20 Arbeit&Wirtschaft 4/2018
tungen. Mit den Betreuungs- und Ge-
sundheitsdienstleistungen ist eine große 
Beschäftigungswirkung verbunden. So-
zialausgaben haben über diese beiden 
Kanäle (Nachfrage und Beschäftigung) 
positive Wirkungen auf die Gesamtwirt-
schaft, die in der WIFO-Studie detail-
liert dargestellt sind. 
Und Verbesserungspotenzial im Sinne 
von mehr Effizienz?
Effizienzverbesserungen sind in den 
unterschiedlichen Sozialbereichen si-
cherlich möglich. Allerdings konnten 
wir im Rahmen der Studie nicht genau-
er hinschauen. In jedem Fall ist zu be-
denken, dass Effizienz besonders im Ge-
sundheits- und Sozialbereich immer 
auch im Hinblick auf die Versorgungs-
sicherheit zu untersuchen ist.
Sie haben in der Studie auch die Wech-
selwirkungen von Effizienz und Un-
gleichheit untersucht.
Wir haben gesehen, dass es eine po-
sitive Wechselwirkung gibt, dass gleiche 
Einkommensverteilung sehr gut in eine 
starke Wirtschaft passt. Relativ geringe 
Einkommensungleichheit wirkt vertrau-
ensbildend, und das ist auch für Betrie-
be mit positiven Effekten verbunden. 
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wohl von den Unternehmen als auch 
von den Beschäftigten. Um damit um-
gehen zu können, braucht es auch eine 
gewisse Sicherheit. 
Ökonomische und soziale Sicherheit 
sind eine Voraussetzung für Flexibilität 
und Mobilität. Es muss eine gewisse Ab-
sicherung, ein gewisses Grundvertrauen 
vorhanden sein, um den Job oder den 
Beruf zu wechseln, um auch im letzten 
Drittel des Erwerbslebens noch die 
Möglichkeit zu haben, etwas Neues aus-
zuprobieren, sich den veränderten An-
forderungen anpassen zu können. 
Wo könnte man hier ansetzen?
Beispielsweise ist die Weiterbil-
dungsbeteiligung in Österreich niedrig, 
obwohl es durchaus Möglichkeiten wie 
etwa die Bildungskarenz gibt. Es wäre 
daher vielleicht eine Option, einen 
Rechtsanspruch auf Weiterbildung ein-
zuführen.
Da würden manche vielleicht einwen-
den, dass den österreichischen Arbeit-
nehmerInnen einfach der Mut zum 
 Risiko fehlt.
Wir haben in Österreich derzeit eine 
sehr angespannte Arbeitsmarktsitua-
tion. 2017 waren 340.000 Menschen 
arbeitslos. Da nützt auch Mut zum Risi-
ko nichts, wenn nicht genug Arbeits-
plätze vorhanden sind. 
Wo gibt es Verbesserungspotenzial bei 
den Sozialleistungen?
In Österreich werden rund 30 Pro-
zent des Bruttoinlandsprodukts für so-
ziale Zwecke ausgegeben, davon sind 
der Großteil monetäre Transfers, von 
Pensionen bis Kinderbeihilfe. Hier ist es 
wichtig anzuerkennen, dass diese Geld-
leistungen ökonomisch wichtig sind, 
weil sie Konsumnachfrage bewirken. 
Das haben wir in der Krise deutlich ge-
sehen: Während die Auslandsnachfrage 
und die Investitionsnachfrage wegge-
brochen sind, blieb die private Kon-
sumnachfrage positiv. Dadurch ist die 
Wirtschaft nicht noch stärker eingebro-
chen. Auch aktuell sehen wir, dass die 
positiven Wirtschaftsaussichten für 
2018/19 zu gut einem Drittel durch die 
private Konsumnachfrage getragen 
sind. Ein stabiles Einkommen, ob aus 
Erwerbseinkommen oder den daraus 
abgeleiteten Ansprüchen, erhöht die 
 gesamtwirtschaftliche (Krisen-)Wider-
standsfähigkeit.
Neben den Transfers fließt der zwei-
te Teil der Sozialausgaben in Dienstleis-
Die positive Rolle des Sozialstaats hat 
sich während der Krise deutlich gezeigt: 
Die Auslands nachfrage ist wie die 
Investitions nachfrage weggebrochen, 
die private Konsumnachfrage aber blieb 
positiv. Dadurch ist die Wirtschaft nicht 
noch stärker eingebrochen.Ökonomische und soziale Sicherheit 
sind eine Voraussetzung für Flexibilität 
und Mobilität. Es muss eine gewisse 
Absicherung, ein gewisses Grund-
vertrauen vorhanden sein, um sich 
beruflich verändern zu können.
        

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