26 Arbeit&Wirtschaft 5/2017
Z um Leben in der Großstadt gehört die Anonymität, viele StädterInnen genießen denn auch genau diesen Aspekt. Der große Nachteil, wenn 
man niemanden aus der Nachbarschaft 
kennt: Zum Blumengießen im Urlaub 
kann man nicht einfach nebenan fragen, 
genauso wenig, wenn man einfach kurz 
eine Bohrmaschine braucht oder etwas 
beim Einkaufen vergessen hat. Viele Stadt-
bewohnerInnen wiederum würden sich 
sehr wohl mehr Dorf-Feeling wünschen. 
Die Online-Plattform FragNebenan will 
genau eine solche Vernetzung zwischen 
NachbarInnen fördern. 
Stark gewachsen
Das Unternehmen besteht aktuell aus 13 
MitarbeiterInnen und hat nach eigenen 
Angaben mehr als 50.000 NachbarInnen 
in Österreich zusammengebracht. In letz-
ter Zeit ist das Start-up stark gewachsen, 
nicht zuletzt dank der im November ab-
geschlossenen Finanzierungsrunde: Eine 
Gruppe von Investoren von AC & Friends, 
welche schon vor zwei Jahren bei FragNe-
benan eingestiegen ist, hat erneut in das 
Start-up investiert, der Versicherungskon-
zern UNIQA kam als Investor dazu. Ins-
gesamt sammelte das Start-up laut Ge-
schäftsführer Stefan Theißbacher in dieser 
Finanzierungsrunde 750.000 Euro ein. 
Jetzt gehören den vier Gründern 70 Pro-
zent ihres Start-ups.
Thomas Polak ist Chief Innovation 
Officer der UNIQA und hält für die Ver-
sicherung Ausschau nach interessanten 
Start-ups. Bei der Auswahl der Start-ups, 
denen die UNIQA Anteile abkauft, geht 
der Konzern so vor: Der Markt wird auf-
merksam beobachtet und es wird insbe-
sondere nach Start-ups in vorher definier-
ten „Themenblöcken“ gesucht. Dazu ge-
hören bei der UNIQA etwa Gesundheit, 
Protect & Care, Fintechs oder Global 
Environment. Wird ein Start-up als inte-
ressant erachtet, geht die UNIQA auf 
dieses zu. Dann beginnt das Kennenler-
nen und bei beiderseitigem Interesse das 
Verhandeln über Investitionssummen 
und Unternehmensanteile.
Aus Sicht der UNIQA gehört Frag-
Nebenan ins Cluster „Global Reach“. 
Dabei handelt es sich um Plattformen, 
auf denen sich eine bestimmte Gruppe 
von Menschen bewegt. „Man erreicht 
eine Community mit einem ähnlichen 
Mindset auf dieser Plattform“, erläutert 
Polak. Geschäftsführer Theißbacher sieht 
Parallelen zwischen FragNebenan und 
Versicherungen: Versicherungen seien 
entstanden, weil sich Menschen zusam-
mengetan haben, die sich gemeinsam ge-
gen Risiken absichern wollten – und auch 
sein Start-up bringe Menschen zusam-
men, die einander helfen. 
Finanz- und strategischer Investor
Die UNIQA agiert für FragNebenan laut 
Theißbacher als „eine Mischung aus Fi-
nanz- und strategischem Investor“. Bei den 
Verhandlungen seien am Rande auch mög-
liche Kooperationen besprochen worden. 
Eine Idee sei etwa, den UserInnen von 
FragNebenan in Zukunft Haftpflichtver-
sicherungspakete anzubieten, die auch das 
Verleihen von Gegenständen beinhalten. 
Theißbacher: „Im Herbst ist es um das In-
vestment gegangen und wir haben grund-
sätzlich gesagt, dass wir kooperieren wol-
len. Aber es sind noch Fragen offen, zum 
Beispiel wie nützlich so etwas für unsere 
Nutzer ist. Auch der Datenschutz ist ein 
Thema.“
Skalierbarkeit
FragNebenan ist in Wien gestartet und 
derzeit außerdem in Graz, Klagenfurt, 
Innsbruck, Salzburg, Linz, Leoben, Kap-
fenberg und Mödling vertreten. Durch die 
Gespräche mit den Investoren wurde dem 
Team bestätigt, dass ihr Geschäftsmodell 
skalierbar, also auf andere Länder erwei-
terbar ist. 
Man definierte gemeinsam Meilen-
steine, konkret Ziele für Umsatz und 
NutzerInnenzahlen. Aufgrund der sozia-
len Ausrichtung des Start-ups wäre es laut 
Theißbacher auch möglich gewesen, eine 
Finanzierung über Stiftungen anzupeilen: 
„Das wollten wir aber nicht, weil wir uns 
als Unternehmen sehen.“ Für den nächs-
ten Schritt, also die Internationalisierung 
des Geschäftsmodells, kann sich Theiß-
bacher vorstellen, mit einem Investor zu-
sammenzuarbeiten, der Risikokapital be-
reitstellt.
Nicht nur private Investoren, auch 
Inkubatoren und Förderungen sind für 
Start-ups wichtig. FragNebenan hat etwa 
am Investment Ready Program teilge-
nommen, einem Inkubationsprogramm, 
das Sozialunternehmen hilft, für die Ver-
handlungen mit Investoren fit zu werden. 
Dabei geht es um Präsentationstechni-
ken, die Verfeinerung des Geschäftsmo-
dells oder darum, welche Zahlen Investo-
Alexandra Rotter
Freie Journalistin
Wie Ideen & Geld zusammenfinden
Wer sind eigentlich die Geldgeber der Start-ups, welche Motive verfolgen sie und wie 
stehen sie zu den Rechten von ArbeitnehmerInnen?
        

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