Full text: Work in Regress (2)

22 Arbeit&Wirtschaft 2/2018
Nur gut gemeint?
Es gibt sinnvolle Alternativen zur 2014 abgeschafften befristeten Invaliditäts pension. 
Doch Geldmangel verhindert, dass Betroffene effizient unterstützt werden.
R
ehabilitation vor Pension“ lautet 
seit einigen Jahren das Motto im 
Umgang mit ArbeitnehmerInnen 
und Arbeitsuchenden, die nicht 
(mehr) in der Lage sind, ihre berufliche 
Tätigkeit auszuüben. Egal ob Burn­out, 
Krebs, chronische Wirbelsäulenbe­
schwerden oder Unfallfolgen: Individu­
elle Pläne für die medizinische und be­
rufliche Rehabilitation sollen passgenaue 
Maßnahmen ermöglichen und Betroffe­
nen neue Perspektiven bieten.
Für ab 1964 Geborene brachte eine 
Gesetzesänderung aus dem Jahr 2012 
entscheidende Neuerungen: Mit Jänner 
2014 wurde die befristete Invaliditäts­
pension (Berufsunfähigkeitspension bei 
Angestellten bzw. Erwerbsunfähigkeits­
pension bei Selbstständigen) abge­
schafft. Wer mindestens sechs Monate 
hindurch im Krankenstand bleiben 
muss, erhält Rehabilitationsgeld in der 
Höhe des Krankengeldes von der Ge­
bietskrankenkasse und medizinische Re­
habilitation durch die Pensionsversiche­
rung. Case­ManagerInnen der Kran­
kenkassen unterstützen und begleiten 
den Genesungsprozess und die Rehabili­
tation. Dafür wird ein individueller Ver­
sorgungsplan erstellt.
Fast zwei Drittel abgelehnt
Eine Invaliditätspension wird nur mehr 
bei dauernder Invalidität zuerkannt, 
sprich wenn eine Besserung des Gesund­
heitszustandes nicht zu erwarten ist. Das 
heißt, diese Pension erhalten nur Men­
schen, die vollständig erwerbsunfähig sind 
oder denen eine berufliche bzw. medizi­
nische Rehabilitation nicht zumutbar ist. 
Im Jahr 2016 wurden laut Hauptverband 
der Sozialversicherungsträger 57.040 An­
träge auf Erwerbsunfähigkeits­, Berufsun­
fähigkeits­ oder Invaliditätspension einge­
reicht. Ca. 60 Prozent wurden abgelehnt. 
Rund ein Drittel der Abgewiesenen re­
agiert mit einer Klage beim Sozialgericht, 
etwa 20 Prozent dieser Fälle sind in der 
Regel auch erfolgreich. Wer den erlernten 
Beruf nicht mehr ausüben kann, kann ei­
ne neue Ausbildung absolvieren. Der An­
spruch auf das entsprechende Umschu­
lungsgeld besteht nur dann, wenn die Be­
troffenen bei der Auswahl, Planung und 
Durchführung der Maßnahmen zur be­
ruflichen Rehabilitation aktiv mitwirken. 
Soweit die juristischen Basics, doch 
wie schon erwähnt gibt es in der Praxis 
einige gravierende Mankos. So setzen die 
Maßnahmen meist viel zu spät an. „Ty­
pisch ist leider nach wie vor, dass die Be­
zieherInnen von Rehabilitationsgeld 
schon längere Zeit arbeitslos sind“, be­
richtet AK­Pensionsexperte Wolfgang 
Panhölzl. „Und bei der beruflichen Re­
habilitation hat sich gezeigt, dass einmal 
invalide Personen kaum mehr über die 
physischen und psychischen Ressourcen 
verfügen, die erforderlich sind, um – im 
fortgeschrittenen Alter – einen neuen 
Beruf zu erlernen.“
Um hier gegenzusteuern, wurde mit 
einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 
2017 unter anderem der Rechtsanspruch 
auf berufliche Rehabilitation schon bei 
drohender Invalidität eingeführt. Damit 
besteht erstmals die Möglichkeit, bereits 
bis zu fünf Jahre vor der Invalidität aus 
einer belastenden Tätigkeit auszusteigen 
und einen neuen Beruf zu erlernen.
Wiedereingliederungsteilzeit
Nach einem langen Krankenstand, etwa 
durch eine Krebserkrankung, möchten 
viele Betroffene gerne wieder an ihren 
Arbeitsplatz zurückkehren, befürchten 
aber, täglich acht Stunden nicht durch­
halten zu können. Seit Juli 2017 gibt es 
die Möglichkeit, nach langen Kranken­
ständen schrittweise wieder in den Beruf 
zurückzukehren. Diese freiwillige Wie­
dereingliederungsteilzeit wurde auf Vor­
schlag der Sozialpartner umgesetzt und 
kann schon jetzt als Erfolgsmodell be­
zeichnet werden. Man erwartete jährlich 
rund 200 Anträge, tatsächlich sind es 
mehr als 1.000.
Gute Ideen allein wären allerdings zu 
wenig, so Wolfgang Panhölzl, denn der­
zeit gäbe es keinen Ansatz, wie man die 
bereits vorhandenen Regeln mit Leben 
füllen könnte. Es gäbe verwirrende Zu­
ständigkeiten, und ein Gesamtbudget 
für Prävention und Rehabilitation wäre 
Astrid Fadler
Freie Journalistin und Autorin
B U C H T I P P
W. Pinggera, W. Pöltner,  
E. Sladecek:
Pension & Invalidität  
Alles über Ihre Rechte und 
Pflichten
Manz Ratgeber, Wien 2014
ISBN: 978-3-214-00581-8
Bestellung:
www.besserewelt.at
        

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