Volltext: Bis der Kopf raucht (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2015 21Schwerpunkt
Die Studien machen auf einen wich-
tigen Aspekt aufmerksam: Bei gefährde-
ten Jugendlichen kann die Beziehung zu 
den Lehrpersonen ausschlaggebend für 
den (Nicht-)Abbruch der Schule sein. 
Folglich ist es wichtig, dass LehrerInnen 
diesbezüglich sensibilisiert und geschult 
werden, um Risiken zu erkennen und 
handeln zu können. In der Praxis bedeu-
tet das, eine gute Beziehung zu den ab-
bruchgefährdeten Jugendlichen zu pfle-
gen und Unterstützungsangebote ver-
fügbar zu haben.
Nicht (nur) eine Frage des Willens
Wie sich abzeichnet, ist die NEET-Situ-
ation kaum eine Frage der individuellen 
Entscheidung. Die Antwort ist vielmehr 
in der Chancenverteilung und im Bil-
dungssystem mit den damit verbundenen 
Möglichkeiten zu suchen. Die Beein-
trächtigung des Einzelnen ist jedoch 
groß, da ein selbstbestimmtes Leben und 
persönliche Entfaltung im NEET-Status 
schwierig ist. Hinzu kommt, dass die 
volkswirtschaftlichen Kosten und nega-
tiven sozialpolitischen Folgen gesamtge-
sellschaftliche Relevanz haben und poli-
tische Strategien erfordern. Die bunt zu-
sammengesetzte NEET-Gruppe benötigt 
ein ebenso vielschichtiges Angebot. Grob 
können die Maßnahmen in Prävention 
und Maßnahmen zur Reintegration am 
Arbeitsmarkt beziehungsweise ins (Aus-)
Bildungssystem unterschieden werden.
Die frühzeitige Prävention ist laut 
ExpertInnen ganz wesentlich. Damit 
soll ein früher Schulabbruch verhindert 
werden, um die Chancen am Arbeits-
markt später zu erhöhen. So wird etwa 
die Etablierung eines Frühwarnsystems 
empfohlen. Dieses zielt darauf ab, auf 
erste Probleme, die sich oft bereits Jahre 
vorher abzeichnen, reagieren zu können. 
Damit könnte den Betroffenen zeitge-
recht Unterstützung angeboten werden 
(z. B. psychologische Unterstützung bei 
Mobbing). 
Jugendcoaching
Prävention kann auch standortbezogen 
erfolgen: Schulen mit schwierigen Aus-
gangsbedingungen könnten gezielt mit 
benötigten Ressourcen unterstützt wer-
den (z. B alternative Lehrpläne bei hohem 
Migrationsanteil). Da sich der Übergang 
zwischen Schule und Beruf häufig schwie-
rig gestaltet, werden vermehrte Berufs-
orientierung und Jugendcoaching vor der 
9. Schulstufe vorgeschlagen. 
Bei der Reintegration von NEET-
Jugendlichen werden insbesondere nie-
derschwellige und bedürfnisgerechte 
Maßnahmen mit einer persönlichen 
und vertrauensvollen Beziehungsarbeit 
angeraten. Diese kann beispielsweise im 
Rahmen von aufsuchender Jugend- und 
Sozialarbeit oder durch Online-Anlauf-
stellen geleistet werden. Österreich hat 
im internationalen Vergleich nicht nur 
niedrige Jugendarbeitslosigkeits-, son-
dern auch eine der niedrigsten NEET-
Zahlen. Da die Potenzialförderung der 
Jugend immer auch eine Investition in 
die Zukunft ist, kann nur für eine weite-
re Absenkung der NEET-Raten plädiert 
werden. Wie Versuche in anderen Län-
dern zeigen, haben die Maßnahmen zu-
dem wünschenswerte Nebeneffekte: So 
konnten in Griechenland mit neuen 
Lernmethoden nicht nur positive Effek-
te gegen frühen Schulabbruch erreicht 
werden, sondern es kam auch allgemein 
zu einer Steigerung der schulischen Leis-
tungen.
 
Internet: 
Online-Anlaufstelle für Jugendliche:
www.unentdeckte-talente.at
AK OÖ und Uni Linz: „Jugendliche weder in Be-
schäftigung, Ausbildung noch in Training: Ein 
Bundesländervergleich in Österreich“ (2015):
tinyurl.com/nmeyl9f
AK und Stadt Wien: „Quo Vadis Bildung? Eine 
qualitative Längsschnittstudie zum Habitus von 
Early School Leavers“ (2014): 
tinyurl.com/o4v4jk3
Sozialpolitische Studienreihe des BMASK:  
„Unterstützung der arbeitsmarktpolitischen 
Zielgruppe ‚NEET‘“ (2014): 
tinyurl.com/qheql4t
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aw@oegb.at
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Für viele SchulabbrecherInnen waren bisherige 
Erfahrungen mit dem System Schule prägend. 
1 Zahlen variieren je nach Erhebungsinstitut und Beobachtungs-
zeitspanne. Die an dieser Stelle genannten Zahlen kommen aus 
dem Forschungsbericht 2015 der AK OÖ. Diese betreffen den For-
schungszeitraum von 2006 bis 2013. Eine umfangreiche Studie 
des Sozialministeriums (Sozialpolitische Studienreihe) zieht ei-
nen Untersuchungszeitraum von 2006–2011 heran: Da ist von 
durchschnittlich 78.000 Jugendlichen bzw. 7,8 Prozent der 16- 
bis 24-jährigen Betroffenen jährlich die Rede. Das IHS spricht 
wiederum von 12 Prozent bzw. 128.000 BildungsabbrecherInnen 
bei den 15- bis 24-jährigen Personen. http://www.parlament.
gv.at/PAKT/PR/JAHR_2015/PK0588/index.shtml
2 Christian wurde im Rahmen der Studie „Quo vadis Bildung?“ 
interviewt.
3 innerhalb des Beobachtungszeitraumes von fünf Quartalen
        

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