46 Arbeit&Wirtschaft 1/2018
Man kann nicht alles wissen ...
Arbeiterbildungsverein: Nach der März-Revolution 
1848 entstanden die ersten derartigen Vereine, so 
etwa in Wien-Landstraße der „Erste Allgemeine 
Arbeiterverein“. Er wurde nach wenigen Monaten 
aufgelöst. Erst rund zwei Jahrzehnte später konn-
te mit einer systematischen Bildungsarbeit für die 
ArbeiterInnen begonnen werden, wobei diese Ver-
eine anfangs zum Teil von Liberalen finanziert und 
gefördert wurden. Nach dem Hainfelder Parteitag 
1888/89 wurden die Arbeiterbildungsvereine von 
den gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen der 
einzelnen Berufsgruppen zurückgedrängt, die 
ebenfalls „Vermittlung von Wissen, Aufklärung 
und Bildung“ als ihre Aufgabe betrachteten. 
 (Seite 43)
Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG): 1973 unter 
Sozialminister Rudolf Häuser nach langen Ver-
handlungen verabschiedetes und am 1. Juli 1974 
in Kraft getretenes Gesetz, das die Rechtsgrund-
lage für die Interessenvertretung der Arbeitneh-
merInnen in den Betrieben darstellt. (Seite 22)
BetriebsrätInnen-Akademie (BRAK): zielgruppen-
spezifischer, 14-wöchiger VÖGB-Lehrgang in Voll-
zeit. Er kann nur von Personen besucht werden, die 
ArbeitnehmervertreterInnen in der Funktion des/
der (stellvertretenden) Vorsitzenden sind bzw. aus 
gewerkschaftlich strategisch wichtigen Betrieben 
kommen und für die Ausbildungszeit karenziert 
werden. Teilnehmende müssen von ihrer Gewerk-
schaft und der AK nominiert werden. (Seite 34)
Business Judgement Rule: Die dem US-Rechtssys-
tem entstammende Regel limitiert die Haftung von 
GeschäftsführerInnen und Vorständen gegenüber 
den EigentümerInnen. Danach haften Geschäfts-
führer und Vorstände dann nicht für negative 
Folgen unternehmerischer Entscheidungen, wenn 
diese auf Grundlage angemessener Informatio-
nen, ohne Berücksichtigung sachfremder Interes-
sen, zum Wohl der Gesellschaft und in gutem 
Glauben gefasst wurden. In Österreich hat der 
Oberste Gerichtshof bereits seit 1998 in diversen 
Urteilen das Prinzip der Business Judgement Rule 
angewandt. Mit Jänner 2016 wurde das österrei-
chische Aktiengesetz im Sinne der Business Judge-
ment Rule, die auch für GmbH-Geschäftsführer 
und Vorstände einer Privatstiftung gilt, novelliert. 
(Seite 27)
CGT (Confédération générale du travail): 1895 
gegründeter französischer Gewerkschaftsbund, 
der lange Zeit der Kommunistischen Partei (PDF) 
nahestand. So lehnte die CGT etwa den General-
streik 1968 ab, an dem sich zeitweilig bis zu zehn 
Millionen Arbeiter beteiligt hatten, weil die studen-
tische 68er-Bewegung als im Kern „bürgerlich“ 
angesehen wurde. 2006 kippten die von der GCT 
mitgetragenen StudentInnenproteste und Arbeits-
niederlegungen ein geplantes Gesetz zur erleich-
terten Kündigung bei Ersteinstellungen. (Seite 40)
Community of Practice (CoP): praxisbezogene 
Gemeinschaft von Personen, die informell mitein-
ander verbunden sind, ähnlichen Aufgaben gegen-
überstehen und  voneinander lernen wollen. Der 
Begriff wurde 1991 von den SozialforscherInnen 
Jean Lave und Étienne Wenger etabliert, die zeig-
ten, dass für den Wissenserwerb – neben Struktu-
ren oder Modellen – insbesondere die Teilnahme 
an einer Gemeinschaft entscheidend ist, in der das 
Wissen konstruiert wird. CoP-Struktur: Teilneh-
mende bekommen keine Rolle zugeteilt, sondern 
erwerben ihre Rolle aufgrund ihrer Tätigkeit und 
der Akzeptanz oder Ablehnung durch die anderen 
Mitglieder. (Seite 23)
Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Im Mai 
2016 veröffentlichte Verordnung des Europäischen 
Parlaments und des Rates zum Schutz natürlicher 
Personen bei der Verarbeitung personenbezogener 
Daten und zum freien Datenverkehr. Sie wird am 
25. Mai 2018 in Kraft treten. Bis dahin müssen 
alle Datenanwendungen entsprechend angepasst 
werden. Als EU-Verordnung ist sie in jedem Mit-
gliedstaat unmittelbar anwendbar, lässt dem 
nationalen Gesetzgeber jedoch Spielräume. Daher 
wurde in Österreich das Datenschutz-Anpas-
sungsgesetz 2018 beschlossen. (Seite 12)
Dohnal, Johanna: österreichische Feministin und 
SP-Politikerin (1939–2010); 1978 entstand auf 
ihre Initiative das erste Frauenhaus in Wien, 1979 
unter Bruno Kreisky Österreichs erste Staatssekre-
tärin für allgemeine Frauenfragen, 1990–1995 
Frauenministerin. (Seite 28)
Einkommensbericht: Im März 2011, kurz vor dem 
100. Weltfrauentag, trat das neue österreichische 
Gleichbehandlungsgesetz in Kraft. Seitdem muss 
in Stelleninseraten der Mindestlohn laut KV ange-
führt werden und Betriebe müssen die Durch-
schnittseinkommen von Frauen und Männern of-
fenlegen. Anfangs waren nur Unternehmen mit 
mehr als 1.000 MitarbeiterInnen zu Einkommens-
berichten verpflichtet, seit 2014 müssen die Be-
richte von allen Betrieben mit mehr als 150 Be-
schäftigten erstellt werden. (Seite 29)
Essl, Karlheinz (sen.): österreichischer Unterneh-
mer und Kunstsammler, geb. 1939; gründete 1976 
bauMax. In nur wenigen Jahren wurde aus dem 
Baustoffhandel seines Schwiegervaters in Kloster-
neuburg eine internationale Baumarkt-Kette mit 
9.000 Beschäftigten und 160 Filialen. 1990 Bör-
segang, um u. a. Expansion in den Osten zu finan-
zieren. Dort liefen die Geschäfte auch noch besser, 
während bauMax in Österreich längst keine Gewin-
ne mehr schrieb. Obwohl Essl und seine Familie 
auch mit Privatvermögen (u. a. durch den Verkauf 
ihrer Kunstsammlung) den Konzern auffangen 
wollten, war bauMax 2013 hoch verschuldet. 2015 
übernahm der Konkurrent OBI einige der Filialen. 
(Seite 15)
European Company Survey (ECS): seit 2004/05 
alle vier Jahre von Eurofound (Europäische Stif-
tung zur Förderung der Lebens- und Arbeitsbedin-
gungen) durchgeführte Europäische Erhebung zur 
Arbeitszeit und zur Vereinbarkeit von Berufs- und 
Privatleben. Die zweite Erhebung (unter dem neu-
en Namen Europäische Unternehmenserhebung/
ECS) wurde 2009 abgeschlossen. Die dritte Erhe-
bung zu Arbeitsorganisation, Innovation am Ar-
beitsplatz, ArbeitnehmerInnenbeteiligung und den 
sozialen Dialog an Arbeitsstätten in Europa fand 
2013 in 32 Ländern statt. An der vierten Erhebung 
ist neben dem Eurofound erstmals auch das Eu-
ropäische Zentrum für die Förderung der Berufs-
bildung (CEDEFOP) beteiligt. Erste Ergebnisse 
werden Ende 2019 vorliegen. (Seite 6)
European Trade Union Institute (ETUI): Europäi-
sches Gewerkschaftsinstitut mit Sitz in Brüssel, 
unabhängige Forschungs- und Bildungseinrich-
tung des Europäischen Gewerkschaftsbundes 
(EGB). Unter anderem organisiert das ETUI alle 
zwei Jahre eine dreitägige hochrangige Konferenz 
zum Thema Arbeit in Europa. (Seite 43)
Gewerkschaftsschule: zweijähriger Abend-Lehr-
gang des VÖGB für interessierte Gewerkschafts-
mitglieder, BetriebsrätInnen, PersonalvertreterIn-
nen sowie Vertrauenspersonen. Voraussetzung für 
die Teilnahme ist die Mitgliedschaft in einer Ge-
werkschaft. Die zuständige Gewerkschaft wird 
über die Anmeldung informiert und kann in be-
gründeten Fällen die Aufnahme in den Lehrgang 
beeinspruchen. Je nach Standort finden die Ein-
heiten ein- oder zweimal pro Woche statt, plus 
mehrere Wochenend- bzw. Samstagseminare und 
einem viertägigen Workshop in Brüssel. (Seite 43)
Modellregionen: Im April 2017 standen die Modell-
regionen für die Aktion 20.000 endgültig fest: 
Neben bezirksübergreifenden Projekten in Wien 
sollten in allen übrigen Bundesländern insgesamt 
13 Bezirke zu Modellregionen werden. Im darauf-
folgenden Juli sind die ersten Arbeitsplätze für 
Langzeitarbeitslose ab 50 entstanden. 2018 sollte 
die jetzt von der VP/FP-Regierung gestoppte 
Aktion auf ganz Österreich ausgeweitet werden. 
(Seite 44)
Schlecker, Anton: deutscher Unternehmer, geb. 
1944; 1975 verließ der gelernte Fleischhauer den 
elterlichen Großbetrieb und eröffnete den ersten 
Drogeriemarkt. Zwei Jahre später gab es bereits 
100, 2008 europaweit mehr als 15.000 Filialen. 
Schlecker war außerdem einer der größten Kapi-
talgeber für die Expansion von Lidl. Vor dem Insol-
venzantrag 2012 soll die Familie Millionen auf die 
Seite geschafft haben, 2017 wurden Anton Schle-
cker und seine Kinder zu Haftstrafen verurteilt. 
(Seite 15)
VÖGB (Verband Österreichischer Gewerkschaftli-
cher Bildung): Der gemeinnützige Tochterverein 
des ÖGB stellt dessen Referat für Bildung, Freizeit 
und Kultur dar und ist eine öffentlich anerkannte 
Erwachsenenbildungseinrichtung; Geschäftsfüh-
rerin: Sabine Letz. (Seite 42)
        

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