27Arbeit&Wirtschaft 1/2018
organ Aufsichtsrat oft von mathemati-
schen oder statistischen Modellen abhän-
gig. Risiko ist Teil jedes unternehmeri-
schen Handelns, aber wie erkennt das 
Überwachungsorgan Aufsichtsrat, dass 
vorgelegte Risikoeinschätzungen mangel-
haft bzw. nicht verlässlich sind? Auf ju-
ristischer Ebene wird hier seit 2016 die 
„Business Judgement Rule“ als Maßstab 
herangezogen. Ihr Ziel ist es, die Haftung 
der Organe bei ihren Entscheidungen auf 
ein vernünftiges Maß einzuschränken. In 
der Praxis geht es wohl darum, relevante 
Fragestellungen zu identifizieren und ent-
sprechende Informationen vom Vorstand 
zu verlangen sowie diese auf ihre Plausi-
bilität zu überprüfen. BetriebsrätInnen 
im Aufsichtsrat können hier oft mit fun-
diertem internem Wissen über innerbe-
triebliche Schwachstellen, aber auch über 
potenzielle Chancen punkten. Vorausset-
zung dafür ist neben Sachverstand und 
relevanten Grundkenntnissen auch, dass 
genügend Zeit für den Aufsichtsratsjob 
aufgebracht wird und die Sitzungen sorg-
fältig vorbereitet werden. 
Chance für BetriebsrätInnen
Teil der Professionalisierung ist auch der 
zunehmende Anspruch an Diversität. 
Erstmals wird es nun in Österreich unter 
bestimmten Bedingungen eine verpflich-
tende Frauenquote im Aufsichtsrat ge-
ben. Beim Reporting wird zukünftig auf 
die Diversitätsstrategien verstärkt einzu-
gehen sein. Übrigens werden auch die 
Transparenzanforderungen im Sozial- 
und Umweltbereich verstärkt ein Thema 
im Aufsichtsrat sein. Denn dieser hat den 
entsprechenden Bericht zu prüfen. Dar-
aus bietet sich eine Chance für Betriebs-
räte, ihren Anliegen in Richtung Gestal-
tung der Arbeitsbedingungen durch Be-
richterstattung im Nachhaltigkeitsbe-
richt stärker Nachdruck zu verleihen. 
Die Professionalisierung macht auch 
vor den Betriebsräten nicht halt. Ge-
fragt sind tragfähige Unterstützungs-
strukturen: ExpertInnen im Unterneh-
men, Kooperation mit Gewerkschaften 
und Arbeiterkammern, die Pflege von 
Betriebsratsnetzwerken und vermutlich 
auch die Suche nach Verbündeten bei 
der lokalen Geschäftsführung oder dem/
der einen oder anderen Kapitalvertrete-
rIn im Aufsichtsrat bilden die entspre-
chende Basis. Beim Erwerb von not-
wendigem Know-how für die verant-
wortungsvolle Aufgabe unterstützen 
Arbeiterkammer und ÖGB im Rahmen 
ihres weitreichenden IFAM Seminar- 
und Weiterbildungsangebots. Spezifi-
sche Veranstaltungen und ein umfang-
reiches Angebot an Büchern und Skrip-
ten speziell für Betriebsräte runden das 
Angebot ab. In der Praxis bewährt sich 
besonders das Beratungsangebot der Ar-
beiterkammer, BetriebsrätInnen spezi-
fisch für bevorstehende Aufsichtsratssit-
zungen im Rahmen des AK-Beratungs-
angebots etwa durch Analyse von Jah-
resabschlüssen oder Unterstützung bei 
gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen 
vorzubereiten. 
Mitbestimmung als Erfolgsfaktor
Die Nominierung von BetriebsrätInnen 
in den Aufsichtsrat und damit die wirt-
schaftliche Mitbestimmung wurde 1919 
gesetzlich verankert und ist ein maßgeb-
licher sozialer Meilenstein in der Corpo-
rate Governance. Denn Mitbestimmung 
trägt positiv zum Unternehmenserfolg 
bei und bereichert das Aufsichtsratsgre-
mium mit einer unternehmensinternen, 
praktischen Perspektive aus Sicht der ar-
beitenden Menschen in der Organisati-
on. Der deutsche Mitbestimmungsindex 
zeigt zum Beispiel, dass Unternehmen 
mit ArbeitnehmervertreterInnen im Auf-
sichtsrat innovativer sind, nachhaltiger 
wirtschaften und eine harmonischere 
Organisationskultur haben. Dabei ist die 
betriebliche Mitbestimmung im Auf-
sichtsrat keineswegs eine Selbstverständ-
lichkeit. Viele europäische Länder haben 
überhaupt keine Regelungen der Mitein-
beziehung auf Board-Level und auch im 
deutschsprachigen Raum wird oft ver-
sucht, die Mitbestimmung zu schwä-
chen. Dabei ist es durchaus im Interesse 
von ManagerInnen, dass die Belegschaft 
aktiv einbezogen wird. Eine Studie der 
europäischen Stiftung Eurofound zeigt 
dies eindrucksvoll: Österreichische 
Mana gerInnen vertrauen ihren Betriebs-
räten in 95 Prozent der Fälle, und sie 
wissen, dass das Engagement für das Un-
ternehmen durch Partizipation der Be-
schäftigten steigt. 
IFAM – Institut für Aufsichtsrats-Mitbestimmung:
www.ifam-aufsichtsrat.at
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