23Arbeit&Wirtschaft 4/2018
tet und verfügen über ausreichend liqui-
de Mittel, um mögliche Schwierigkeiten 
kurzfristig zu überbrücken. 
Der nominelle, das heißt der im Ge-
setz verankerte Steuersatz für Körper-
schaften liegt seit der letzten Senkung bei 
25 Prozent. Seitens der Bundesregierung 
gibt es Überlegungen, die Körperschafts-
steuer weiter zu reduzieren. Der gesetzli-
che Steuersatz sagt allerdings wenig über 
die tatsächliche Unternehmensbesteue-
rung aus. Durch viele bilanzpolitische 
(Ausnutzung von Bewertungsspielräu-
men) und konzernpolitische Maßnah-
men (Verrechnungspreisgestaltung, Mar-
ken- und Lizenzrechte etc.) wird bereits 
im Vorfeld der im Inland zu versteuernde 
Gewinn auf ein Minimum gedrückt.
Geringer Obolus noch zu viel? 
Stellt man den bereits reduzierten Ge-
winn der tatsächlich abgeführten Ge-
winnsteuer gegenüber, dann liegt der 
effektive Steuersatz bei den großen Ka-
pitalgesellschaften im Jahr 2016 bei 
20,5 Prozent (Industrieunternehmen: 
18,7 Prozent) – und damit signifikant 
unter dem gesetzlichen Steuersatz. Die 
Ursachen liegen in der Verwertung von 
Verlustvorträgen, der Gruppenbesteue-
rung und anderen Steuerbegünstigun-
gen. Da im Vorfeld mit allen Mitteln 
versucht wird, die Bemessungsgrundla-
ge zu drücken, liefert die effektive Steu-
erquote keinen ausreichenden Anhalts-
punkt für eine Steuer- oder Standortde-
batte. Setzt man die Körperschaftssteuer 
in Relation zur Betriebsleistung, zeigt 
sich, dass bei den Großen im Durch-
schnitt von 100 Euro Umsatz gerade 
einmal 1,22 Euro an Gewinnsteuer ab-
geführt werden. Dieser geringe Obolus 
an den Fiskus erscheint noch zu viel: Es 
gibt im Regierungsprogramm Überle-
gungen, das Steuerrecht an das Unter-
nehmensbilanzrecht anzugleichen sowie 
degressivere Abschreibungen auch im 
Steuerrecht zu erlauben. Dies würde zu 
einem weiteren Absinken der Steuerbe-
messungsgrundlage führen. Die Regie-
rungsideen gehen noch weiter: Von ei-
ner Halbierung der Steuer auf nicht 
entnommene Gewinne bis zu einer ge-
nerellen Tarifsenkung ist alles möglich. 
Wer profitiert von der Halbierung 
des KÖSt-Satzes auf nicht entnommene 
Gewinne? Zum Beispiel Dietrich Mate-
schitz mit seiner Red Bull GmbH (2016: 
3,4 Mrd. Euro Umsatz, 702 Mio. Er-
gebnis vor Steuern). An sich kann man 
Red Bull steuerlich nichts vorwerfen: Es 
gibt keine Steuerumgehungskonstrukti-
onen (Lizenzzahlungen, Steueroasen), 
sondern das Unternehmen zahlt ange-
messen Körperschaftssteuer in Öster-
reich. Doch der Plan der Regierung ist 
wie gemacht für reiche Eigentümer. Ein 
Unternehmen wirft viel Gewinn ab, der 
nicht oder nicht zur Gänze benötigt 
wird. Bei Red Bull wurde in den letzten 
Jahren nur die Hälfte ausgeschüttet, der 
Rest blieb im Unternehmen. Durch eine 
Halbierung des Steuersatzes auf nicht 
entnommene Gewinne hätte sich Diet-
rich Mateschitz für die Jahre 2015 und 
2016 zusammen 110 Millionen Euro 
Körperschaftssteuer erspart. 
Neben der Senkung der Körper-
schaftssteuer und des Bürokratieabbaus 
sieht das Regierungsprogramm auch eine 
Senkung der Lohnnebenkosten vor. Der 
erste, bereits heftig diskutierte Schritt soll 
eine Absenkung der Beiträge zur Unfall-
versicherung, die derzeit 1,3 Prozent der 
Lohn- und Gehaltssumme ausmachen, 
auf 0,8 Prozent sein. Während dies für 
die vielen kleinen Unternehmen keine 
nennenswerte Ersparnis bringt und ein 
Kollaps der Unfallversorgung droht, 
wandert das Geld zurück in die Taschen 
der Konzernherren. So sparen sich allein 
die Handelsriesen Billa und Spar jeweils 
knapp drei Millionen Euro pro Jahr.
Wie die Zahlen des AK-Unterneh-
mensmonitors zeigen, sind die großen 
Unternehmen wirtschaftlich gut aufge-
stellt. Es braucht daher nicht ein Weni-
ger, sondern ein Mehr an gesellschaft-
licher Verantwortung. Die großen Un-
ternehmen sollten in Form eines fairen 
Steueranteils und durch die Schaffung 
von zusätzlichen Arbeitsplätzen, anstel-
le einer weiteren Ausweitung der Ar-
beitszeit, vermehrt ihren Beitrag leisten. 
Der Unternehmensmonitor 2018  
erscheint Ende Mai unter:
www.arbeiterkammer.at
Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor
markus.oberrauter@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at  Qu
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Bestes Viertel
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Industrie
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der Industrie
0 2 % 4 % 6 % 8 % 10 %
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Beste Hälfte
Bestes Viertel
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Effektiver
Steuersatz
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Bestes Viertel
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der Industrie
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Gesamt
Beste Hälfte
Bestes Viertel
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Effektiver
Steuersatz
0 6 % 12 % 18 % 24 % 30 %
25 %
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Industrie-
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Gewinnspannen
Gesamt
Bestes Viertel
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der Industrie
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4 % 30 %
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18,7 %Industrie-
unternehmen
Eigenkapitalrentabilität
Unternehmensbesteuerung
Die großen österreichischen Unter-
nehmen sind wirtschaftlich gut 
aufgestellt. Sie sollten in Form eines 
fairen Steueranteils und durch die 
Schaffung von zusätzlichen Arbeits-
plätzen, anstelle einer weiteren 
Ausweitung der Arbeitszeit, vermehrt 
ihren Beitrag leisten. Statt dessen 
überlegt die Regierung, die 
Körperschafts steuer weiter zu 
reduzieren.
        

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