21Arbeit&Wirtschaft 4/2018
die entsprechenden ExpertInnen ins 
Boot geholt werden. 
Und soll Wirtschaftswachstum in der 
Verfassung ergänzt werden?
Auch hier gilt wieder: Welches 
Wirtschaftswachstum bekommt Ver-
fassungsrang? Die traditionelle Maß-
zahl aus der Volkswirtschaftlichen Ge-
samtrechnung kann es jedenfalls nicht 
sein. Spätestens seit der Vorlage des 
Stiglitz-Sen-Fitoussi-Berichts im Jahr 
2009  wissen wir, dass zur Entwicklung 
der Wirtschaft auch das Wohlbefinden 
(well-being) der Menschen und die 
Nachhaltigkeit der Wirtschaft zu rech-
nen sind. 
Wie sehen Sie die Rolle der EU, was 
 eine Angleichung der Sozialstandards 
 innerhalb der Europäischen Union 
 betrifft? 
Ein Wirtschafts- und Währungs-
raum wie die EU braucht soziale Aus-
gleichsmechanismen. Eine europäische 
Arbeitslosenversicherung war ein Ver-
such in diese Richtung unter László 
 Andor, dem Kommissar für Beschäfti-
gung, Soziales und Integration bis 2014. 
Diese ematik ist wieder verschwun-
den. Vom derzeitigen Kommissionsprä-
sidenten Juncker ist die „Europäische 
Säule sozialer Rechte“ entwickelt wor-
den, wo in drei Bereichen (Arbeits-
marktzugang, Arbeitsbedingungen, So-
zialschutz) Mindeststandards vorge-
schlagen werden, die in Österreich der-
zeit weitgehend Status quo sind. In den 
Ländern mit niedrigeren Sozialstandards 
ist die Säule nur eine Aufforderung, weil 
die EU-Kommission im Sozialbereich 
keine direkten Kompetenzen hat. 
Aktuell sind die Nationalstaaten 
durch die strikten budgetpolitischen 
Vorgaben seitens der EU stark unter 
Druck. Das führt zwangsläufig zu Spar-
maßnahmen bei den Sozialleistungen 
und verhindert die Angleichung der So-
zialstandards unter den EU-Staaten, wie 
dies in der neuen Säule vorgesehen ist. 
Diese aktuelle ökonomische und vor al-
lem soziale Situation ist eine große Her-
ausforderung für Europa. Europäische 
Aufforderungen und nationale Abschot-
tungen allein werden diese Herausforde-
rungen nicht meistern können. 
Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin
afadler@aon.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at
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Was war für Sie persönlich das überra-
schendste Ergebnis der Studie?
Ich beschäftige mich schon länger 
mit dem ema Sozialleistungen – hier 
gab es für mich keine Überraschungen. 
Überraschend war für mich, dass es kei-
nen Widerspruch geben muss zwischen 
Ökologie und Produktivität. Dass rei-
che Staaten nicht unbedingt auf Kosten 
der Umwelt florieren, sondern bei-
spielsweise ein geringerer CO2-Ausstoß 
auch mit einer hohen Wirtschaftsleis-
tung verbunden sein kann, wie dies in 
Österreich der Fall ist.
Stichwort Standortqualität als Staats-
ziel: Bis Ende Juni soll ja das sogenann-
te Standortentwicklungsgesetz ausge-
arbeitet sein. Wie stehen Sie dazu?
Da kann ich wenig sagen, solange 
nicht geklärt ist, was mit Standortquali-
tät gemeint ist. 
Welche Kriterien sollte diese beinhal-
ten?
Wie wir in der WIFO-Studie her-
ausgearbeitet haben, gibt es hier zumin-
dest drei Perspektiven: eine wirtschaft-
liche, eine soziale und eine ökologische. 
Alle diese Perspektiven müssten auch 
berücksichtigt werden. Dazu müssten 
Ein Wirtschafts- und Währungsraum 
wie die EU braucht soziale Ausgleichs-
mechanismen. Eine europäische 
Arbeitslosenversicherung war ein 
Versuch in diese Richtung.
        

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