtschaft 3/2015 Historie
worden. Als die Kommission 1928 in den Bund 
der Freien Gewerkschaften umgewandelt wor-
den war, hatten die beiden dessen Frauen-
sektion aufgebaut. 1932 bis 1934, in den 
letzten beiden Jahren der demokratischen 
Republik, hatte sie dem Wiener Gemeinderat 
angehört. Ab 1934 hatte die mutige Frau die 
illegale „Sozialistische Arbeiterhilfe“ geleitet, 
die politisch Verfolgten und deren Angehöri-
gen Hilfe und Unterstützung bot. Haftstrafen 
unter der austrofaschistischen Diktatur und 
zweieinhalb Jahre Haft in den Gefängnissen 
der Gestapo, der nationalsozialistischen Ge-
heimen Staatspolizei, waren die Folge. 
1945 gehörte Wilhelmine Moik zu dem noch 
kleinen Kreis jener GewerkschafterInnen, die 
Am 25. Mai 1946 stand eine kleine Frau am 
Rednerpult des österreichischen National-
rats. Sie machte sich zur Anwältin der Frau-
en, die Gefahr liefen, wieder „heim an den 
Herd“ geschickt zu werden, wenn die Männer 
aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt 
waren:  
Wenn ich vom Recht auf Arbeit spreche, 
dann möchte ich … ganz besonders von 
dem Recht der Frau auf Arbeit sprechen. 
Es war bisher so, dass die Frauen immer 
dann zur Berufsarbeit herangezogen 
wurden, wenn es Not an Männern ge-
geben hat. Waren aber wieder halbwegs 
normale Verhältnisse zurückgekehrt, 
wurden sie als überflüssig abgebaut und 
vom Beruf entfernt. … Vergessen wir 
nicht, wenn wir die Frauenarbeit im-
mer nur dann verwenden, wenn ein 
Mangel an Arbeitskräften vorhanden 
ist, so leisten wir der Frauenarbeit und 
der Ausbildung der Frauen keinen 
Dienst. Denn alle Eltern werden es sich 
überlegen, für die Berufsausbildung ih-
rer Mädel einen großen Aufwand zu 
machen, wenn sie wissen, dass die Zeit 
kommt, wo sie wieder aus dem Berufs-
leben ausscheiden müssen.
Die 52-jährige Rednerin wusste, wovon sie 
sprach. Die Tochter einer sozialdemokra-
tischen Arbeiterfamilie, eine Weißnäherin, war 
schon früh engagierte Gewerkschafterin ge-
wesen und 1921 von der Pionierin Anna 
Boschek als Mitarbeiterin in die Reichskom-
mission der Freien Gewerkschaften geholt 
Recht der Frau auf Arbeit
Wilhelmine Moik baute 1945 die ÖGB-Frauenabteilung auf. Ihr Kampf galt 
der Gleichberechtigung der Frauen auch am Arbeitsmarkt.
nach der Gründung im April die praktische 
Aufbauarbeit beim Österreichischen Gewerk-
schaftsbund leisteten, ab September 1945 
leitete sie das ÖGB-Frauenreferat. Nach den 
ersten Nationalratswahlen der Zweiten Re-
publik zog sie ins Parlament ein und sollte 
bis 1963 Abgeordnete bleiben. Zusätzlich zu 
ihrer Funktion als Frauensekretärin wurde sie 
1951 auch zur ÖGB-Frauenvorsitzenden ge-
wählt. 
Biografie über Wilhelmine Moik: 
tinyurl.com/o3v7tg8
Zusammengestellt und kommentiert 
von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at
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Beim ÖGB-Frauenkongress 1959 legte Wilhelmine Moik ihre Funktion als Frauensekretärin 
nieder, Vorsitzende blieb sie noch bis 1963. Unter den Danksagenden war auch die spätere 
Sozialministerin Grete Rehor als Vertreterin der christlichen Gewerkschafterinnen.
        

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