Full text: Gemeinsam stärker (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/201612 Schwerpunkt
W
ir müssen werben“, „Mitglie-
derwerbung, Mitgliederwer-
bung, Mitgliederwerbung“, 
„Wer nicht wirbt, der stirbt“, 
„Mitgliederwerbung ist eine Kernaufgabe 
der Gewerkschaft“: Wer kennt sie nicht, 
diese wunderbaren Stehsätze, die zwar 
laut gesprochen, bestimmt formuliert, 
aber allzu oft ganz und gar kraft- und 
saftlos rüberkommen. Wir wissen, dass 
diese Sätze natürlich inhaltlich richtig 
sind. Aber genauso wissen wir, dass es 
leichter gesagt als getan ist. 
Selbstbewusst
Wenn wir für die österreichische Gewerk-
schaftsbewegung werben, können wir 
das selbstbewusst angehen. Aus vielen 
Untersuchungen und Studien wissen 
wir, dass nur ein ganz kleiner Teil der 
 ArbeitnehmerInnen die Gewerkschaf- 
ten grundsätzlich infrage stellt oder gar 
ablehnt. 
Der größte Teil der Noch-Nicht-
Mitglieder lehnt sie nicht ab, sondern 
hat andere Gründe, noch nicht beigetre-
ten zu sein. Es wäre allerdings ein Trug-
schluss, dass eine positive Einschätzung 
der Gewerkschaft auch automatisch zur 
Mitgliedschaft führt. Wir kennen ja den 
Unterschied zwischen „theoretischer 
Einsicht“ und „praktischer Handlung“. 
Es gibt Hunderttausende, die uns 
grundsätzlich positiv gegenüberstehen, 
aber den konkreten Schritt, die Mit-
gliedsanmeldung zu unterschreiben, 
noch nicht getan haben. Diese Lücke ist 
unser Potenzial. Das IFES-Institut hat 
in einer Untersuchung Noch-Nicht-
Mitglieder gefragt, für wie wichtig sie 
starke Gewerkschaft halten. 35 Prozent 
der Noch-Nicht-Mitglieder sagen, dass 
sie Gewerkschaft für sehr wichtig hal-
ten. 34 Prozent halten uns für eher 
wichtig. In Summe halten also rund 
70 Prozent der Noch-Nicht-Mitglieder 
die Gewerkschaften für wichtig. Einer 
der am häufigsten genannten Gründe, 
warum jemand noch nicht Mitglied ist, 
ist schlichtweg der, noch nie auf eine 
Mitgliedschaft angesprochen worden zu 
sein. 
Wir sprechen absichtlich nicht vom 
Nicht-Mitglied (derzeitiger Zustand), 
sondern vom Noch-Nicht-Mitglied, 
also dem Zustand, in dem sich die Per-
son vor unserem erfolgreichen Mitglie-
derwerbegespräch befindet. 
Dialog statt Monolog 
Wenn unsere GesprächspartnerInnen re-
den, haben wir genug Zeit zum Führen 
– und zwar zum Führen durch Fragen. 
Nur dann erkennen wir, was unseren Ge-
sprächspartnerInnen wichtig ist. Dieje-
nigen, die reden, reden und reden, die 
GesprächspartnerInnen nicht zu Wort 
kommen lassen und am Ende eine Un-
terschrift durch rhetorischen Druck er-
reichen, haben zwar am Ende vielleicht 
eine Mitgliedsanmeldung in der Hand, 
werden aber wohl ein Leben lang auf die 
Einzahlung des ersten Mitgliedsbeitrages 
warten. 
Wollen wir überzeugte Mitglieder 
oder bloß jemandem eine Mitglied-
schaft aufs Auge drücken? Die Antwort 
ist klar: Wir brauchen nicht nur Mit-
glieder, sondern MitstreiterInnen! In der 
Vergangenheit waren die besten Werbe-
rInnen jene mit den besten Antworten. 
In Zukunft sind die besten WerberIn-
nen die mit den besten Fragen!
Warum-Frage
Im politischen Kontext ermuntern wir 
BetriebsrätInnen, Jugendvertrauensrä-
tInnen und PeronalvertreterInnen, ande-
ren politisch engagierten Menschen im-
mer wieder die Frage nach dem Warum 
zu stellen. 
Wer sich in einer politischen Debat-
te nie die Frage nach dem Warum stellt, 
wird nun an der Oberfläche dahin argu-
mentieren und auch dahin agieren. Wa-
rum ist eine Situation, wie sie ist? Wer 
profitiert davon, dass sie so ist? Warum 
hat der Profiteur wenig Interesse, die Si-
tuation zu verändern? Und, und, und 
… All diese Fragen spielen in unserer 
politischen Arbeit eine ganz wichtige 
Rolle. 
Wer allerdings die Frage nach dem 
Warum stellt, kommt auf den Grund 
Erfolgreich werben
Die Chancen für ein erfolgreiches Mitgliederwerbegespräch stehen sehr gut: Rund  
70 Prozent der Noch-Nicht-Mitglieder halten Gewerkschaften für wichtig.
Willi Mernyi
Kampagnenkoordinator Werbekampagne B U C H T I P P
Roman Hebenstreit, 
Willi Mernyi:
Das erfolgreiche 
 Mitgliederwerbegespräch
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Roman Hebenstreit, Willi Mernyi
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