Gehaltsbedingungen hervor, die durch die neue 
gemeinsame Interessenvertretung ein Ende 
 haben sollten:
Der Organisationsgedanke, als der einzi-
ge und wahre Retter des Arbeiterstandes 
aus der ihn heute so vielfach umgebenden 
Not und Bedrückung, greift immer mäch-
tiger um sich. … Nach den Hausarbeitern 
und -Arbeiterinnen der Wiener Spitäler 
kommen nunmehr auch die Pflegerinnen, 
um sich eine Organisation zu errichten, 
die ihnen ein Hort, eine Zuflucht wäre. 
Denn es ist um den Beruf dieser Samari-
terinnen lange nicht so gesorgt … wie man 
es eigentlich bei dieser aufopferungsvollen 
Beschäftigung voraussetzen sollte. Die Ge-
duld der Pflegerinnen ist zwar eine große, 
sie kann jedoch beim besten Willen nicht 
so groß sein, dass sie in ihrer gegenwärti-
Es waren Rotkreuzfahrer und ehemalige Kut-
scher unter den Spitalsbediensteten, die zuerst 
unter dem Pflegepersonal für den gewerkschaft-
lichen Zusammenschluss warben. 1910 bildete 
sich deshalb die erste Organisation im Rahmen 
der freien Gewerkschaft der Handels-, Trans-
port- und Verkehrsarbeiter (HTV), der vor allem 
Pflegerinnen des Allgemeinen Krankenhauses 
in Wien und Pfleger der böhmischen „Irrenan-
stalten“ angehörten. 
Auch Anton Falle, der Obmann der neuen HTV-
Sektion, hatte als Kutscher einer Bäckerei ge-
arbeitet, bevor er eine Stelle als Pfleger in der 
„Irrenanstalt“ in Klagenfurt fand. Mit der Ar-
beiterInnenbewegung und der Gewerkschaft war 
er durch bereits organisierte Bäckergesellen in 
Berührung gekommen. Sie hatten ihn eingela-
den, an ihren Diskussionen teilzunehmen, er 
hatte sich ihnen angeschlossen und schon als 
Brotausführer für die Gewerkschaftsmitglied-
schaft geworben. Wegen seiner gewerkschaft-
lichen Tätigkeit war er häufig Schikanen durch 
die Anstaltsverwaltung ausgesetzt und entging 
der Entlassung nur durch die Einberufung zum 
(mehrjährigen) Militärdienst. Danach ging er 
ganz in die Politik und wurde nach 1918 einer 
der profiliertesten Nationalratsabgeordneten 
der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Er 
starb 1945 als Opfer des nationalsozialistischen 
Terrors im Konzentrationslager Dachau.
Doch zurück zu den Anfängen der gewerkschaft-
lichen Organisation des Pflegepersonals in der 
HTV-Gewerkschaft. In den Krankenhäusern wa-
ren damals neben männlichen Pflegern schon 
in erster Linie Krankenschwestern im Einsatz. 
Das HTV-Fachblatt hob aus Anlass der Sek-
tionsgründung ihre bedrückenden Arbeits- und 
Zur Organisation mit einem PS
Kutscher waren die ersten Pioniere, die die Gewerkschaftsidee  
zum Pflegepersonal brachten.
gen Lage die Hände in den Schoß legen 
und ruhig zusehen könnten, wie sich ihre 
Verhältnisse immer mehr verschlimmern.
Der Erste Weltkrieg brachte für die „Bedienste-
ten in Kranken-, Heil-, Pflege- und Siechenan-
stalten“ zusätzliche körperliche und seelische 
Belastungen. Die Gewerkschaft forderte 1917 
für die Krankenschwestern neben zumutbaren 
Arbeitszeiten auch endlich die vollständige Be-
seitigung des noch immer bestehenden Ehever-
bots. Zu Beginn der demokratischen Republik 
entstand dann auch ein christlicher „Verband 
der Krankenpfleger“, während sich parallel 
dazu jetzt eine eigne freie Gewerkschaft des 
Krankenpflegepersonals bildete.
Ausgewählt und kommentiert 
von Brigitte Pellar 
brigitte.pellar@aon.at
4 Arbeit&Wirtschaft 8/2016
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Obwohl es schon Autos gab, setzte das Rote Kreuz, wie hier in der oberösterreichischen 
 Bezirksstadt Eferding, noch bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs Pferdekutschen als 
 Krankenwagen ein und auch die Lebensmittel für die Anstaltsküchen kamen mit ein oder 
zwei PS. Die Kutscher, die viel herumkamen, waren wichtige Kommunikatoren.
        

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