Full text: Gemeinsam stärker (1)

Arbeit&Wirtschaft 1/2016 7Aus AK und Gewerkschaften
VÖGB:
Podiumsdiskussion: Flüchtling sein in Österreich
Wie sieht die derzeitige Flüchtlingssituation in Österreich aus und wie kann Integration gelingen? Diese und 
ähnliche Fragen wurden bei der Veranstaltung des VÖGB erörtert. 
Es sind traurige Bilder, die prägen: junge 
Frauen und Männer, Alte, Kinder und Ver-
letzte auf Landstraßen und Autobahnen. 
Sie sind aus ihrer Heimat geflohen, weil 
sie um ihr Leben fürchten. „Laut Schät-
zungen der UNHCR und der IOM sind 
2015 insgesamt eine Million Menschen 
nach  Europa gekommen“, so Lukas Neißl, 
Generalsekretär der International Confe-
rence of Labour and Social History, bei der 
Podiumsdiskussion „Flüchtling sein in Ös-
terreich. Herausforderungen heute und 
morgen“ – viele von ihnen auch nach Ös-
terreich. Erich Weisz, Vizebürgermeister 
von Nickelsdorf und ÖBB-Betriebsrat, 
weiß, dass große Flüchtlingsströme auch 
große Herausforderungen sind: „In kür-
zester Zeit kamen Tausende Flüchtlinge, 
die versorgt werden mussten.“ Die Versor-
gung funktionierte aus seiner Sicht gut, 
weil offen kommuniziert wurde, viele 
 Engagierte mithalfen, die Infrastruktur 
 bereits vorhanden war, aber auch „weil  alle 
gehandelt haben, als es notwendig war, 
und nicht erst um Erlaubnis gefragt ha-
ben“. Bei der Veranstaltung wurde auch 
versucht, zu erörtern, wie Integration 
 konkret mitgestaltet werden kann.
„Es gibt kein Geheimrezept für gelun-
gene Integration. Aus eigener Erfahrung 
weiß ich, dass es wichtig ist, die Sprache 
zu erlernen, aber auch als Mensch und 
nicht als Flüchtling angesehen zu werden. 
Jeder sollte die Chance bekommen, zu 
zeigen, wer und was er ist“, so Amela Mu-
ratovic, die 1992 aus Bosnien nach Wien 
flüchtete. „In Kriegsgebieten passieren 
schreckliche Dinge, die Flucht ist nicht 
einfach. Menschen verlassen ihre Famili-
en, ohne zu wissen, ob sie sie jemals wie-
dersehen, und fangen in einem fremden 
Land bei null an.“ Erich Fenninger, 
Volkshilfe-Geschäftsführer, verwies in 
diesem Zusammenhang darauf, dass 
nicht die flüchtenden Menschen das Pro-
blem sind, sondern die steigende Kluft 
zwischen Arm und Reich: „Es ist ein 
Glück, in Österreich geboren zu sein, 
wo kein Krieg oder extreme Armut 
herrscht. Menschenrechte sind universell 
und unteilbar. Wir dürfen nicht zulas - 
sen, dass Benachteiligte gegeneinander 
ausgespielt werden, konkret Arbeitslose 
gegen AsylwerberInnen.“ Er schlägt finan - 
zierte Deutschkurse und die Schaffung 
eines zweiten bzw. dritten Arbeitsmarktes 
vor. Es gäbe viele Plätze, wo Arbeitskräfte 
gebraucht werden. 
Infos unter: 
www.facebook.com/voegb
„Käthe Leichter. Eine Frau wie diese“ 
Filmtipp: Dokumentation über die Ikone der Frauenbewegung am 8. März. 
Als Ikone der Frauenbewegung wurde Käthe Leichter nach ihrem gewaltsamen Tod als 
Antifaschistin und Opfer der Nationalsozialisten geehrt und gewürdigt. Dennoch ist sie heute 
nur wenigen ein Begriff. In den Büchern und Reden bleibt ihr Bild  merkwürdig blass. Das 
erstaunt umso mehr, als Leichter sowohl als Politikerin wie als Wissenschafterin eine große 
Pionierin war und beide Passionen vereinen konnte. 
Käthe Leichter war die erste Sozialwissenschafterin weltweit, die bereits in den 1920er-Jahren 
 anhand geführter Interviews und Umfragen sowie statistischer Auswertungen über das Leben 
arbeitender Frauen die moderne Frauenbewegung begründet hat. Und nicht nur das: Sie hat  
sie entlang von modernen Bildstatistiken veröffentlicht und 1930 den ersten Film über das 
Alltagsleben von arbeitenden Frauen initiiert. 
Käthe Leichter war bereits als Studentin in Wien und Heidelberg und später  
als Sozialwissenschafterin und Frauenpolitikerin hoch aktiv: Sie war Teil  
des reformerischen Wiens der Zwanzigerjahre. Leichter war ihrer Zeit voraus:  
eine Intellektuelle, die eine ebenso passionierte Politikerin war.
Dienstag, 8. März, um 22.35 Uhr auf ORF 2
TV-Dokumentarfilm, 52 Minuten. Regie: Helene Maimann
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.