Full text: Bis(s) zum Lebensabend (4)

46 Arbeit&Wirtschaft 4/2016
Agenda Austria: Die „Vereinigung für wissen-
schaftlichen Dialog und gesellschaftliche Er-
neuerung“ wurde 2013 gegründet. Mitglieder 
und Financiers der wirtschaftsliberalen Denk-
fabrik sind durchwegs Wirtschaftsunternehmen 
und vermögende Privatpersonen; Geschäfts-
führer: Franz Schellhorn, ehemaliger Leiter der 
Wirtschaftsredaktion der Tageszeitung „Die 
Presse“. (Seite 17)
Allgemeines Sozialversicherungsgesetz 
 (ASVG): Vor 60 Jahren, am 1. Jänner 1956, trat 
das österreichische ASVG in Kraft, nachdem 
1939 das deutsche Sozialversicherungsrecht 
eingeführt worden war. Das ASVG ist das Stamm-
gesetz der Sozialversicherung der unselbst-
ständig Erwerbstätigen in der Zweiten Republik 
und wurde seitdem mehrfach durch Novellen an 
die aktuellen Verhältnisse angepasst. Das ASVG 
baute ursprünglich größtenteils auf bereits Be-
stehendes auf, inhaltlich weitgehend neu waren 
1956 viele Bereiche der Pensionsversicherung, 
wie etwa das System der Leistungsberechnung 
oder die Ausgleichs zulage. (Seite 13)
Blüm, Norbert: ehemaliger deutscher CDU- 
Politiker, geb. 1935; von 1982 bis 1998 Bundes-
minister für Arbeit und Sozialordnung, heute 
ist er hauptsächlich als Autor tätig. Aktuell en-
gagiert sich Blüm besonders für Flüchtlinge. 
(Seite 17)
Bruegel: (auch: BRUEGEL; sprich: brögl): Brus-
sels European and Global Economic Laboratory; 
wirtschaftswissenschaftlicher Thinktank, ge-
gründet 2004 mit dem Ziel, durch unparteii-
sche, auf Fakten basierende und für Entschei-
dungsträger relevante Forschung zur Qualität 
der Wirtschaftspolitik in Europa und der Welt 
beizutragen, sowie als Plattform für den Aus-
tausch von Forschung, Politik und Wirtschaft zu 
dienen. Zu den Mitgliedern zählen VertreterIn-
nen von EU-Mitgliedsstaaten, international 
tätige Konzerne sowie die französische Zentral-
bank, die Europäische Investitionsbank und die 
Europäische Bank für Wiederaufbau und Ent-
wicklung. (Seite 21)
Crouch, Colin: britischer Politikwissenschafter 
und Soziologe, geb. 1944; er wurde international 
bekannt mit seinem Werk Postdemokratie, in 
dem er unter anderem Wahlen mehr als von 
Wirtschaftsbossen mit Unterstützung von PR-
ExpertInnen veranstaltete Shows denn als ech-
te Willenskundgebung der Bevölkerungsmehr-
heit bezeichnete. Aktuelle Werke: Das befremd-
liche Überleben des Neoliberalismus. Postde-
mokratie II, Die bezifferte Welt: Wie die Logik der 
Finanzmärkte das Wissen bedroht. (Postdemo-
kratie III); Jenseits des Neoliberalismus. Ein 
Plädoyer für soziale Gerechtigkeit. (Seite 19)
Einkommensersatzrate: Prozentsatz, mit dem 
das letzte Aktiveinkommen durch eine Pensi-
onsleistung, Arbeitslosengeld u. Ä. ersetzt wird. 
(Seite 29) 
Erhard, Ludwig: deutscher CDU-Politiker 
und Wirtschaftswissenschafter (1897–1977); 
1949–1963 Wirtschaftsminister, er gilt als Va-
ter des deutschen Wirtschaftswunders und der 
Sozialen Marktwirtschaft, 1963–1966 deut-
scher Bundeskanzler. (Seite 18)
Gabriel, Sigmar: deutscher Politiker, geb. 1959; 
seit 2009 SPD-Parteivorsitzender, seit Dezem-
ber 2013 stellvertretender Bundeskanzler und 
Bundesminister für Wirtschaft und Energie. 
(Seite 16)
Golden Rule: Bei der „Goldenen Regel“ handelt 
es sich um einen alten Grundsatz der Ethik: 
„Behandle andere so, wie du von ihnen behan-
delt werden willst.“ Im Bereich der Ökonomie 
bzw. Wirtschaftsethik wurde mit dieser Golden 
Rule Ende des 19. Jahrhunderts argumentiert, 
um die Auswirkungen von Kapitalismus und 
Sozialdarwinismus abzumildern und damit 
auch das Bruttosozialprodukt zu steigern: Fi-
nanzpolitische Regeln sollen sicherstellen, dass 
künftige Generationen nicht die Kosten für heu-
tige Kredite tragen müssen. Konkreter formu-
lierte Gordon Brown, von 1997 bis 2007 Schatz-
kanzler der Regierung Tony Blair, die Goldene 
Regel: Innerhalb eines Konjunkturzyklus (der 
sich über mehrere Jahre erstreckt) sollen Ein-
nahmen und Ausgaben ausgeglichen sein; 
Schulden dürfen ausschließlich für Investitio-
nen in öffentliche Projekte und nicht für laufen-
de Kosten wie etwa Gehälter für Angestellte im 
öffentlichen Dienst gemacht werden. Im deut-
schen Verfassungsrecht schlug sich diese Regel 
bis 2009 im Grundgesetz nieder, die jährliche 
staatliche Neuverschuldung war durch die Höhe 
der öffentlichen Investitionen begrenzt. Mit der 
Einführung der „Schuldenbremse“, mit der die 
Neuverschuldung durch fixe Prozentsätze redu-
ziert werden sollte, wurde diese Regel beendet. 
(Seite 23)
Jugendcoaching: 2013 bundesweit etabliertes 
Unterstützungsangebot für Jugendliche am En-
de der Schulpflicht, um diesen dabei zu helfen, 
einen individuell passenden Bildungs- und Be-
rufsweg einzuschlagen. Besondere Unterstüt-
zung erhalten Jugendliche, die gefährdet sind, 
die Schule abzubrechen oder keinen Abschluss 
zu erlangen. Aber auch Jugendliche mit Be-
hinderung oder sonderpädagogischem Förder-
bedarf können die Leistung in Anspruch neh-
men. (Seite 23)
kooptieren: nachträglich als Mitglied in ein 
Gremium wählen, z. B. nach einem Todesfall. 
(Seite 6)
Neckel, Sighard: deutscher Soziologe an der 
Universität Hamburg, geb. 1956; Schwerpunk-
te: Gesellschaftsanalyse und sozialer Wandel. 
(Seite 19)
Pensionskommission: Im Jahr 2000 gebildetes 
Gremium zur langfristigen Pensionssicherung; 
insgesamt 34 Mitglieder (ParteienvertreterIn-
nen, VertreterInnen von Ministerien, Sozialpart-
nern, PensionistenvertreterInnen, ExpertInnen). 
Die Kommission beschließt den Richtwert für die 
jährliche Pensionsanpassung und hat die Auf-
gabe, jedes Jahr ein Gutachten über die voraus-
sichtliche Gebarung der gesetzlichen Pensions-
versicherung für die kommenden fünf Jahre zu 
erstellen und alle drei Jahre einen Bericht über 
die langfristige Entwicklung und Finanzierbar-
keit der gesetzlichen Pensionsversicherung 
(Langfristgutachten) zu erarbeiten. Nachdem 
eine Reform der Kommission schon länger ge-
plant war und sich die Kommission Ende 2015 
auf keinen endgültigen Pensionsbericht einigen 
konnte, soll die Pensionskommission jetzt neu 
aufgestellt und verschlankt werden. (Seite 6)
Piketty, Thomas: französischer Wirtschafts-
wissenschafter, geb. 1971; 2007 wirtschafts-
politischer Berater der Präsidentschaftskandi-
datin Ségol?ne Royal. International bekannt 
wurde er 2013 durch sein Buch „Das Kapital im 
21. Jahrhundert“, in dem Piketty seine bisheri-
gen his torischen Forschungen zur Einkommens- 
und Vermögensverteilung mit einer Theorie des 
Kapitalismus verknüpft. Er argumentiert, dass 
unregulierter Kapitalismus unweigerlich zu 
steigender Vermögenskonzentration führt. Star-
ke Vermögenskonzentration führe zu einer sta-
gnierenden Wirtschaft und sei eine Bedrohung 
für die Demokratie. Aktuelle Publikation: Die 
Schlacht um den Euro. (Seite 19)
Riester-Rente: staatlich geförderte, freiwillige 
privat finanzierte Zusatzpension in Deutsch-
land; Namensgeber ist Walter Riester, der als 
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung 
(1998–2002) für diese Form der privaten Vor-
sorge plädierte. (Seite 16, 39) 
Man kann nicht alles wissen ...
        

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