23Arbeit&Wirtschaft 10/2018
baut und an die neuen Rahmenbedin-
gungen, die sich durch die Digitalisie-
rung ergeben, angepasst. Unter dem 
Titel „Zukunftsprogramm 2019–2023“ 
wurde dieser Plan beschlossen und auch 
der Bundesregierung bereits vor dem 
Sommer übermittelt. 
Insgesamt wird in den Jahren 2019 
bis 2023 die gewaltige Summe von 150 
Millionen Euro für die Digitalisierungs-
oensive der AK zur Verfügung gestellt. 
Das geht nur unter großen Anstrengun-
gen, durch Umstrukturierungen und 
Umschichtungen. Dennoch: Bislang 
gab es vonseiten der Regierung keine 
Reaktion auf das Zukunftsprogramm – 
und so ging die AK in die Umsetzung. 
Für die neuen Aufgaben werden gerade 
ExpertInnen rekrutiert. 
Die neuen Services
2019 wird in den Arbeiterkammern viel 
passieren. Zum Beispiel wird es neue 
Services für alle mit Wohnproblemen 
geben. Das bedeutet etwa, dass die AK 
Wien – wie manche Länderkammern 
jetzt schon – künftig Wohnrechtsbera-
tung anbieten wird. Alle Arbeiterkam-
mern werden Mitglieder, die sich mit 
Wohnproblemen an sie wenden, stärker 
unterstützen. Zudem werden – in Fällen, 
die richtungsweisend sein können – 
Musterprozesse geführt. Auch bei Fragen 
zur Pflege können sich Betroffene an die 
AK wenden. 
So soll es unter anderem Beratung 
bei der Pegegeld-Einstufung für die 
rund 450.000 BezieherInnen geben. 
Ausgebaut wird zudem die Beratung 
von Menschen in Pegeberufen sowie 
die kostenlose Vertretung vor Gericht in 
strittigen Einstufungsfällen. Ein weite-
res Extra wird die verstärkte Bildungsbe-
ratung sein. Mittels App soll die Schul- 
und Berufswahl erleichtert werden, die 
persönliche Beratung wird ebenfalls aus-
gebaut. Mehr Förderung gibt es für 
Fort- und Weiterbildungen, vor allem 
wenn es um Kenntnisse geht, die im Zu-
sammenhang mit der Digitalisierung 
stehen. 
Auch die Schattenseiten der Digita-
lisierung werden von den Arbeiterkam-
mern stärker beleuchtet werden – so 
wird es im Konsumentenschutz künftig 
mehr Beratung für diese emen geben. 
So hat die AK erst vor Kurzem in einem 
Pressegespräch darauf hingewiesen, wel-
che Daten Mobilfunkanbieter sammeln 
und verwerten.
Digitalisierung ist gestaltbar
„Der digitale Wandel kann und soll nicht 
aufgehalten werden, aber er ist keine Na-
turgewalt, sondern kann gestaltet wer-
den. Für die AK ist es von großer Bedeu-
tung, dass dieser Wandel sozial gerecht 
und wirtschaftlich sinnvoll genutzt 
wird“, erklärt AK-Präsidentin Renate 
Anderl. Die Digitalisierung muss allen 
ArbeitnehmerInnen nutzen und daher 
so gestaltet werden, dass nicht nur eine 
kleine Elite profitiert, sondern alle ge-
winnen. 
Daher wird in der AK auch noch auf 
anderen Ebenen angesetzt, um diesen 
Wandel in arbeitnehmerInnenfreundli-
che Bahnen zu lenken. Neben den ver-
stärken Weiterbildungsförderungen hat 
die Arbeiterkammer den Projektfonds 
Arbeit 4.0 ins Leben gerufen, der mit 
Jänner 2019 seine Arbeit aufnimmt. 
Damit werden Initiativen unterstützt, 
die die Arbeitswelt mithilfe von digita-
len Instrumenten verbessern. „Die Pro-
jekte sollen anderen als Vorbild dienen. 
Die vielversprechendsten Ideen werden 
über den AK-Projektfonds Arbeit 4.0 
gefördert. So gestalten wir gemeinsam 
Zukunft!“, sagt AK-Präsidentin Renate 
Anderl. 
Zur Inspiration und um eine Idee zu 
bekommen, in welche Richtungen es 
beim Projektfonds Arbeit 4.0 gehen 
kann, hat die AK im Oktober eine große 
internationale Konferenz unter dem Ti-
tel „Digital Works for People“ abgehal-
ten. Dabei wurden Vorzeigeprojekte aus 
ganz Europa und den USA in Wien prä-
sentiert. Es konnte dargestellt werden, 
wie MitarbeiterInnen durch die Digita-
lisierung mehr Möglichkeiten zur Mit-
sprache bekommen und wie Weiterbil-
dung vorausschauend organisiert wer-
den kann. Auch wurden neue Arbeits-
formen vorgestellt, die arbeitnehmerIn-
nenfreundlich gestaltet werden konn-
ten. 
Eines der dort präsentierten Beispie-
le ist die von der Arbeiterkammer Wien 
selbst initiierte und umgesetzte Online-
Plattform faircrowd.work. Hier können 
Crowdworker ihre Arbeitgeber bewer-
ten, sich austauschen und erfahren, wo 
die Arbeitsbedingungen besonders gut 
oder schlecht sind. Faircrowd.work wur-
de von der AK, dem ÖGB und interna-
tionalen Gewerkschaften ins Leben ge-
rufen. Zur Erstellung der Webseite wur-
den umfassende Informationen über 
Crowd-, App- und plattformbasierte 
Arbeit erstmals aus der Perspektive der 
Beschäftigten und Gewerkschaften er-
hoben. 
So entstand die bislang größte Da-
tensammlung zu diesem ema in Eu-
ropa. Außerdem bietet die Seite rechtli-
che Informationen. „Durch Digitalisie-
rung ergeben sich auch neue Möglich-
keiten der betrieblichen Mitbestim-
mung. Diese sollten genutzt werden, 
um die Arbeitsbedingungen zu verbes-
sern“, so AK-Präsidentin Renate Anderl. 
Auch in anderen Bereichen birgt Digita-
lisierung das Potenzial für Verbesserun-
gen: „Digitalisierung ist dann gelungen, 
wenn sie für ArbeitnehmerInnen mehr 
Autonomie in der Arbeit, mehr Freizeit, 
sichere Einkommen, Zugang zu mehr 
Wissen und gesündere Arbeitsbedin-
gungen bringt“, führt AK-Präsidentin 
Renate Anderl aus. 
Interessante Projekte gesucht
Über den Projektfonds Arbeit 4.0 wird 
die AK zum Gelingen der Digitalisierung 
in Österreich beitragen. Die Höhe der 
Förderung hängt von der Größe des Pro-
jekts, den Gesamtkosten und dem Eigen-
mittelanteil ab. Ansuchen können etwa 
BetriebsrätInnen, ArbeitnehmerInnen-
Gruppen, Vereine, ForscherInnen, Ge-
werkschaften, Gebietskörperschaften etc. 
stellen. Fridolin Herkommer und sein 
Team vom Büro für digitale Agenden in 
der AK Wien halten bereits fleißig Aus-
schau nach passenden Konzepten. Bewer-
berInnen können sich auch über die 
Homepage der Arbeiterkammer mit 
 ihren Ideen melden.
Weiterführender Link:
tinyurl.com/y9sujbo2
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miriam.koch@akwien.at
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