Full text: Bis(s) zum Lebensabend (4)

23Arbeit&Wirtschaft 4/2016
zeit, allerdings sind die eingezahlten 
Pensionsbeiträge gering – und das wie-
derum wirkt sich negativ auf die spätere 
Pension aus. Aktuell sind 438.654 Men-
schen als arbeitslos oder in Schulung 
beim AMS vorgemerkt. Die hohe Ar-
beitslosigkeit ist eine Folge des geringen 
Wachstums und eines Überangebotes an 
Arbeitskräften. „Wir haben festgestellt, 
dass das Arbeitsvolumen hierzulande 
zwar stabil ist, sich aber auf immer mehr 
Beschäftigte verteilt. Wir brauchen 
mehr Arbeit im Land“, hält AK-Arbeits-
marktexperte Gernot Mitter fest. Um 
den Arbeitsmarkt wieder in Schwung zu 
bringen, fordert er die „Golden Rule“, 
nach der Investitionen in Bildung, sozi-
ale Dienste und Integration aus dem 
Budgetdefizit herausgerechnet werden. 
„So könnten öffentliche Investitionen 
erleichtert werden und neue Arbeits-
plätze entstehen“, erklärt Mitter den 
Hintergrund. 
Zwei Seiten einer Medaille
Arbeitsmarktpolitik ist die eine Seite der 
Pensionsmedaille, die andere lautet Bil-
dung. Wer verhindern will, dass Men-
schen überhaupt erst arbeitslos werden, 
muss in die Bildung investieren. 
So abgedroschen es klingen mag, so 
wahr ist leider immer noch: je niedriger 
die Qualifikation, desto schlechter die 
Chancen am Arbeitsmarkt – und in der 
Folge desto niedrigere Pension. Entspre-
chend spannt sich der Bogen vom Kin-
dergarten bis zum lebenslangen Lernen. 
Wer nämlich schon in jungen Jahren zu 
wenig Bildung genießen konnte, der 
spürt die Folgen sogar noch Jahre später, 
weil er oder sie auch bei Weiterbildungs-
maßnahmen zu kurz kommt. Jugendli-
che ohne abgeschlossene Ausbildung lau-
fen Gefahr, sich später durch immer rarer 
werdende Hilfsarbeiterjobs über Wasser 
halten zu müssen – und kaum Pensions-
ansprüche anzusparen. Im Jahr 2014 
schlossen sieben Prozent der 18- bis 
24-Jährigen weder die Pflichtschule noch 
eine weiterführende Ausbildung ab. 
Um dem entgegenzuwirken, wurde 
die Ausbildungspflicht bis zum 18. Le-
bensjahr beschlossen. Ab Herbst 2016 
müssen Jugendliche nach dem Abschluss 
der Pflichtschule eine weiterführende 
Ausbildung absolvieren. Bildungsexper-
tInnen fordern außerdem, dass Lehre-
rInnen rechtzeitig reagieren, wenn Ju-
gendliche schulmüde werden. In einem 
solchen Fall können sie etwa das Jugend-
coaching kontaktieren. Das Angebot 
richtet sich an SchülerInnen im letzten 
Pflichtschuljahr und zielt darauf ab, de-
ren Stärken und Fähigkeiten festzustel-
len und Perspektiven zu entwickeln. 
MentorInnen zeigen den Jugendlichen 
Alternativen auf beziehungsweise unter-
richten sie im Erstellen von Bewer-
bungsunterlagen.
Doch zunächst gilt es, die Zielgrup-
pe zu erreichen: „Sozialarbeiter müssen 
zu den Jugendlichen kommen, ihr Ver-
trauen gewinnen und ihnen Perspekti-
ven aufzeigen“, sagt Judith Pühringer, 
Geschäftsführerin von arbeit plus, dem 
Bundesdachverband für Soziale Unter-
nehmen. Viele junge Menschen seien 
von der Schule frustriert. Pühringer 
spricht sich für einen weiteren Ausbau 
des „Jugendcoachings“ aus. „Man hält 
die Jugendlichen länger in einem Sys-
tem, kann sie betreuen und Unterstüt-
zung anbieten“, so Pühringer.
Mehr Kinderbetreuungsangebote
Für eine hohe Beschäftigungsquote 
braucht es auch gute Kinderbetreuungs-
einrichtungen. Hier könnte sich Öster-
reich einiges von Skandinavien abschau-
en, findet GPA-djp-Experte Mum. „Die 
nordischen Länder haben schon viel frü-
her begonnen, in solche Angebote mit 
entsprechenden Öffnungszeiten zu inves-
tieren. Man hat dort eine hohe Frauen- 
und Männererwerbsbeteiligung.“ 
„Alles, was die Erwerbsbeteiligung 
erhöht und eine faire Bezahlung sicher-
stellt“ – so fasst David Mum die wich-
tigsten Ziele aus Sicht der Gewerkschaf-
ten zusammen. Man müsse dafür Sorge 
tragen, dass die Menschen gut qualifi-
ziert sind. Auch er fordert Investitionen 
in soziale Dienstleistungen. Damit kön-
nen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe 
geschlagen werden: einerseits eine Erhö-
hung der Beschäftigungsquote, anderer-
seits ein besseres Betreuungsangebot. 
Sein Fazit: „Je mehr Menschen arbeiten, 
desto leichter kann man auch die Pensi-
onen finanzieren.“
 
Bildung und Arbeitsmarkt:
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Eine andere Lohnpolitik, höhere Mindestlöhne, 
öffentliche Investitionen und bildungspolitische 
Maßnahmen: So könnte erreicht werden, dass 
Menschen Pensionen bekommen, von denen sie 
auch leben können.
        

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