34 Arbeit&Wirtschaft 2/2017
S
ozialleistungen werden regelmäßig 
angepasst, ausgeweitet und manch­
mal leider auch gekürzt. Aber wie 
sie finanziert werden – daran hat 
sich im Laufe der Jahrzehnte im Prinzip 
nichts geändert. Entweder zahlen Arbeit­
nehmerInnen selbst ein, zum Beispiel ei­
nen Prozentsatz ihres Einkommens in die 
Sozialversicherung. 
Oder die Finanzierung läuft über 
die Arbeitgeber. Ihre Beiträge, zum Bei ­ 
spiel für den Familienlastenausgleichs-
fonds (FLAF), sind ebenfalls abhängig 
von der Höhe der Löhne/Gehälter der 
bei ihnen beschäftigten ArbeiterInnen 
und Angestellten. Daneben werden 
auch Steuern zur Finanzierung der Sozi­
alleistungen verwendet – der größte Teil 
davon wird von den arbeitenden Men­
schen bezahlt, vor allem in Form von 
Lohnsteuer und Mehrwertsteuer.
Lohnquote geht zurück
Dieser Weg der Finanzierung hat sich 
lange Zeit bewährt, doch seit Mitte der 
1990er­Jahre ist die Lohnquote von über 
74 Prozent auf unter 70 Prozent gesun­
ken, mit zwischenzeitlichen Tiefstwerten 
von nur mehr knapp über 64 Prozent. 
Der Anteil der arbeitenden Men­
schen am Volkseinkommen geht zu­
rück, gleichzeitig wird die Gesellschaft 
immer reicher. Es wäre also nur gerecht, 
wenn diejenigen mehr beitragen müss­
ten, die vom gestiegenen Reichtum pro­
fitieren. Das ist derzeit nicht der Fall. 
Die Abgabenbelastung des Faktors Ar­
beit beträgt 43 Prozent, beim Kapital 
sind es hingegen gerade einmal 29 Pro­
zent (2014). Kurz gesagt: Die Absiche­
rung von Risiken wie Arbeitslosigkeit, 
Alter, Krankheit und Unfällen wird von 
einem immer weiter schrumpfenden 
Anteil des Volkseinkommens finanziert.
Nun muss eine Gewerkschaft daran 
arbeiten, diesem Trend entgegenzuwir­
ken, etwa durch die Forderung nach re­
gelmäßigen Lohn­/Gehaltserhöhungen, 
höheren Mindestlöhnen in den Kollek­
tivverträgen, mehr (Vollzeit­)Arbeits­
plätzen oder gerechter und höherer Be­
steuerung von Gewinnen und großen 
Vermögen. Parallel dazu wird schon seit 
den 1970er­Jahren darüber diskutiert, 
mehr als nur die Löhne als Grundlage 
zur Finanzierung der sozialen Absiche­
rung heranzuziehen. 
Deshalb wäre die Einführung einer 
Wertschöpfungsabgabe ein sinnvolles 
Georg Kovarik
ÖGB-Referat für Volkswirtschaft
Florian Kräftner
ÖGB Kommunikation
Lohnnebenkosten sozial senken
Die Wertschöpfungsabgabe macht Arbeit billiger, ohne dem Sozialstaat Geld  
zu entziehen, und hilft, die Sozialausgaben gerechter zu finanzieren.
©
 Ö
GB
-V
er
la
g/
M
ic
ha
el
 M
az
oh
l
Wenn Maschinen die Menschen von ihren 
 Arbeitsplätzen verdrängen, ist es nur gerecht, 
dass kapitalintensive Betriebe höhere Sozial-
beiträge bezahlen. Von daher ist die Wert-
schöpfungsabgabe, auch als Maschinensteuer 
bekannt, ein Beitrag zu mehr Gerechtigkeit.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.