Full text: Gemeinsam stärker (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/201644 Frisch gebloggt
Der A&W-Blog ergänzt die Printausgabe 
als digitales Debattenforum. Frisch ge-
bloggt gibt einen Einblick, was in letzter 
Zeit online los war. In voller Länge finden 
Sie diese sowie jede Menge anderer aktu-
eller Debattenbeitrage zum Nachlesen auf 
blog.arbeit-wirtschaft.at. 
WEBTIPPS DER WOCHE
Wir legen euch diese drei Beiträge beson-
ders ans Herz: 
 » Steuertricks von Konzernen: OECD 
hält an irreparablem Steuersystem fest 
(Martina Neuwirth & David Walch)
 » Abbau des Kündigungsschutzes in 
 Europa: Politischer Konsens auf schwa - 
chem Fundament (Daniel Unterweger) 
 » Geschlechterungleichheit bei der 
Verteilung der Arbeitszeit in Österreich 
(Judith Derndorfer)
LÜCKEN UND TRICKSEN  
Das Bild ging um die virtuelle Welt: 12,5 
gegen 1.000 Milliarden Euro. Es war die 
Gegenüberstellung der jährlichen Kosten 
für die Versorgung einer Million Flücht-
linge und jenen der Steuerflucht von 
Konzernen und Vermögenden. Neu-
wirth und Walch sehen es daher als drin-
gend notwendig, endlich zu verhindern, 
dass sich ausgerechnet die Vermögends-
ten vor ihrem Beitrag zum Gemeinwohl 
davonstehlen. Allein bei den Steuertricks 
von multinationalen Konzernen schätzt 
die OECD den Verlust auf 100 bis 240 
Milliarden US-Dollar – pro Jahr. Die 
Rechnung dafür bezahlt die breite Bevöl-
kerung mit höheren Steuern auf Arbeit 
und Konsum. Aber auch kleine und mitt-
lere Unternehmen werden benachteiligt. 
Nun hat die OECD im Auftrag der G20 
– nach Jahren völliger Ignoranz gegen-
über den Forderungen der Zivilgesell-
schaft – vor zwei Jahren einen Prozess 
gestartet, mit dem man den Steuertricks 
von Konzernen Einhalt gebieten will. 
Die Ergebnisse wurden Anfang Oktober 
präsentiert und von den G20 beschlos-
sen. Auch wenn es dabei Fortschritte 
gibt: Es bleiben noch immer wesentliche 
Lücken bestehen. Die einzig sinnvolle 
Lösung wäre eine Gesamtbesteuerung 
für Konzerne, bei der sie als globale Ein-
heit behandelt werden. Das Tricksen der 
Konzerne hätte dann ein Ende. 
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/jppdfso  
EIN BISSCHEN WENIGER VON ALLEM  
Ein starker Kündigungsschutz wurde in 
den letzten Jahren oft als schädlich ge-
genüber Beschäftigung und wirtschaft-
lichem Wachstum dargestellt. Während 
der Wirtschaftskrise wurde die Aufwei-
chung bestehender Regelungen daher als 
Teil der Strukturreformen in Gegenleis-
tung für Finanzhilfen der Europäischen 
Institutionen verlangt (z. B. in Griechen-
land oder Portugal). Zudem gibt es all-
gemein einen europäischen Trend zu ei-
ner Schwächung des Kündigungsschut-
zes. Die wissenschaftlichen Grundlagen 
dafür sind allerdings sehr wackelig, wie 
Unterweger in seinem Beitrag darstellt. 
Neuere Forschungsergebnisse zeigen 
nämlich eindeutig, dass ein aufgeweich-
ter Kündigungsschutz keine positiven 
Effekte auf die Beschäftigung hat. Im 
Gegenteil: In den meisten Ländern nahm 
die Arbeitslosigkeit für Problemgruppen 
weiter zu. Österreich zählt zu den Län-
dern mit einem ohnehin wenig ausge-
prägten Kündigungsschutz – Verschlech-
terungen könnten hier besonders nega-
tive Auswirkungen haben. 
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/h4nlmka  
ARBEIT, NICHT BEZAHLT 
In Österreich sind die klassischen Ge-
schlechterrollen noch immer weit ver-
breitet. Besonders deutlich wird das bei 
der Verteilung der Arbeitszeit, wie der 
Artikel von Derndorfer zeigt. Während 
2014 laut Statistik Austria 60,5 Prozent 
des gesamten Volumens bezahlter Er-
werbsarbeit von Männern geleistet wur-
de, belief sich der von Frauen geleistete 
Anteil auf 39,5 Prozent. Bei der unbe-
zahlten Arbeit war das Verhältnis genau 
umgekehrt. Besonders stark wirken sich 
Kinder auf die Arbeitsverteilung aus. So 
waren 2014 67,2 Prozent der Frauen 
mit Kindern erwerbstätig, bei Frauen 
ohne Kinder waren es mit 84,7 Prozent 
deutlich mehr. Bei Männern lässt sich 
der umgekehrte Trend feststellen: Mit 
Kindern sind mehr Männer erwerbs- 
tätig (92,6 Prozent) als ohne Kinder 
(83,6 Prozent). Diese ungleiche Arbeits-
teilung wird durch die Familienpolitik 
unterstützt. 
Lesen Sie mehr: tinyurl.com/zzmxvp3 
Und noch zwei Tipps: Die weitere Libe-
ralisierung der Kapitalmärkte ist genau 
die falsche Richtung, wie Stockhammer 
und Reissl analysieren. Sie fordern, dass 
endlich eine Bankenreform angegangen 
wird, die das „Too big to fail“ wirksam 
bekämpft (tinyurl.com/hjz3knh). Und wer 
lieber schauen als lesen mag, für den/ 
die erklärt FORBA-Expertin Annika 
Schönauer in einem Video-Blog, vor 
welchen Herausforderungen die Arbeits-
welt aufgrund des digitalen Wandels 
steht (tinyurl.com/gsxlxb9). 
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