14 Arbeit&Wirtschaft 8/2016
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ch muss schlafen. Bitte!“, sagt ein Mann 
in gebrochenem Deutsch und setzt sich 
auf die Schlafcouch im Büro. Mit sei-
nen Händen formt er einen Polster, um 
seinem Wunsch Nachdruck zu verleihen. 
„Das wollen alle anderen hier aber auch“, 
antwortet Veronika Kerres. Sie trägt ihn in 
die Warteliste ein, gibt ihm einen Bon für 
ein warmes Abendessen im Speisesaal der 
VinziRast-Notschlafstelle in Wien Meid-
ling. Viel mehr kann die ehrenamtliche 
Mitarbeiterin für ihn momentan nicht tun. 
Denn der Andrang an diesem September-
abend ist groß.
Warteliste wird länger
Bereits eine halbe Stunde vor Einlass um 
18.30 Uhr stehen rund 25 obdachlose Men-
schen im Foyer des gelb gestrichenen Hau-
ses im 12. Bezirk in Wien. Im Haus gibt es 
bis zu 55 Schlafplätze. Für zwei Euro pro 
Tag können Obdachlose hier 30 Tage über-
nachten „Die Menschen kommen zur Ru-
he, erzählen ihre Sorgen und können nach 
einer neuen Unterkunft suchen“, erklärt 
Kerres. Einige Männer in der Warteschlan-
ge wollen für die Nacht „einchecken“, an-
dere sind wie der Mann aus Afrika das ers-
te Mal hier. Die Warteliste wird länger.  
Menschen wegzuschicken fällt den eh-
renamtlichen MitarbeiterInnen schwer. 
„Das ist für uns alle extrem belastend, vor 
allem im Herbst und Winter“, erklärt die 
Wienerin, die aus dem Wirtschaftsbereich 
kommt. Wer mit obdachlosen Menschen 
arbeiten will, darf keine Berührungsängste 
haben, muss fest im Leben verankert sein 
und ein Gespür dafür haben, was hilfreich 
ist und was nicht. „Es geht nicht um uns 
und unsere Vorstellungen, sondern um 
den anderen und seine Ressourcen.“ Die 
VinziRast arbeitet zum überwiegenden 
Teil mit ehrenamtlichen MitarbeiterIn-
nen. Kerres ist bereits seit einigen Jahren 
dabei. Am Anfang der Nachtdienste wur-
de sie oft krank. Sie musste lernen sich 
abzugrenzen, die Probleme der KlientIn-
nen nicht mit nach Hause zu nehmen und 
Zeit für sich zu finden. „Ich möchte zwar 
weiterhin emotional berührt sein, aber 
nicht um den Preis meiner Gesundheit.“ 
Es gab Freiwillige, die aufhörten, weil sie 
den Spagat nicht geschafft haben. 
Durchschnittsalter 21 Jahre
Das Team ist bunt gemischt, hier arbeiten 
Krankenschwestern, SozialarbeiterInnen, 
PharmazeutInnen oder UnternehmerIn-
nen. Man unterstützt sich gegenseitig. Zu-
dem gibt es regelmäßig Supervisionen. In 
Wien gab es im Winter 2015 rund 900 
Schlafplätze für akut obdachlose Men-
schen. Während der anderen Jahreszeiten 
sind es 300. Doch die Zahl der Menschen, 
Die Arbeit mit Obdachlosen und Drogenabhängigen ist oft anstrengend.  
Um die Belastungen gut verdauen zu können, braucht es viel Durchhaltevermögen.
Abgrenzung mit Einfühlungsvermögen
Sandra Knopp und Udo Seehofer
Freie JournalistInnen
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Veronika Kerres arbeitet ehrenamtlich 
in der Notschlafstelle VinziRast. Die 
Plätze sind begrenzt, immer wieder 
müssen deshalb Menschen abgewiesen 
werden – eine Belastung auch für die 
dortigen MitarbeiterInnen.
        

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