Full text: Was der alles kann! (6)

26 Arbeit&Wirtschaft 6/2017
I
n den Industriestaaten war die wirt­
schaftliche Ungleichheit in den 
 letzten 30 Jahren nie höher als 
heute. Der freie Waren­ und Kapi­
talverkehr erlaubt, dass Konzerne ihre 
Produktion dorthin auslagern, wo Löh­
ne sowie Arbeits­ und Sozialstandards 
niedriger sind. Abwanderungsdrohun­
gen und Arbeitslosigkeit führen zu Lohn­
druck und können Verschlechterungen 
von Arbeitsrecht und Arbeitsbedingun­
gen bewirken. 
Machtverschiebung
Vor diesem Hintergrund kam es zu einer 
Machtverschiebung zulasten der Arbeit­
nehmerInnen. Schlechte Bezahlung und 
nicht existenzsichernde Einkommen 
breiten sich in Folge schneller aus als 
 Beschäftigungsverhältnisse, die eine 
 Basis für ein gutes Leben bilden. Statt­
dessen haben Teilzeitarbeit und atypi­
sche Beschäftigungsformen stark zuge­
nommen. 
Dementsprechend sank der Anteil 
der Löhne am volkswirtschaftlichen 
 Gesamteinkommen zugunsten der Ge­
winne der Unternehmen. 
Kapitaleinkommen stärker gestiegen
Gerade Arbeitslosigkeit, der technische 
Fortschritt und die Globalisierung 
dämpfen die Einkommen von Men­
schen mit niedriger Qualifikation, wäh­
rend diese Entwicklung Hochqualifi­
zierten eher zugutekommt. Gleichzeitig 
tragen liberalisierte Finanzmärkte und 
Steueroasen dazu bei, dass die Kapital­
einkommen weitaus stärker gestiegen 
sind als die Lohneinkommen.
Immer ungleichere Verteilung
All dies sind Gründe, warum die Ver­
teilung der Einkommen und der Ver­
mögen auch in Österreich immer un­
gleicher geworden ist. So konnte das 
oberste Fünftel der Bevölkerung ihren 
Anteil am Gesamteinkommen in den 
letzten 20 Jahren auf fast die Hälfte 
 vergrößern – zulasten der niedrigen 
und mittleren Arbeitseinkommen, deren 
Anteil am Gesamteinkommen im glei­
chen Zeitraum auf unter ein Drittel 
sank. 
Laut dem aktuellen Sozialbericht 
haben folglich mehr als drei Viertel der 
Haushalte weniger als 50.000 Euro 
Bruttojahreseinkommen, während fünf 
Prozent mehr als 100.000 Euro erhal­
Romana Brait
Abteilung Wirtschaftswissenschaft der AK Wien
Sparen steigert Ungleichheit
Der Sozialstaat sorgt für eine Verringerung der Ungleichheit von Einkommen und 
 Vermögen. Wer Sozialleistungen kürzt, vergrößert die Kluft zwischen Reich und Arm. 
1 % der Bevölkerung
besitzt 33 % der Vermögen
50 % der Bevölkerung besitzen  
2 % der Vermögen 
49 % der Bevölkerung
besitzen 65 % der Vermögen
        

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