Volltext: Bis der Kopf raucht (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2015 19Schwerpunkt
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lionen AbonnentInnen weltweit und bie-
tet 4.000 YouTube-Nachhilfevideos in 65 
verschiedenen Sprachen an.
Die „coolste Nachhilfe Deutsch-
lands“ bietet The simple Club in den 
Fächern Mathematik, Physik, Biologie, 
Chemie und seit Kurzem auch Wirt-
schaft. Keine Nachhilfe im Stil des typi-
schen Bildungsfernsehens, aber den 
Online-Kommentaren nach zu schlie-
ßen zumindest jugendgerecht. In jedem 
Fall haben Lern- und Nachhilfevideos 
auf YouTube theoretisch den Benefit, 
dass die sich UserInnen gegenseitig in 
Form von Postings auf die Sprünge hel-
fen können.
Peer-to-Peer-Lernen
Höchstens zehn Euro pro Stunde soll es 
kosten, wenn SchülerInnen einander 
beim Lernen helfen – österreichweit ver-
mittelt über eine Online-Plattform. Der 
Gedanke von Talentify ist, dass beide Sei-
ten profitieren – die schwachen Schüle-
rInnen, die eine Perspektive bekommen 
und gestärkt werden, und die Nachhilfe-
lehrerInnen, die das eigene Wissen ver-
tiefen und außerdem ihre Sozialkompe-
tenzen erweitern. Außerdem bietet Ta-
lentify auch Hilfe bei der „Lebens- 
vorbereitung“ und will junge Menschen 
auf dem Weg ins Berufsleben begleiten. 
Es geht um Fragen wie „Wo liegen meine 
Talente? Was will ich einmal werden und 
was braucht es dazu?“. Geübt werden 
Zeitmanagement, Kommunikation, Le-
bensläufe schreiben etc.
Das geflügelte Wort „Gratis ist nichts 
wert“ stimmt im Bildungsbereich, wo 
zum Glück nach wie vor viele Angebote 
von der öffentlichen Hand finanziert 
werden, meist ganz und gar nicht. Kos-
tenfreie Maßnahmen bieten manchmal 
mehr Bürokratie und weniger Flexibili-
tät, aber sie sind weder minderwertig, 
noch werden sie gering geschätzt. Wäh-
rend Nachhilfeinstitute, Maturaschulen 
und Co in den Medien allgegenwärtig 
sind, sind Gratis-Angebote in der Regel 
auch ganz ohne Werbung ausgebucht – 
so wie etwa die staatlichen Abendgym-
nasien mit ihren sieben Standorten in 
ganz Österreich. Diese Schulen bieten 
berufsbegleitend erwachsenengerechte 
Unterrichtsmethoden, funktionieren 
aber im Wesentlichen ähnlich wie ande-
re Gymnasien – inklusive kostenlosem 
Förderunterricht. Außerdem werden 
Fernkurse angeboten.
Nach der Matura
Erst seit einigen Jahren auf dem Bildungs-
markt sind die Vorbereitungskurse zu den 
kapazitätsbeschränkten Studienrichtun-
gen (Veterinär-)Medizin, Publizistik und 
Psychologie. Laut einer Studie des Wis-
senschaftsministeriums sind die Kosten 
für diese Kurse aber in dieser relativ kur-
zen Zeit, konkret seit 2009, merklich ge-
stiegen. Über ein Drittel der Medizin 
Studierenden investierte mehr als 500 
Euro in die Vorbereitung für das Zulas-
sungsverfahren. In den Fächern Architek-
tur, Biologie, Informatik, Wirtschaft, 
Pharmazie, wo es erst seit 2013 Zugangs-
beschränkungen gibt, konnten vielfach 
mangels Kapazitätsüberschreitung ohne-
hin alle TestteilnehmerInnen aufgenom-
men werden. Trotzdem gibt es auch hier 
kostenpflichtige Vorbereitungskurse.
„Erfreulicherweise wurden bei der 
Novelle des Universitätsgesetzes im ver-
gangenen Oktober Schritte in die richti-
ge Richtung gesetzt“, so Martha Eckl, 
Bildungsexpertin der AK Wien. Erstens 
muss künftig bei Aufnahme- oder Aus-
wahlverfahren seitens der Universitäten 
sichergestellt werden, dass diese zu kei-
nerlei Diskriminierung aufgrund des 
Geschlechts sowie der sozialen Herkunft 
führen. Zweitens: Der Prüfungsstoff 
muss ab dem Wintersemester 2019/20 
auf der Homepage der Universität kos-
tenlos zur Verfügung stehen. „Das späte-
re Inkrafttreten hat urheberrechtliche 
und praktische Gründe. Bis dahin kann 
der Prüfungsstoff auch auf andere geeig-
nete Weise – aber jedenfalls kostenlos – 
bereitgestellt werden.“
Internet:
AK-Studie: Nachhilfe in Wien 2015. 
Studienbericht:
tinyurl.com/q3nxx7u
AK-Studie: Nachhilfe in Österreich.  
Bundesweite Elternbefragung 2014:
tinyurl.com/pnhshay
VHS-Gratislernhilfe:
www.vhs.at/gratislernhilfe 
Datenbank der Bildungsförderung:
www.kursfoerderung.at
Abendgymnasien in Österreich:
www.abendgymnasium.at
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an die Autorin
afadler@aon.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Wenn die Schule die Inhalte nicht vermitteln kann, 
buttern Eltern viel Geld in Nachhilfe. Ganztägige 
Schulen könnten dem entgegenwirken.
        

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