Full text: Bis der Kopf raucht (9)

Arbeit&Wirtschaft 9/2015 27Schwerpunkt
Die Wirtschaft und vor allem die ausbil-
denden Betriebe müssen sich daher die 
Frage gefallen lassen, welche Anstren-
gungen sie unternehmen, um die Quali-
tät der Ausbildung zu verbessern. Wer 
übernimmt die Verantwortung für jenes 
Viertel der Lehrlinge, das die Lehrab-
schlussprüfung nicht positiv ablegt oder 
trotz absolvierter Lehrzeit gar nicht erst 
antritt?
Qualität messen, Qualität sichern
Fragt man bei den Lehrlingen selbst nach, 
ergibt sich ein durchwachsenes Bild. 
Geht es nämlich nach den Jugendlichen, 
scheinen wir – trotz des Engagements 
vieler Betriebe – von einer flächendecken-
den Ausbildungsqualität weit entfernt.
Die jüngste Lehrlingsbefragung der 
AK („Was tut sich bei dir im Job?“, 
2014) zeigt: Weniger als die Hälfte der 
Lehrlinge findet, dass die Ausbildung 
„Freude macht und sinnvoll“ ist und 
dass ihre Arbeit „interessant“ ist und 
„Spaß macht“ (44 Prozent). Nicht ein-
mal jede/r zweite Jugendliche hat das 
Gefühl, im Betrieb ernst genommen zu 
werden. Auffallend ist zudem, dass nur 
ein Viertel der Lehrlinge angibt, dass bei 
der Arbeit auf ihre Neigungen und Inte-
ressen eingegangen wird.
Arbeitszufriedenheit ist jedoch ein 
wichtiger Indikator für hohe Arbeits-
motivation. Jugendliche, die sich in ih-
rem Ausbildungsverhältnis wohlfühlen, 
schließen ihre Ausbildung weitaus er-
folgreicher ab und finden sich damit 
auch am Arbeitsmarkt besser zurecht als 
LehrabbrecherInnen – und wenig über-
raschend: sie bringen sich auch weitaus 
engagierter im Betrieb ein als Jugendliche, 
die ihre Lehre unter mangelhaften Rah-
menbedingungen absolvieren müssen.
Besonders effektiv funktioniert die 
intrinsische Motivation, also jene Moti-
vationsform, die ein Individuum aus ei-
ner Tätigkeit selbst ziehen kann. Sie 
kann einerseits dem Lehrling zu mehr 
Ausbildungszufriedenheit verhelfen, an-
dererseits bildet Motivation auch die 
Basis für wichtige Kompetenzen wie 
etwa Kreativität, Einsatzbereitschaft, Ei-
genverantwortung und Zuverlässigkeit. 
Das ist umso wichtiger, als es sich bei 
den meisten Lehrlingen um Jugendliche 
handelt, die im Rahmen der Lehrausbil-
dung nicht nur ihre berufliche Sozialisa-
tion erfahren. Vielmehr erhalten sie auch 
wichtige Impulse für ihre persönliche 
Entwicklung bzw. müssen gerade in der 
Zeit der Ausbildung die unterschied-
lichsten Probleme der Adoleszenz be-
wältigen. 
Motivation steigern
Der Einsatz motivationssteigernder Ins-
trumente in der Lehrlingsausbildung 
kann also maßgeblich dazu beitragen, 
dass Jugendliche ihre menschlichen und 
fachlichen Potenziale optimal entfalten 
können. Motivationsfördernde Aspekte 
sind vor diesem Hintergrund ein Kern-
stück der Ausbildungsqualität.
Als Fazit bleibt einmal mehr der 
Hinweis auf die Notwendigkeit eines 
gesetzlich verankerten Qualitätsma-
nagements in der betrieblichen Ausbil-
dung. Nur eine verlässlich hohe Ausbil-
dungsqualität, die sich nach transpa-
renten und bindenden Qualitätsindika-
toren ausrichtet, kann den Lehrlingen 
optimal jene fachlichen und persönli-
chen Kompetenzen vermitteln, die sie 
erfolgreich durch die Lehrabschluss-
prüfung und in eine qualifizierte Be-
rufstätigkeit führen. 
Jugendarbeitslosigkeit vorbeugen
Ziel muss es daher sein, die Ausbildungs-
qualität messbar zu machen und weiter 
zu steigern, um die Potenziale des hiesi-
gen Ausbildungssystems vor dem Hin-
tergrund demografischer Entwicklun-
gen und zukünftiger Standortsicherung 
bestmöglich zu nutzen.
Jede Anstrengung für ein Berufsaus-
bildungssystem, das möglichst keine/n 
Jugendliche/n zurück lässt, ist letztlich 
weit mehr als eine Maßnahme zur Stabi-
lisierung der Betroffenen. Vielmehr ist es 
Präventivarbeit, um systemischen Prob-
lemen wie der verfestigten Jugendarbeits-
losigkeit und all ihren unerwünschten 
Folgen vorzubeugen.
Blogtipp:   
Maßnahmen für mehr Lehrabschlüsse:  
tinyurl.com/py2jtrz
Erfolgsmodell überbetriebliche Ausbildung:  
tinyurl.com/lpvcc67
Qualitätssicherung in der Lehrausbildung:  
tinyurl.com/nez73ny
Mythos Fachkräftemangel:  
tinyurl.com/na572us
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an die Autorin
lisa.sinowatz@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
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Die Lehre gilt als Erfolgsmodell. Fragt man die 
Lehrlinge selbst, fällt das Urteil eher mäßig aus.
        

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