Full text: Gemeinsam stärker (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/201614 Schwerpunkt
M
it dem Chef hitzige Debatten 
führen, ein offenes Ohr für die 
Probleme der MitarbeiterInnen 
haben, sich um die korrekte Ein-
stufung und neue Stühle für die Kolle-
gInnen kümmern – das sind nur einige 
Aufgaben, die den Arbeitsalltag einer Be-
triebsrätin oder eines Betriebsrates kenn-
zeichnen. Für viele österreichische Arbeit-
nehmerInnen sind sie so selbstverständ-
lich wie die Betriebskantine. Bei Unklar-
heiten werden einfach BetriebsrätInnen 
um Rat und Hilfe gefragt. Selbstverständ-
lich ist auch, dass sie bei gröberen Ausei-
nandersetzungen, aber auch bei dro-
henden Betriebsschließungen an vor-
derster Front stehen und die KollegInnen 
bei Protesten und Demonstrationen an-
führen. Genau das tat auch Snjezana Bra-
jinovic, Betriebsratsvorsitzende der mitt-
lerweile insolventen Supermarktkette 
Zielpunkt. 
Kampf für KollegInnen
Im Dezember vergangenen Jahres mel-
dete Zielpunkt Insolvenz an, und das 
verfrühte „Weihnachtsgeschenk“ – kein 
Gehalt, kein Weihnachtsgeld – scho-
ckierte nicht nur die betroffenen Mit-
arbeiterInnen, sondern stieß auch auf 
große Empörung in der Bevölkerung. 
Brajinovic kümmerte sich um ihre Kol-
legInnen, kämpfte um ihre Ansprüche 
und ließ kein gutes Haar an der Ge-
schäftsführung und Zielpunkt-Eigen-
tümer Pfeiffer. Zumindest gab es eine 
gute Nachricht für die Zielpunkt-Be-
schäftigten: Der Insolvenz-Entgeltfonds 
konnte bis Weihnachten die offenen 
 November-Gehälter sowie das Weih-
nachtsgeld auszahlen. Der ÖGB und die 
Arbeiterkammer brachten Forderungen 
in der Höhe von 5,4 Millionen Euro für 
die Betroffenen ein, der Masseverwalter 
 hatte alle Ansprüche anerkannt. Ebenso 
bekamen Zielpunkt-Lehrlinge die Zu-
sage, dass sie ihre Ausbildung bei einer 
der anderen Supermarktketten Öster-
reichs fortsetzen können. 
Gemeinsam mehr erreichen
Wie man an der Zielpunkt-Pleite sieht, 
kann ein Betriebsrat die Situation der Be-
schäftigten eines Betriebes verbessern 
oder so gut wie möglich erleichtern. 
Trotzdem gibt es immer wieder Stimmen, 
die behaupten, BetriebsrätInnen seien 
unnötig, sie würden doch nur mit dem 
Chef herumsitzen und viel zu viel Kaffee 
trinken. 
Es gibt auch diejenigen, die meinen, 
sie bräuchten keinen Betriebsrat, weil sie 
alles allein regeln können. So ähnlich 
dachte auch viele Jahre Michael Schna-
bel, seit 1981 bei Siemens beschäftigt. 
„Ich bin doch nicht auf den Mund gefal-
len. Ich brauche niemanden, der mich 
unterstützt“, schildert er seine frühere 
Einstellung. Mittlerweile ist Schnabel 
seit rund 15 Jahren selbst Betriebsrat 
und im Einsatz für seine KollegInnen – 
vor allem für die jüngsten unter ihnen. 
„Ich wurde immer wieder um Hilfe ge-
beten, und so kam es einige Zeit später, 
dass ich in diese Funktion hineinstol-
perte“, so der 50-jährige Elektroenergie-
techniker. Siemens bildet österreichweit 
rund 400 Lehrlinge aus, davon rund 
180 Lehrlinge in Wien, die Schnabel ge-
meinsam mit dem Jugendvertrauensrat-
Team betreut. Sie vermitteln zwischen 
Lehrlingen, wenn es zu Schwierigkeiten 
und Auseinandersetzungen kommt, un-
terstützen sie bei arbeitsrechtlichen, 
lerntechnischen, aber auch privaten Pro-
blemen. „Wenn es Schwierigkeiten in 
der Ausbildung, bei der Matura oder 
auch in der Berufsschule gibt, versuchen 
wir, eine akzeptable Lösung für alle Be-
troffenen zu finden“, berichtet der Lehr-
lingsbetreuer. Besonders wichtig ist für 
ihn, dass junge ArbeitnehmerInnen 
kurz vor der FacharbeiterInnen-Prüfung 
diverse Dienststellen durchlaufen und 
in den Lehrwerkstätten gut vorbereitet 
werden. „Es ist nicht immer einfach, alle 
Aufgaben zu erfüllen. Manchmal ist es 
echt ein hartes Brot, aber gemeinsam 
schaffen wir es immer“, betont Schnabel 
die gute Zusammenarbeit mit seinen 
jungen KollegInnen.   
Keine billige Arbeitskraft
Dass es Lehrlingen im Betrieb gut geht 
und sie eine ordentliche Ausbildung be-
kommen, das liegt auch Berend Tusch am 
Herzen. „Beginnend mit dem ersten Tag 
in der Arbeitswelt stehe ich diesen als 
Support zur Verfügung“, sagt der Be-
triebsratsvorsitzende der Austria Trend 
Hotels. Oft werden Jugendliche als un-
fähig oder nicht engagiert bezeichnet. 
Tusch versucht die Lehrlinge zu coachen, 
aber auch mit dem Management Maß-
nahmen zu setzen, damit Strukturen ge-
schaffen werden, um Lehrlingen das Be-
rufsbild als Ganzes zu vermitteln. 
Gemeinsam anpacken
Der Arbeitsalltag ist nicht immer einfach, häufig treten diverse Probleme auf.  
Mit einem Betriebsrat im Rücken erreicht man viel mehr als allein.
Amela Muratovic
ÖGB Kommunikation
        

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